Deutsch - deutsche Beziehungen / Geschichte der Außenpolitik der DDR


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Schindler, Hans:

"Deutsch-deutsche Gipfeltreffen - Etappen der Beziehungen zwischen der DDR und der BRD 1981 bis 1990"

in: Detlef Nakath (Hrsg.) "Deutschlandpolitiker der DDR erinnern sich" (FIDES Verlags- und Veranstaltungsgesellschaft, Berlin, 1995), (im Oktober 2007 überarbeitete Fassung)

Der Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen zwischen der DDR und der BRD vom 21. Dezember 1972 war die Fixierung zwischenstaatlicher Beziehungen nach internationalem Reglement. Trotzdem blieb die Entwicklung der Beziehungen ein komplizierter Prozess. Dies u. a. auch deshalb weil der Grundlagenvertrag eine ganze Reihe wesentlicher Fragen ungeklärt ließ. So behandelte die Bundesrepublik die DDR weiterhin nicht als Ausland, und die DDR-Staatsbürgerschaft wurde von ihr nicht akzeptiert. Auch war für die Gestaltung der gegenseitigen Beziehungen das Prinzip der Nichteinmischung nicht ausdrücklich formuliert, was in der Folgezeit immer wieder zu Zuspitzungen führte.

Hinzu kommt, dass es in Europa kein zweites Beispiel zwischenstaatlicher Beziehungen gab,  bei dem internationale Entwicklungen so intensiv hineinwirkten, wie es bei den deutsch - deutschen Beziehungen der Fall war. Umgekehrt gab es aber auch Rückwirkungen auf das internationale Umfeld. Das ergab sich insbesondere aus der Stellung der beiden deutschen Staaten in den sich zum damaligen Zeitpunkt feindlich gegenüber stehenden Militärgruppierungen - der NATO und dem Warschauer Vertrag.

Trotzdem kann man heute feststellen, dass es in den Jahren nach dem Grundlagenvertrag gelungen ist, nahezu alle Sachthemen, die naturgemäß zwischen zwei Nachbarstaaten existieren, vertraglich zu regeln. Über 30 zwischenstaatliche Verträge seit 1972 sind ein beredter Ausdruck dafür.

Außerdem wurden seit Abschluss des Grundlagenvertrages Begegnungen von Politikern auf höchster Ebene angestrebt, wobei die Bundesrepublik stets versuchte, unterhalb der Schwelle des Offiziellen zu bleiben.

Die DDR verfolgte mit solchen Spitzenbegegnungen mehrere Ziele: Es steht außer Zweifel, dass sich die Führung der DDR als Folge deutsch-deutscher Gipfeltreffen eine stärkere innere und äußere Reputation versprach. Sie wollte auch nicht zulassen, dass sie aus dem sich entfaltenden Ost-West-Dialog auf höchster Ebene ausgeklammert wurde. Gleichzeitig hoffte man mit solchen Begegnungen auf wichtige wirtschaftliche Ergebnisse, die der Stabilisierung der DDR dienen sollten.

Aber auch die BRD war keinesfalls uninteressiert an Spitzenbegegnungen. In der Bevölkerung der BRD versprach man sich davon insbesondere Reiseerleichterungen und forderte zunehmend solche Begegnungen. Die bundesdeutsche Industrie sah darin Möglichkeiten zur Erschließung neuer Absatzmärkte. Und die Politiker wollten damit sowohl in der BRD als auch in der DDR ihr Image pflegen. Gesprächskontakte zur DDR wurden zu Wahlkampfinstrumenten. Nicht ohne Bedeutung war auch, dass einzelne Verbündete der BRD immer stärker zu solchen Schritten drängten, weil es für ihre eigenen Zielstellungen im Ostdialog von Bedeutung war.

Der Besuch von Bundeskanzler Helmut Schmidt vom 11. bis 13. Dezember 1981

Nach komplizierten Vorgesprächen, die größtenteils inoffiziell geführt wurden und an denen Rechtsanwalt Wolf gang Vogel einen großen Anteil hatte, kam es am 11. Dezember 1981 in der DDR zum deutsch - deutschen Gipfeltreffen zwischen dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt und SED-Generalsekretär Erich Honecker.

Dem Treffen Honecker - Schmidt war der Besuch des sowjetischen Partei- und Staatschefs Breschnew in der Bundesrepublik vorausgegangen. Damit war die richtige Reihenfolge gegeben und außerdem stand auch die DDR jetzt unter Zugzwang, wollte sie nicht aus der Entwicklung der Ost-West-Beziehungen ausgeklammert werden. Bundeskanzler Schmidt begründete seine Reise in die DDR vor dem Bundestag mit den Argumenten, dass er endlich ein „Zeichen" setzen möchte zur Überwindung der Phase der ständigen Rückschläge in den gegenseitigen Beziehungen. Wie er erklärte, wollte er mit seinem Besuch erreichen, dass allen Deutschen „erfahrbare Ausblicke eröffnet" werden und ihnen für die Zukunft „Mut" gemacht wird.

Die äußeren Umstände für das Treffen waren zweifellos schwierig: Im Osten spitzte sich die Krise in und um Polen zu, und im Westen begann die Kampagne zur Stationierung amerikanischer Pershing-Raketen in West- und Mitteleuropa.

In den deutsch-deutschen Beziehungen war es insbesondere infolge der Erhöhung des Mindestumtausches durch die DDR im Oktober 1980 zu erneuten Zuspitzungen gekommen. Auch die Rede Erich Honeckers am 13. Oktober 1980 in Gera hatte für Zündstoff gesorgt. Sie berührte einige bislang ausgeklammerte Fragen und rührte an Grundfesten bundesdeutscher Deutschland-Politik. Schließlich gab es Dinge, die einen Besuch Schmidts in der DDR erschwerten und über die spätere Generationen nur lachen können. Nach der Auffassung der BRD über den Viermächte-Status von Berlin durfte das Treffen nicht in Berlin stattfinden und die Reiseroute von Bundeskanzler Schmidt nicht über Berliner Gebiet führen. Deshalb fand das Treffen in Honeckers Gästehaus Jagdschloss Hubertusstock in der Schorfheide nahe dem Werbellinsee statt. Welche - heute nahezu unverständliche - Unruhe gab es im westdeutschen Blätterwald, als man bemerkte, dass die Autobahn vom Flughafen Schönefeld in Richtung Werbellinsee wenige hundert Meter über Ostberliner Gebiet führte. Selbst diese Kleinigkeit wurde von bestimmten Kräften in der BRD genutzt, um das Treffen in Misskredit zu bringen.

Noch in der Nacht vor dem Treffen wurden mehrere Lastzüge des DDR-Transportunternehmens DEUTRANS auf  BRD-Territorium beschossen und Menschenleben in Gefahr gebracht. Auch das sollte die Begegnung Schmidt-Honecker stören.

Ungeachtet dieser Störungen hielten beide Seiten am Treffen fest. Es spricht auch für die politische Weitsicht Helmut Schmidts, dass die Ausrufung des Kriegszustandes in Polen in der Nacht zum zweiten Tag des Treffens nicht zum Abbruch der Gespräche führte. Auch die Form der Information von Helmut Schmidt über den in Polen ausgerufenen Kriegszustand durch Erich Honecker persönlich war Ausdruck des festen Willens, den Dialog nicht abbrechen zu lassen.

Das Treffen am Werbellinsee war ungeachtet des 1982 in der BRD vollzogenen Regierungswechsels, von weit reichender Bedeutung. Es wurden Standpunkte und Übereinstimmungen festgeschrieben, die bis in die letzten Tage der DDR Grundlage für die gegenseitigen Beziehungen waren. In diesem Zusammenhang ist auf folgende Feststellung im gemeinsamen Kommunique zu verweisen:

„Erich Honecker und Helmut Schmidt bekräftigen ihre Überzeugungen, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen darf. Beide Seiten sind sich ihrer großen Verantwortung für die Sicherung des Friedens in Europa bewusst. Sie stimmen darin überein, dass vom Verhältnis der beiden deutschen Staaten keine zusätzlichen Belastungen für das Ost-West-Verhältnis ausgehen dürfen.

Im Bewusstsein, dass m den beiden Staaten unterschiedliche gesellschaftliche Ordnungen bestehen und sie verschiedenen Bündnissen angehören, bekundeten beide Seiten ihren Willen, den Entspannungsprozess aktiv zu fördern und zur Sicherung eines dauerhaften Friedens und zu einer stabilen Entwicklung der internationalen Lage beizutragen."

In den gegenseitigen Beziehungen konnten die entscheidenden Widersprüche, wie sie in der Geraer Rede Honeckers skizziert worden waren, keinesfalls ausgeräumt werden. Aber ungeachtet dessen wurde am Werbellinsee beiderseits der Willen bekräftigt, die Entwicklung der Beziehungen in Richtung einer weiteren Normalisierung fortzuführen:

 „Unbeschadet der weiter bestehenden Meinungsverschiedenheiten in Grundsatzfragen bekräftigen sie ihren Willen, im Interesse von Frieden und Sicherheit in Europa und zum Wohl der Menschen in beiden deutschen Staaten die Bemühungen um gutnachbarliche Beziehungen stetig fortzuführen. Sie beabsichtigen, die Verhandlungen und Gespräche in den verschiedenen Sachbereichen fortzusetzen, bestehende Schwierigkeiten zu überwinden und Möglichkeiten für eine weitere vertragliche Ausgestaltung ihrer Beziehungen zu prüfen."

Diese ausdrückliche Willensbekundung spiegelt sich im Kommunique wider. Es wurden keine Fragen ausgeklammert, und bei gründlichem Lesen dieses Dokuments wurde sichtbar, in welchen Punkten es in absehbarer Zeit keine Übereinstimmung geben würde.

Insgesamt kann man sagen, dass die Ergebnisse des Treffens am Werbellinsee sowohl für die DDR als auch für die BRD ein wichtiger Bezugspunkt ihrer Politik in den gegenseitigen Beziehungen waren. Schließlich ging von dem Treffen auch der Impuls für die Fortsetzung des politischen Dialogs auf höchster Ebene aus: Bundeskanzler Schmidt sprach gegenüber Erich Honecker die Gegeneinladung zum Besuch in der BRD aus. Es sollten allerdings fast sieben Jahre bis zur Realisierung dieser Einladung vergehen.

Das Moskauer Treffen zwischen Erich Honecker und Helmut Kohl am 12. März 1985

Nach dem Treffen am Werbellinsee begann eine Phase von Verhandlungen, die im Sinne des Kommuniques vom Dezember 1981 zu ersten Ergebnissen führten. Von besonderer Bedeutung war die Vereinbarung über den zinslosen Überziehungskredit im Handel zwischen beiden deutschen Staaten (Swing-Vereinbarung), die am 18. Juni 1982 geschlossen wurde. Es ist kennzeichnend für diese Periode der Beziehungen, dass die DDR im Interesse wirtschaftlicher Zugeständnisse durch die BRD bei der Regelung von Fragen im so genannten humanitären Bereich Entgegenkommen zeigen musste. So war es auch bei der Swing-Vereinbarung, die u. a. mit Erleichterungen im Reiseverkehr und im nichtkommerziellen Zahlungs- und Verrechnungsverkehr verbunden war. Das hing unmittelbar mit der wirtschaftlichen Situation in der DDR zusammen.

Am 1. Oktober 1982 kam es in Bonn zum Regierungswechsel und die neue Regierung aus CDU, CSU und FDP unter Bundeskanzler Helmut Kohl übernahm die Geschäfte. Natürlich stellte sich die Frage, wie es in den deutsch-deutschen Beziehungen weitergehen soll. Wer in dieser Zeit an irgendeiner Stelle an der Gestaltung der dieser Beziehungen mitgewirkt hat, konnte ohne größere Schwierigkeiten feststellen, dass bei der DDR das Interesse dominierte, die mit dem Treffen am Werbellinsee eingeschlagene Politik auch mit der CDU/CSU/FDP - Regierung fortzuführen. Das kam nicht nur in Reden führender Politiker zum Ausdruck, sondern zeigte sich beispielsweise auch in den Aufträgen, die die Ständige Vertretung der DDR m Bonn erhielt. Es wurde eine Intensivierung der Kontakte zur CDU gefordert. Bisher hatte die CDU Kontakte zur DDR nur sehr zurückhaltend gepflegt.

Es gab beträchtliche Verunsicherungen. Dafür sorgten die Sonntagsreden einiger CDU- bzw. CSU-Politiker, die von der „notwendigen Wende für Deutschland" in der Deutschlandpolitik sprachen. Es gab in diesen Parteien zweifellos einflussreiche Politiker, die eine härtere Gangart im Verhältnis zur DDR anstrebten. Dass sie sich jedoch nicht durchsetzen konnten, ist u. a. auf die damalige Haltung der FDP in der Regierung zurückzuführen (Genscher: „Wir stehen für Kontinuität"). Die CDU/CSU musste auf den Koalitionspartner Rücksicht nehmen. Am 13. Oktober 1982 gab Bundeskanzler Helmut Kohl seine erste Regierungserklärung vor dem Bundestag ab. Er bekundete offiziell das Interesse seiner Regierung an der Fortsetzung der Gespräche mit der DDR:

„Die DDR kann sich darauf verlassen, dass wir zu übernommenen Verpflichtungen stehen....Die Zusammenarbeit der deutschen Staaten muss im Interesse der Deutschen und ihrer Nachbarn in Europa verbessert werden. Wir werden die laufenden Verhandlungen und Gespräche fortsetzen."

Trotz Verhärtung der internationalen Lage (Nato-Raketenbeschluss und seine Folgen) ging es weiter. Das zeigte sich besonders am 1. Juli 1983 mit der Unterzeichnung eines Vertrages über einen Kredit in Höhe von einer Milliarde DM an die DDR und im anschließendem Besuch des CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß bei Erich Honecker. Diese Entwicklung rief bei den Verbündeten der DDR beträchtlichen Argwohn hervor.

Zunächst kam es jedoch, insbesondere aufgrund des Druckes aus Moskau auf die DDR, noch nicht zu einem Besuch Erich Honeckers in der Bundesrepublik, obwohl im Sommer 1984 die Vorbereitungen dafür auf Hochtouren liefen. Statt dessen trafen am 12. März 1985 in Moskau am Rande der Beisetzungsfeierlichkeiten für den verstorbenen sowjetischen Partei- und Staatschef Tschernenkow Helmut Kohl und Erich Honecker in dessen Residenz auf den Moskauer Spatzenhügeln, den damaligen Leninbergen, zusammen.

Das Treffen selbst war von großer Bedeutung. Hinzu kam, dass die vereinbarte gemeinsame Erklärung Feststellungen enthielt, die über die zwischen Honecker und Schmidt geprägten Aussagen hinausgingen. In der Erklärung von Moskau heißt es:

„Die Unverletzlichkeit der Grenzen und die Achtung der territorialen Integrität und der Souveränität aller Staaten in Europa in ihren gegenwärtigen Grenzen sind eine grundlegende Bedingung für den Frieden....Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg, von deutschem Boden muss Frieden ausgehen.

Beide Seiten treten dafür ein, alle Anstrengungen zu unternehmen, um auf der Basis des Grundlagenvertrages normale gutnachbarliche Beziehungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland im Interesse von Frieden und Stabilität in Europa zu entwickeln und auszubauen."

In der Moskauer Erklärung von Kohl und Honecker kann man Feststellungen aus dem Kommunique vom Werbellinsee wieder finden, was für Kontinuität spricht. Aber die Feststellungen zur Unverletzlichkeit der Grenzen und zur Achtung der territorialen Integrität und Souveränität aller Staaten in Europa gehen eindeutig über Werbellinsee hinaus.

Von Bedeutung war die Bezugnahme der Erklärung auf den Grundlagenvertrag, waren es doch CDU und CSU, die sich 1972 als schärfster Gegner dieses Vertrages erwiesen hatten. Inzwischen war deutlich geworden, dass auch eine CDU/CSU - geführte Regierung diesen Vertrag akzeptieren musste, aber ein verbindliches völkerrechtliches Dokument mit dieser Aussage hatte es bis zum 12. März 1985 nicht gegeben.

Die Erklärung von Moskau wurde von der DDR verstärkt in der Auseinandersetzung mit der BRD genutzt. Sie war von ihrer Seite aus gesehen, eine der politischen Ausgangspunkte für den zwei Jahre später stattfindenden offiziellen Besuch Erich Honeckers in der Bundesrepublik. Auch im Ausland, besonders bei den östlichen Nachbarn Deutschlands, fand die Erklärung große Beachtung. Die Bundesregierung versuchte zunächst, ihre Bedeutung herunterzuspielen. Wenn von DDR-Vertretern darauf Bezug genommen wurde, erklärte man, dass die Erklärung nicht unterschrieben sei und nur den Charakter einer Pressemitteilung habe. Aber das half nicht: Schließlich musste das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung 1989 die Erklärung unter der Rubrik „Gemeinsame Erklärungen und Kommuniques" in eine offizielle Dokumentation aufnehmen.

Indem sich Bundeskanzler Kohl mit der Erklärung für die Achtung der territorialen Integrität und Souveränität aller Staaten in Europa und für gutnachbarliche Beziehungen mit der DDR aussprach, wurde deutlich, dass auch er zu diesem Zeitpunkt von der langfristigen Existenz zweier deutscher Staaten ausging.

Der Besuch Erich Honeckers in der BRD vom 7. bis 11. September 1987

Mit dem offiziellen Besuch des SED-Generalsekretärs und Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker wurde zweifellos ein Höhepunkt der deutsch - deutschen Beziehungen .erreicht.

Die Einladung für diesen Besuch hatte der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt bei seinem Besuch am Werbellinsee im Dezember 1981 ausgesprochen. Nach dem Regierungswechsel in Bonn im Jahre 1982 wurde die Einladung mehrfach durch den neuen Bundeskanzler, Helmut Kohl, erneuert. Dies geschah über inoffizielle wie offizielle Kanäle. Es ist Ausdruck der Kompliziertheit der deutsch-deutschen Beziehungen, dass wiederholt Anlauf genommen werden musste, um diesen Besuch zur Realität werden zu lassen. Keinesfalls waren es nur Probleme, die in den Beziehungen zwischen der DDR und der BRD bestanden, die zur Verschiebung des Termins führten. Eine wesentliche Ursache lag in der angespannten internationalen Situation in dieser Zeit und den ständigen Widerständen von sowjetischer Seite. Später sollte sich offen zeigen, dass weder die BRD noch die DDR diesen Besuch ohne Billigung durch ihre Hauptverbündeten hätten durchführen können.

Im Spätsommer 1984 schien es so, als wären die Bedingungen für den Besuch herangereift. Die DDR glaubte, dass sie sich über Einwände aus Moskau hinwegsetzen kann. Die Vorbereitungen liefen zunächst auf geheimen Kanälen zwischen dem Staatsminister im Bundeskanzleramt Philipp Jenninger und DDR-Staatssekretär Alexander Schalck-Golodkowski. In den Vorgesprächen war der Boden für den Besuch in einer Reihe von Absprachen bereitet worden. Sie betrafen sowohl Fragen der ökonomischen Zusammenarbeit als auch Reiseerleichterungen zwischen beiden Staaten und den Abbau der sog. Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze. Am 25. Juli 1984 verkündete Staatsminister Jenninger vor der Bundespressekonferenz eine Reihe von Erleichterungen für Reisen von Bundesbürgern in die DDR. Es handelte sich um Maßnahmen, die die DDR-Regierung beschlossen hatte. Es war schon ein ungewöhnlicher Vorgang, dass die Bundesregierung Maßnahmen der DDR-Regierung verkündete. Die DDR vermied mit Blick auf die eigene Bevölkerung eine solche Veröffentlichung. Trotzdem blieben die Wirkungen m der DDR nicht aus, und die Führung der DDR zeigte sich über Bonn verstimmt. Hinzu kam, dass Jenninger gleich noch einige Maßnahmen mit verkündete, die die DDR noch gar nicht beschlossen hatte. Die durch die Erklärung von Jenninger hervorgerufene politische Unsicherheit verschlechterte auch das Klima für die Vorbereitung des Spitzengesprächs. Dennoch erhielten im Sommer 1984 auf der DDR-Seite das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten sowie die Ständige Vertretung der DDR in Bonn den Auftrag, mit der offiziellen Vorbereitung des Besuchs zu beginnen. Er war für Ende August/Anfang September 1984 vorgesehen.

Wie war die Situation 1984?

Bis zu dieser Auftragserteilung konnte man in der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn nur etwas über den Stand der Vorbereitung des Besuchs erfahren, wenn man bei den Beamten des Bundeskanzleramtes „auf den Busch klopfte“, indem man so tat, als sei man informiert. Das ist ein in der Diplomatie durchaus nicht unübliches Mittel. Jedenfalls waren die eigenen Kollegen im Außenministerium in Berlin für Hinweise aus diesen „Abklopfversuchen“ dankbar, konnten sie doch dadurch etwas Vorlauf für die inhaltliche Vorbereitung des Besuchs schaffen. Es war für das Herangehen der DDR-Führung an die deutsch­deutschen Beziehungen charakteristisch, dass sie aus Misstrauen nicht einmal die eigenen staatlichen Stellen rechtzeitig informierte.

Als schließlich der Auftrag zur offiziellen Vorbereitung erteilt wurde, waren bereits einige Dinge in den inoffiziellen Kontakten festgelegt, die für die DDR höchst zweifelhaft waren. Das war für die damaligen Geheimkontakte typisch: Es dominierten die ökonomischen Zielstellungen, hinter denen oft politisch-diplomatische Erfordernisse zurückgestellt wurden.

Beim protokollarischen Zeremoniell für den Besuch hatte sich weitgehend die Bonner Position durchgesetzt. Es sollte kein „offizieller“ Besuch, sondern „nur“ ein Arbeitsbesuch sein. Damit war kein militärisches Zeremoniell vorgesehen und der Bundespräsident sollte Erich Honecker nicht in seinem Amtssitz, sondern außerhalb von Bonn empfangen. Bonn begründete dies mit Renovierungsarbeiten in der Villa Hammerschmidt, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Das war zwar zutreffend, doch wurden andere Staatsoberhäupter zur gleichen Zeit vom Bundespräsidenten in seinem vorübergehenden Amtssitz in Bonn mit allen Ehren empfangen. Gegenüber den Vertretern der DDR wurde von den zuständigen Bonner Beamten erklärt, der Bundespräsident werde das Staatsoberhaupt der DDR in seinem „vorläufigen Amtssitz“ Schloss Falkenlust bei Brühl, etwa 25 km von Bonn entfernt, empfangen.

Dieser Vorschlag musste geprüft werden und war den DDR-Diplomaten in Bonn einen Sonntagsausflug nach „Falkenlust“ wert. Was trafen sie dort an? Ein kleines Schloss, das als Museum genutzt wurde. An vielen Stellen der Fassade bröckelte der Putz ab, und direkt am Gebäude neben der Vorfahrt befand sich ein Gemüsegarten, in dem der Hausmeister Tomaten züchtete. Zweifellos nützlich, aber wie der vorläufige Amtssitz des Bundespräsidenten sah es nicht aus. Wer das Museum besuchen wollte, sollte an der Haustür klingeln, dann wurde geöffnet, falls es der Hausmeister hörte. Am Sonntagmittag hat er jedenfalls nicht gehört. Man kann sicher davon ausgehen, dass der Bundespräsident nie dort gewesen ist, höchstens privat. Wahrscheinlich kannte er auch den Vorschlag nicht, den Bonner Beamte der DDR unterbreitet hatten. Offensichtlich sollte mit solchen Manövern wie „Falkenlust“ der offizielle Charakter des Besuchs abgemildert werden.

Obwohl sich 1984 die internationalen Bedingungen infolge der Stationierung der Mittelstreckenraketen in Europa immer mehr verschlechterten, bereitete die DDR ein Kommunique vor. Im August 1984 kam es in Bonn zu Gesprächen über dessen Inhalt, zu denen Experten aus dem DDR-Außenministerium mit dem Leiter der Abteilung BRD, Karl Seidel, angereist waren. Die BRD-Delegation stand unter Leitung von Staatsminister Jenninger, die DDR-Delegation wurde vom Leiter der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn, Botschafter Ewald Moldt, geführt.

In der Nacht vor dem Beginn der Gespräche bekam Botschafter Moldt aus Berlin die Mitteilung, dass die DDR den Besuch des Staatsratsvorsitzenden zu diesem Zeitpunkt und unter diesen Bedingungen nicht durchführen kann. Also begannen die Gespräche am Morgen damit, dass Botschafter Moldt um ein Vieraugengespräch mit Staatsminister Jenninger bat, in dem er seinen Verhandlungspartner über die nächtliche Mitteilung informierte. Später konnte man erfahren, dass diese Absage ein direktes und ausschließliches Ergebnis des Druckes aus Moskau war.

Es ist schon charakteristisch für die damalige Zeit, dass Jenninger dennoch am Vorbereitungsgespräch über das Kommunique festhielt. Offensichtlich sollte die Öffentlichkeit über die tatsächliche Situation getäuscht werden. Jenninger konnte nur noch den anwesenden ranghöchsten Beamten der Deutschlandabteilung des Bundeskanzleramtes über die Absage des Besuchs informieren und man begann, über Formulierungen des Kommuniques zu verhandeln. Die Vertreter aus dem Bundeskanzleramt, dem innerdeutschen Ministerium, dem Auswärtigen Amt und dem Bundeswirtschaftsministerium gingen davon aus, dass der Besuch Erich Honeckers unmittelbar bevorsteht, und feilschten um einzelne Formulierungen. Ausnahmsweise waren dagegen alle anwesenden Experten aus der DDR informiert, dass es sich nur noch um ein Scheingefecht handelte.

Unmittelbar nach dem Gespräch hat dann Botschafter Moldt in der Ständigen Vertretung der DDR vor der Kamera des DDR-Fernsehens eine aus Berlin übermittelte Erklärung verlesen, und die Öffentlichkeit war endlich informiert, dass der Besuch nicht stattfinden wird.. Diese Erklärung kam nicht aus dem Berliner Außenministerium, sondern aus dem Propagandaapparat des ZK der SED - auch das ist bezeichnend. Als Grund für die Absage wurde die Position der BRD zum Besuch angeführt. Die eigentlichen Gründe lagen indes in der internationalen Entwicklung. Es war in erster Linie eine Intervention aus Moskau, die den Besuch platzen ließ. Trotzdem wurde sowohl in der BRD als auch in der DDR an der Idee des Besuchs festgehalten. Die Sachverhandlungen führte man zu einer Reihe von anstehenden Fragen fort. Diese Verhandlungen führten dann während des Honecker-Besuchs in der Bundesrepublik 1987 zu konkreten Ergebnissen.

Endlich: Der Besuch findet 1987 statt

Auch bei der Vorbereitung des Besuchs im Jahr 1987 gab es zunächst wieder geheime Kontakte zwischen dem Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes, Wolfgang Schäuble, und dem DDR-Staatssekretär Alexander Schalck-Golodkowski. Über diese Kontakte wurde die Öffentlichkeit nicht informiert. Gleichzeitig gab es Reisen zahlreicher hochrangiger Politiker der BRD in die DDR, die offizielle Gespräche mit Erich Honecker und anderen SED-Politbüromitgliedern führten. Jährlich fuhr das SED-Politbüromitglied Günter Mittag zur Hannover-Messe und anschließend nach Bonn zu politischen Gesprächen, u. a. auch mit Bundeskanzler Helmut Kohl, dem Bundeswirtschaftsminister und den Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen. Diese Besuche von Günter Mittag in Hannover und Bonn nahmen teilweise auch schon den Charakter von Staatsbesuchen an.

In dieser Zeit bemühten sich nahezu alle Ministerpräsidenten der BRD-Bundesländer sehr intensiv darum, dass ihr Bundesland in das Besuchsprogramm für einen Besuch Erich Honeckers in der BRD aufgenommen wird. Besonders hervorgetan haben sich dabei die Ministerpräsidenten Johannes Rau (SPD) aus Nordrhein-Westfalen, Bernhard Vogel (CDU) aus Rheinland-Pfalz und Lothar Späth (CDU) aus Baden-Württemberg. Nur zwei brauchten keine weiteren Bemühungen zu unternehmen: der bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß (CSU) und der saarländische Ministerpräsident Oskar Lafontaine (SPD). Dass Erich Honecker diese beiden Bundesländer besuchen wird, stand immer außer Zweifel.

Schließlich wurde in den geheimen Kontakten ein Datum für den Besuch im September 1987 festgesetzt und im Juli 1987 begannen die Vorbereitungen dieses Mal in einer Form, wie es international bei Staatsbesuchen üblich ist. Es wurde sofort deutlich, dass sich die Bedingungen für den Besuch gegenüber 1984 grundlegend geändert hatten. Das betraf sowohl das internationale Umfeld als auch die zwischenstaatlichen Beziehungen. Nicht zu übersehen ist auch die Wirkung der inzwischen stattgefundenen Staatsbesuche Erich Honeckers in anderen westlichen Ländern. Es war nicht mehr möglich, das Staatsoberhaupt der DDR in der BRD als Staatsoberhaupt zweiter Klasse zu behandeln.

Trotzdem gab es auch bei der Vorbereitung des Besuchs im Juli 1987 noch von Bonner Seite Versuche, durch die Programmgestaltung bzw. protokollarische Fragen den Besuch abzuwerten oder ihm einen innerdeutschen Anstrich zu geben. Hier soll nur ein Beispiel zur Illustration - gewissermaßen als Anekdote - genannt werden: Die Vertreter aus Bonn im so genannten Vorkommando forderten z.B., dass bei den Begrüßungen Erich Honeckers in den Bundesländern nicht die Nationalhymne der DDR gespielt wird, sondern nur bei der Begrüßung in Bonn. Während sich das Saarland dieser Forderung beugte und eine Kapelle Folklore spielen ließ, war die Lage in Bayern anders. Ein hochrangiger Beamter der bayerischen Staatskanzlei erklärte dem Vorbereitungskommando aus der DDR auf dem Flugplatz München das Begrüßungszeremoniell, das das Abspielen der DDR-Nationalhymne durch ein Polizeiorchester vorsah. Der anwesende Vertreter des Bundeskanzleramtes intervenierte sofort. Der bayerische Beamte konterte, dass man sich in Bayern befinde und da würden die Weisungen des bayerischen Ministerpräsidenten gelten. Schließlich wurden dann in München zur Begrüßung Erich Honeckers gleich drei Hymnen gespielt: die der DDR, die der BRD und die des Freistaates Bayern. Die DDR-Vertreter brauchten sich also bei der Vorbereitung des Besuchs zu solchen Fragen überhaupt nicht mehr zu Wort zu melden. Ebenso setzten die bayerischen Beamten gegenüber ihren Bonner Kollegen durch, dass Honecker in Bayern nicht den aus Bonn eingeflogenen gepanzerten Mercedes, sondern einen bayrischen BMW- ebenfalls gepanzert -  benutzt. Das war für die DDR keine Frage über die es sich lohnte zu diskutieren..

Die Vorbereitungen verliefen sehr zügig und das größte Problem bestand dann darin, dass nicht alle Gesprächs- und Besuchswünsche in das Programm aufgenommen werden konnten. Die Zusammenarbeit zwischen den Arbeitsstäben beider Seiten funktionierte ausgezeichnet. Man spürte, dass alle Beteiligten davon ausgingen, dass sie an der Vorbereitung eines besonders wichtigen Ereignisses arbeiten. Es war eine kooperative Zusammenarbeit mit den Beamten des Bundeskanzleramtes und mit der Protokollabteilung des Auswärtigen Amtes. Auch die Herren des Bundeskriminalamtes arbeiteten bei der Absicherung des Besuchs eng mit ihren Kollegen aus dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR zusammen.

Schließlich war es soweit und das bisher bedeutendste und weltweit beachtete Ereignis in den deutsch - deutschen Beziehungen konnte stattfinden.

In welchem Umfeld fand der Besuch nunmehr statt?

Die Verhandlungen zwischen der UdSSR und den USA über den Abzug der nuklearen Mittelstreckenraketen aus Mitteleuropa standen unmittelbar vor einem erfolgreichen Abschluss. Die Ost-West-Beziehungen insgesamt einschließlich des politischen Dialogs entwickelten sich m einer konstruktiven Richtung. Es war auch entscheidend, dass die Beziehungen zwischen der BRD und der UdSSR aus der Verkrampfung herausgekommen waren, ein Ergebnis des Besuchs von Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Juli 1987 in Moskau.

Zu den Bedingungen des Besuchs von Honecker in der BRD gehörte, dass große Teile der Öffentlichkeit in der BRD daran interessiert waren. Am 26. August 1987 veröffentlichte die Zeitung „Die Welt“ ein Umfrageergebnis, nach dem 75 Prozent der BRD-Bürger einen Besuch von Honecker in der BRD positiv gegenüber standen.

Der Besuch fand mit allen Insignien eines Staatsbesuches statt, und das war bereits ein wichtiges Ergebnis für die DDR. Wurde damit doch vor aller Welt klargestellt, dass die BRD und die dort regierende konservativ­liberale Koalition die DDR als Staat und gleichberechtigten Partner betrachteten. Damit war die CDU/CSU/FDP-Regierung eigentlich weit über das hinausgegangen, was zur Zeit der SPD/FDP-Koalition möglich gewesen war. In welch weite Ferne der Vergangenheit waren doch plötzlich Alleinvertretungsanspruch und „Hallstein-Doktrin“ gerückt.

Ungeachtet dieser Tatsache wurden während des Besuchs die weiter bestehenden Gegensätze sichtbar. Honecker stellte die internationalen Fragen in den Vordergrund. Das war zweifellos zeitgemäß und es entsprach der östlichen Zielstellung, die BRD angesichts ihrer entscheidenden Rolle in Europa auf die Positionen des Warschauer Vertrages, d. h. der UdSSR, in Fragen der Abrüstung und des Ost-West-Dialogs festzulegen. Außerdem waren das die Fragen, mit denen sich die DDR und besonders Erich Honecker am überzeugendsten darstellen konnten.

Helmut Kohl und andere BRD-Politiker versuchten dagegen, die „Einheit der Nation“ zu beschwören und der DDR „menschliche Erleichterungen“ abzuringen, konnten aber zugleich nicht umhin, den ausführlichen Dialog zu internationalen Fragen zu führen.

Im Eröffnungsgespräch am 7. September 1987 stellte Bundeskanzler Kohl an den Anfang, dass der Besuch die Gegensätze in Grundsatzfragen nicht überwinden wird, „aber was uns im Grundsätzlichen trennt, sollte uns nicht an praktischer Zusammenarbeit hindern“. Er fügte jedoch gleich hinzu, dass die Bundesrepublik „an der Einheit der Nation“ festhalte und das Ziel verfolge, „dass alle Deutschen in gemeinsamer Freiheit zueinander finden.“ An Erich Honecker gewandt erklärte Helmut Kohl: „...wir sind uns einig, dass Fragen, die zur Zeit nicht lösbar sind, nicht in den Vordergrund gestellt werden sollten, dass wir uns auf das Machbare konzentrieren.“

Honecker ging in seiner Eröffnungserklärung gleich auf die internationalen Fragen ein. Er verwies auf die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns aller Staaten, um das Wettrüsten zu beenden und eine Wende von der Konfrontation zu Abrüstung, Entspannung und Zusammenarbeit durchzusetzen. Bestehende Differenzen dürften kein Hindernis für das Zusammenwirken gegen die Gefahr eines Nuklearkrieges sein. Die Schlüsselfrage sei ein Abkommen über die Beseitigung nuklearer Mittelstreckenraketen längerer und kürzerer Reichweite. In Verbindung mit den internationalen Fragen hob Honecker nachdrücklich die Verantwortung der beiden deutschen Staaten für die Friedenssicherung hervor. Das sei die Kernfrage des Verhältnisses zwischen der DDR und der BRD. Die DDR unterstützte den Gedanken einer Verantwortungsgemeinschaft und Sicherheitspartnerschaft. Sie stehe zu der Verpflichtung, alles zu tun, damit von deutschem Boden nie wieder Krieg, sondern nur noch Frieden ausgehe. Er knüpfte an Gedanken aus sozialdemokratischen Kreisen an und verwies darauf, dass die DDR als spezifischen Beitrag der DDR und der BRD die Schaffung eines atomwaffenfreien Korridors in Mitteleuropa und einer chemiewaffenfreien Zone in Europa betrachte.

Zu internationalen Fragen verwies Bundeskanzler Helmut Kohl darauf, dass er eine günstige internationale Situation sehe. Deren Möglichkeiten müssten genutzt werden, um Fortschritte bei Abrüstung und Rüstungskontrolle zu erreichen. Die BRD-Regierung trete für ein Abkommen zwischen den USA und der UdSSR über die Beseitigung der Mittelstreckenwaffen ein. Dies müsse seiner Meinung nach noch zur Amtszeit von USA-Präsident Reagan erreicht werden. Kohl betonte, dass beide deutsche Staaten ihren Beitrag zum Frieden leisten und in ihren Bündnissen dafür wirken müssten. Jeder sollte das Notwendige tun, um das Klima zwischen Ost und West zu verbessern. Dabei hätten solche Fragen wie Wirtschaft, Kultur und Menschenrechte besonderes Gewicht.

Hinsichtlich der internationalen Fragen haben die Gespräche zwischen Kohl und Honecker ein breites Feld der Übereinstimmung gezeigt. Dazu hatte wesentlich die Erklärung beigetragen, die Kohl kurz vor dem Honecker-Besuch zum Abbau der Pershing 1a-Raketen abgegeben hatte. In den Verhandlungen mit Honecker verwies Kohl auf diese Erklärung, mit der er das Ziel der BRD habe bekräftigen wollen, das darin bestehe: „Frieden schaffen mit weniger Waffen“. Kohl erklärte, dass eine Vereinbarung über den Abbau der Mittelstreckenwaffen die Beseitigung des bestehenden Ungleichgewichts bei bodengestützten nuklearen Flugkörpersystemen kürzerer Reichweite und im Bereich konventioneller Rüstungen besonders dringlich mache - übrigens auch die weltweite Beseitigung chemischer Waffen. Damit stützte er die NATO-Positionen in den internationalen Verhandlungen, verwies aber zugleich auf die Rolle der DDR in ihrem Bündnissystem. Er sagte: „Wir erwarten, dass die DDR ihren Einfluss im Rahmen ihres Bündnisses geltend macht, damit es hier bald zu konkreten Schritten kommt.“ Damit hat Kohl ein weiteres Mal auf die selbständige und souveräne Rolle der DDR im internationalen Leben verwiesen.

Auch hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen deutsch-deutschen Beziehungen und Ost-West-Beziehungen musste sich der Bundeskanzler der BRD der DDR-Auffassung anschließen, indem er erklärte, dass jeder Fortschritt in den Ost-West-Beziehungen auch Chancen für das bilaterale Verhältnis eröffne. „Andererseits können beide Staaten in Deutschland durch die Ausgestaltung der beiderseitigen Beziehungen zur Vertrauensbildung und zur Zusammenarbeit in den West-Ost-Beziehungen allgemein beitragen und damit auch die Lösung von Fragen der Sicherheit erleichtern.“

Die übereinstimmenden Positionen in internationalen Fragen sind in das gemeinsame Kommunique vom 8. September 1987 eingegangen und können dort nachgelesen werden. Diese Ergebnisse wurden in der internationalen Arena aufmerksam beachtet und wirkten auf die Lage m Europa entspannend.

Von den Menschen in beiden deutschen Staaten wurden von dem Besuch insbesondere Ergebnisse in den zwischenstaatlichen Beziehungen erwartet, von denen sie selbst unmittelbar etwas spüren wollten. Das betraf keinesfalls nur Fragen des Reiseverkehrs. Zumindest in der DDR erwartete man in breiten Kreisen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation als Folge des Ausbaus der Wirtschaftsbeziehungen zur BRD.

Es war möglich, sich auf der Basis des Grundlagenvertrages über weitere Schritte zur Normalisierung der Beziehungen zu verständigen. An konkreten Ergebnissen im bilateralen Bereich kann man zusammengefasst folgende nennen:

In den Verhandlungen wurden auch insbesondere für die DDR diffizile Fragen angesprochen. So ging Bundeskanzler Kohl in einem Gespräch im „kleinen Kreis“ am 7.9.1987 auch auf den „Schießbefehl“ an der innerdeutschen Grenze ein. Honecker erwiderte, dass es in der DDR keinen „Schießbefehl“ gäbe. In der DDR würde es lediglich eine Anordnung zum Gebrauch von Schusswaffen geben, wie es auch in der BRD solche Anordnungen geben würde. Honecker hatte sich darauf vorbereiten lassen und zitierte ausführlich aus dem „Gesetz über den unmittelbaren Zwang bei Ausübung öffentlicher Gewalt durch Vollzugsbeamte des Bundes“ vom 2. März 1974. Honecker erklärte weiter, dass er nicht für solche Zwischenfälle an der Grenze sei und die DDR nicht wolle, dass Menschen umkommen. Aber man müsse die Regelungen im militärischem Sperrgebiet an der Grenze beachten. Bundeskanzler Kohl erwiderte, dass er dazu nicht heute oder morgen Veränderungen erwarte. Wenn man aber in dieser Frage etwas bewegen könne, wäre das von großer Bedeutung, da jeder dieser Vorfälle an der Grenze die Öffentlichkeit bewege.

Auch über so genannte humanitäre Fälle wurde gesprochen, wie z.B. Fragen der Familienzusammenführung. Erich Honecker gab Helmut Kohl auf dessen Wunsch die ausdrückliche Zusicherung, dass Rechtsanwalt Prof. Vogel dazu weiter tätig sein werde. Somit war auch die Tätigkeit von Rechtsanwalt Vogel im Rahmen der Lösung humanitärer Fälle beiderseitig vereinbart. Bei Abschluss der offiziellen Gespräche erklärte Bundeskanzler Helmut Kohl, dass die Gespräche in einer konstruktiven Atmosphäre stattgefunden hätten, sie hätten Chancen für die Zukunft eröffnet. Man könne auf dieser Grundlage weiter vorangehen. Es gehe um die Sicherung einer friedlichen Zukunft für die jetzige und kommende Generationen. Dem konnte Honecker nur zustimmen.

Das vereinbarte Kommunique vom 8. September 1987 war Ausdruck der bestehenden Übereinstimmung bei Weiterbestehen unterschiedlicher Auffassungen insbesondere zur nationalen Frage, was jedoch auch von BRD-Seite die Eigenstaatlichkeit der DDR keinen Augenblick in Frage stellte. Das war besonders in einer Tischrede Kohls vom 07.09.1987 deutlich geworden. Er erklärte:

 „Die Präambel unseres Grundgesetzes steht nicht zur Disposition,... Sie will das vereinte Europa, und sie fordert das gesamte deutsche Volk auf, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden.... Wir achten die bestehenden Grenzen, doch die Teilung wollen wir überwinden: auf dem Weg friedlicher Verständigung und in Freiheit. Die deutsche Frage bleibt offen, doch ihre Lösung steht zur Zeit nicht auf der Tagesordnung der Weltgeschichte, und wir werden dazu auch das Einverständnis unserer Nachbarn brauchen.“

Es gehört zu den Realitäten des Besuchs, dass sich Honecker nicht provozieren ließ. Sachlich erklärte er in seiner Erwiderung:

„Ausgangspunkt ... können nur die Realitäten sein, die Existenz von zwei voneinander unabhängigen souveränen deutschen Staaten mit unterschiedlicher sozialer Ordnung und Bündniszugehörigkeit.“

Die Bedeutung des Besuchs kann nur richtig bewertet werden, wenn auch die Gespräche mit Politikern, Vertretern der Öffentlichkeit und der Wirtschaft einbezogen werden.

Von großer Bedeutung war das Gespräch Honeckers mit Bundespräsident Richard von Weizsäcker in dessen Amtssitz in Bonn, der Villa Hammerschmidt. In diesem Gespräch spielten Fragen der internationalen Abrüstung eine wichtige Rolle und es war zum damaligen Zeitpunkt zweifellos bemerkenswert, dass Honecker die westliche These von der konventionellen Überlegenheit des Warschauer Vertrages (Panzerwaffen) über die NATO nicht - wie üblich - zurückwies, sondern erklärte, dass man das prüfen müsse. Er sprach von der Notwendigkeit des Umdenkens der Militärs. Das entsprach nicht der damals noch üblichen sowjetischen Lesart. Außerdem gab es in diesem Gespräch einen offenen Meinungsaustausch über die Politik des sowjetischen Partei- und Regierungschefs Gorbatschow, in dem Honecker die Rolle Gorbatschows würdigte. Zu bilateralen Fragen machte Richard von Weizsäcker Äußerungen, die aus heutiger Sicht betrachtenswert sind. Er sagte, dass er keinen Sinn darin sehe, sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben, dass sich in der Nachkriegszeit vieles auseinander entwickelt habe, was sich nicht hätte auseinander entwickeln brauchen. Von manchen Medien würden Prophezeiungen für die nächsten 100 Jahre angestellt. Die Geschichte sei offen, aber man solle nicht über die nächsten 50 Jahre spekulieren, sondern sich der Forderung des Tages stellen. Man müsse einen Umgangston finden, mit dem man sich nicht gegenseitig überfordere.

Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte abschließend, dass er Erich Honecker als Vorsitzenden des Staatsrates der DDR begrüße, aber auch als Deutschen unter Deutschen im Sinne einer Geschichte, unter der Erich Honecker als Deutscher gelitten habe. Er verwies dazu direkt auf die Leiden Honeckers in der Zeit der faschistischen Gewaltherrschaft. Vor Beginn der offiziellen Gespräche hatten Richard von Weizsäcker und Erich Honecker im Garten der Villa Hammerschmidt mit Blick auf den Rhein ein Gespräch unter vier Augen. Darüber ist später in Berichten und Protokollen leider nichts zu finden.

Neben den Gesprächen mit Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl hatten Erich Honecker und seine Begleitung sowohl in Bonn als auch m den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Bayern eine Vielzahl weiterer Gespräche. In der Zeit des Aufenthaltes der DDR-Delegation in Bonn standen die Vertreter der Parteien Schlange, um ein Gespräch mit Honecker führen zu können. Das geschah dann im 30-Minutenrhythmus auf Schloss Gymnich, der Bonner Residenz von Honecker. Dort wurden u. a. Gespräche geführt mit dem Vorsitzenden der SPD und Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Hans-Jochen Vogel, mit dem damaligen Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein, Björn Engholm, mit dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Alfred Dregger, mit dem Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Theo Waigel, mit dem Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion, Wolfgang Mischnick, sowie mit den Fraktionssprecherinnen der Grünen im Bundestag, Waltraud Schoppe, Karitas Hensel und Regina Michalik. Auch der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Lothar Späth (CDU) machte seine Aufwartung auf Schloss Gymnich, war er doch betrübt darüber, dass sein Bundesland aus Zeitgründen nicht besucht werden konnte.

Es ist hier kein Platz, um auf alle Gespräche einzugehen. Deshalb nur wenige Details.

Hans-Jochen Vogel würdigte besonders die gemeinsamen Aktivitäten von SED und SPD auf dem Gebiet der Abrüstung. Er besprach mit Honecker die nächsten Schritte, die in den Parteibeziehungen unternommen werden sollten, wie z.B. die Bildung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zu Fragen der strukturellen Nichtangriffsfähigkeit.

Teilnehmer an den Gesprächen erinnern sich, wie Alfred Dregger gleich zu Gesprächsbeginn Erich Honecker als einen „deutschen Kommunisten“ begrüßte und hinzufügte, da er „deutscher Demokrat“ sei, gebe es Gemeinsamkeiten. Lothar Späth sprach sich besonders für die Entwicklung der Wirtschafts­und wissenschaftlich-technischen Beziehungen zwischen der DDR und Baden-Württemberg aus. Späth äußerte auch die Vorstellung, dass man ein Stück praktischer Zusammenarbeit über COCOM hinweg entwickeln müsse. Er hatte erkannt, dass die Embargo-Beschlüsse der NATO einer weiteren Entwicklung insbesondere der wissenschaftlich-technischen Beziehungen im Wege standen.

Recht bedeutsam war das Treffen Honeckers mit 400 führenden Repräsentanten der Wirtschaft der BRD am 9. September 1987 in Köln. Es waren wirklich die „führenden“ Repräsentanten gekommen. Zu diesem Treffen hatte die DDR extra Generaldirektoren von Kombinaten und Außenhandelsbetrieben nach Köln eingeflogen. Wenn es auch in erster Linie nur ein Austausch wohl formulierter Reden war, so kann man trotzdem feststellen, dass sich das Treffen positiv auf die Entwicklung der Handels­und Wirtschaftsbeziehungen ausgewirkt hat. Die Generaldirektoren aus der DDR erhielten direkten Kontakt zu den einflussreichsten Wirtschaftsmanagern der BRD, was in der Folgezeit positiv  in direkten Kontakten spürbar war.

Bei den Besuchen in den bereits genannten Bundesländern standen die Gespräche mit den jeweiligen Ministerpräsidenten im Vordergrund. Dabei wurden auch wieder in erster Linie Fragen der Abrüstung erörtert, was sich aus dem damaligen Situation ergab und keinesfalls nur aus der Interessenlage der DDR. Auch die BRD-Politiker hatten ein großes Interesse, sich z.B. zu Fragen der Stationierung von Mittelstreckenraketen und ihrem Abzug zu äußern.

Der Besuch von Honecker und seiner Begleitung im Saarland stand sehr stark unter dem Eindruck von „Heimatgefühlen“ und man war dort sehr stolz darüber, dass Honecker ein Sohn des Saarlandes war.  Im Zusammenhang mit dem Besuch im Saarland ist eine öffentliche Äußerung Honeckers besonders beachtenswert, die er in seiner Geburtsstadt Neunkirchen machte und die damals vor allem in der BRD aufhorchen ließ.

Am 10.9.1987 sagte er u. a.: Die DDR sei ein aktives Mitglied de Warschauer Vertrages und die Bundesrepublik sei fest im westlichen Bündnis verankert. „Dass unter diesen Bedingungen die Grenzen nicht so sind wie sie sein sollten, ist nur allzu verständlich. Aber ich glaube, wenn wir gemeinsam hinwirken entsprechend dem Kommunique, was wir nunmehr in Bonn unterzeichnet haben, und in Verbindung damit eine weitere friedliche Zusammenarbeit erreichen, dann wird auch der Tag kommen an dem Grenzen uns nicht trennen, sondern Grenzen uns vereinen, so wie uns die Grenze zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und Volksrepublik Polen vereint“.

Das hatte nicht in den vorbereiteten Manuskripten gestanden und rief auch in Berlin zunächst Verwunderung hervor. Offensichtlich stand Honecker sehr stark unter dem Eindruck der Tatsache, dass nahezu alle Gesprächspartner die Grenzsituation angesprochen hatten und ihn die als herzlich einzustufende Begrüßung in Neunkirchen sehr berührte. Offensichtlich spürte Honecker, dass sich an der deutsch-deutschen Grenze etwas ändern muss.

Der Besuch in Bayern wurde durch das Gespräch mit Ministerpräsident Franz-Josef Strauß geprägt. Strauß sprach die Probleme der bilateralen Beziehungen zur DDR sehr konkret an. Er würdigte u. a. auch, dass Honecker hinsichtlich von Veränderungen an den Grenzsperranlagen Wort gehalten habe. Also hatte es zu einem früheren Zeitpunkt dazu Absprachen gegeben. Strauß erklärte weiter, dass die Grenzanlagen zwischen der DDR und der Bundesrepublik nicht so sein könnten wie zwischen Bayern und Österreich, aber offenbar strebe Erich Honecker als langfristige Zielsetzung eine ähnliche Situation an.

Als Honecker am 11. September 1987 von München aus die Bundesrepublik verließ, konstatierte er, dass die mit dem Besuch erreichten Ergebnisse „einen Erfolg der Politik der Vernunft und des Realismus, einen Gewinn für die Menschen und für den Frieden“ darstellen.

Und Bundeskanzler Kohl erklärte am 10. September 1987 vor dem Bundestag:

„Schon heute kann ich mit Befriedigung feststellen: Die Ergebnisse dieses Besuchs sind beachtlich. ... In einer ersten Bilanz halte ich fest: Wir haben Fortschritte zum Wohle der Menschen beider Staaten in Deutschland erzielen können. Die Bundesregierung ist damit ein wichtiges Stück in den Bemühungen vorangekommen, die schmerzlichen Folgen der Teilung unseres Vaterlandes zu lindern.

Wir haben bedeutende Fortschritte in der politischen Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten in Deutschland erreicht....Wir haben einen wichtigen Beitrag zum West-Ost-Dialog geleistet. Die Beziehungen beider Staaten in Deutschland sind eingebettet in den Gesamtzusammenhang der West-Ost-Beziehungen. Umgekehrt gilt aber auch, dass sie in der Zusammenarbeit zwischen Ost und West Impulse geben können und, wie ich denke, auch müssen.“

Mit diesen Äußerungen ist die Bedeutung des Besuchs eigentlich hinreichend gewürdigt. Für die DDR war der Besuch auch aus heutiger Sicht ein bedeutender politischer Erfolg, der als das wichtigste Ereignis seit dem Grundlagenvertrag einzuordnen ist. Die Zweistaatlichkeit in Deutschland wurde vor aller Welt überzeugend dokumentiert. Das entsprach der Zielstellung der DDR. Die Äußerungen von Kohl zu anderen „Rechtspositionen“ oder zur „Einheit der Nation“ müssen heute zwar anders bewertet werden, fanden aber damals eigentlich nur m den BRD-Medien Widerhall und beeinflussten kaum das Gesamtbild des Besuches. Die Stellung der DDR und auch das persönliche Ansehen Honeckers in der internationalen Arena wurden durch den Besuch beträchtlich gestärkt. Der Besuch hat die Positionen der DDR gestärkt und bot auch Möglichkeiten zur Lösung innerer Probleme, auch auf ökonomischen Gebiet. Leider war die DDR-Führung außerstande, diese Möglichkeiten im Interesse der eigenen Bevölkerung langfristig zu nutzen. Auch in der Politik zur nationalen Frage wurden keine neuen Ansätze zugelassen. Die gab es dann erst nach der „Wende“ zur Zeit der Regierung Modrow, was leider zu spät war.

Die Gipfeltreffen in Dresden am 19. Dezember 1989 und Bonn am 13. Februar 1990

Das gemeinsame Kommunique über den Honecker - Besuch in Bonn vom September 1987 endete mit der Feststellung:

„Der Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzende des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik lud den Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland zu einem Gegenbesuch ein. Die Einladung wurde mit Dank angenommen. Termin und Einzelheiten werden später vereinbart."

Als Erich Honecker diesen Teil des Kommuniques absegnete, hat er bestimmt nicht daran gedacht, dass er es nicht mehr sein wird, der den Kanzler der Bundesrepublik Deutschland an der Gangway eines Flugzeuges der Bundesluftwaffe auf dem Boden der DDR begrüßen wird. Bis zur Realisierung des 1987 vereinbarten Besuch Kohls in der DDR verging eine ereignisreiche Zeit in der DDR und es war dann den von der Volkskammer im Spätherbst 1989 gewählten Ministerpräsidenten der DDR, Dr. Hans Modrow, vorbehalten, Bundeskanzler Helmut Kohl in Dresden am 19. Dezember 1989 zu begrüßen. Damit hatte der Bundeskanzler einen Gesprächspartner gegenüber, den führende Politiker seiner Partei vorher wiederholt als den Hoffnungsträger demokratischer Umgestaltungen in der DDR bezeichnet hatten.

Es war nur ein äußerlicher und zugleich oberflächlicher Ausdruck der Veränderungen in der DDR im Herbst 1989, dass sich Kohl mit dem Ministerpräsidenten der DDR, also seinem richtigen Partner, traf und nicht mit einem Parteichef und Staatsoberhaupt wie 1987. Aber die Veränderungen in der DDR waren tiefgreifender. Es gab nicht nur allerorts die Hoffnung auf demokratische Umgestaltungen, sondern erhebliche Teile der Bevölkerung sahen nur das Ziel, „endlich" zur D-Mark zu finden. Hinzu kam die Tatsache, dass der „reale Sozialismus", der die Menschen enttäuscht hatte, nicht nur in der DDR immer weiter zerfallen war. Die staatlichen Strukturen befanden sich als Folge der Politik der Honecker-Führung in einem äußerst desolaten Zustand. Gar nicht zu sprechen von dem schweren ökonomischen Erbe, das die Regierung unter Ministerpräsident Hans Modrow hatte übernehmen müssen. Der Besuch von Bundeskanzler Kohl in Dresden wurde unter diesen schwierigen Bedingungen in der DDR vorbereitet und war hier aber zugleich mit der Hoffnung verbunden, mit Unterstützung durch die Regierung der BRD Lösungen für die Probleme in der DDR zu finden. Andere Möglichkeiten waren der DDR nicht mehr geblieben.

Es entstanden immer neue Probleme: Am 5. Dezember 1989 kam der Chef des Bundeskanzleramtes und Bundesminister für besondere Aufgaben, Rudolf Seiters, nach Berlin, um im Gespräch mit Ministerpräsident Hans Modrow den Besuch Kohls in der DDR vorzubereiten und zugleich weitere zwischenstaatliche Probleme zu beraten, die sich für beide Seiten u. a. aus der überstürzten Grenzöffnung durch die DDR-Führung im November 1989 ergeben hatten. Nur zwei Tage vor dem Besuch von Rudolf Seiters hatte der bisherige DDR-Unterhändler zur Vorbereitung des Kohl-Besuchs, Staatssekretär Alexander Schalck-Golodkowski, der DDR den Rücken gekehrt. Welch schwierige Situation für Hans Modrow, der in diesem Moment mit dem Verantwortlichen der BRD und bisherigen Gesprächspartner von Schalck zusammentreffen musste. Aber die Dinge wurden von Hans Modrow offen angesprochen und Rudolf Seiters versicherte gegenüber Modrow, dass für die Bundesregierung der Verhandlungs- und Vertragspartner in allen Fragen die Regierung der DDR sei. Schalck sei für die Bundesregierung lediglich ein Unterhändler im Auftrag der Regierung der DDR gewesen und die DDR habe bisher alle auch von Schalck getroffenen Vereinbarungen exakt eingehalten. Dann gingen Modrow und Seiters sofort zur Tagesordnung über. 

Aber auch andere äußere Umstände bereiteten bei der Vorbereitung des Besuchs von Kohl in Dresden den Verantwortlichen auf beiden Seiten Kopfschmerzen. Hier nur ein Beispiel: Ein solcher Besuch wirft naturgemäß die Fragen des Personenschutzes und andere Probleme der sicherheitsmäßigen Abwicklung auf. In der DDR war die dafür zuständige staatliche Institution, das Ministerium für Staatssicherheit, bereits in Auflösung begriffen und das dafür verantwortlich gemachte Ministerium des Innern hatte keine Erfahrungen. In diesem Moment hat sich die DDR auf Weisung des Außenministers an das Bundeskanzleramt gewandt und die Probleme offen dargelegt. Danach wurde nur ganz kurz vor dem Dresdner Treffen eine konstruktive Zusammenarbeit entwickelt, die auch diese Seite des Besuchs gewährleistete. Übrigens muss man an dieser Stelle den für Personenschutz Verantwortlichen des Ministeriums für Staatssicherheit Anerkennung aussprechen. Taten sie doch alles zum Schutz der Person von Bundeskanzler Kohl und seiner Begleitung sowie zur Absicherung des Gipfeltreffens, obwohl sie doch schon wussten, dass sie wenige Tage später arbeitslos sein werden.

Schließlich besuchte Bundeskanzler Kohl am 19. und 20. Dezember 1989 Dresden zu Gesprächen mit Ministerpräsident Hans Modrow. Er kam zu diesem Treffen gut informiert über die Lage in der DDR mit einem großen Teil seiner Regierungsmannschaft. Tausende von Menschen säumten die Fahrtstrecke vom Flugplatz zum Hotel „Bellevue" und winkten mit fabrikneuen Fahnen der Bundesrepublik. Diese Fahnen gab es zu diesem Zeitpunkt in keinem Geschäft der DDR zu kaufen. Auch das charakterisiert die damalige Lage in der DDR.

Am Verhandlungsort tauschten Helmut Kohl und Hans Modrow zunächst unter vier Augen ihre Meinungen aus. Gleichzeitig konferierten die Fachminister beider Seiten über ihre Ressortfragen.

Als dann die offiziellen Gespräche begannen ließ Kohl gleich zu Anfang keinen Zweifel daran aufkommen, dass er und seine Regierung von einer noch längeren Periode des Bestehens der DDR ausgehen. Das war offensichtlich von den internationalen Bedingungen zu diesem Zeitpunkt Mitte Dezember 1989 diktiert. Teilnehmer an dem Dresdner Treffen haben berichtet, dass Kohl die notwendige Stabilisierung der DDR regelrecht beschwor. Er hielt das für ein Erfordernis der Lage in Europa. Ebenso wurde von ihm kein Zweifel gelassen, dass er davon ausging, dass eine solche Stabilisierung in der DDR zum damaligen Zeitpunkt nur unter Ministerpräsident Hans Modrow erreicht werden kann. Bereits die Vorgespräche mit Rudolf Seiters und die Gespräche mit Helmut Kohl selbst ließen ganz unzweideutig den Schluss zu, dass die Bundesregierung in Bonn bereit war, sich materiell (insbesondere finanziell) an dieser Stabilisierung zu beteiligen. Ministerpräsident Modrow schlug in Dresden vor, dass die Bundesregierung Zahlungen an die DDR in Form eines „Lastenausgleichs" u. a. für die von der DDR m den Nachkriegsjahren erbrachten Mehrleistungen an Reparationen leisten sollte.

Bundeskanzler Kohl hatte in der Sache keine Einwände. Es müsse seiner Meinung nach nur ein anderer Begriff gefunden werden, da „Lastenausgleich" bereits für einen Zahlungsausgleich zwischen den Bundesländern stehe. Er schlug vor, von einem „Solidarbeitrag" zu sprechen. Aus dieser unterschiedlichen Benennung der Zahlungen haben sich in den Verhandlungen in Dresden keine Probleme ergeben. Man verständigte sich, dass die DDR nach dem Dresdner Treffen konkrete Zahlenvorstellungen übergeben soll, was dann auch geschehen ist. Allerdings war Bonn dann später auf diesem Ohr plötzlich taub.

Ein deutliches Zeichen dafür, dass die BRD-Regierung zum Zeitpunkt des Dresdner Treffens bei voller Kenntnis der Lage der DDR noch von einer längeren Periode der Existenz der DDR ausging, war die Zustimmung von Helmut Kohl zu dem Vorschlag von Hans Modrow über die Schaffung einer Vertragsgemeinschaft zwischen beiden deutschen Staaten. Ministerpräsident Modrow und Bundeskanzler Kohl vereinbarten am 19. Dezember 1989 in Dresden eine schriftliche Absichtserklärung, in der es hieß:

„Sie (Modrow und Kohl - d. V) kamen überein, über die beabsichtigte Vertragsgemeinschaft in den Beziehungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland einen gemeinsamen Vertrag über Zusammenarbeit und gute Nachbarschaft abzuschließen."

Daraus geht eindeutig hervor, dass die BRD in der DDR weiterhin einen souveränen Staat sah. Für diese damals durchaus realistische Position waren insbesondere internationale Faktoren maßgebend. Kohl wusste, dass die Vertragsgemeinschaft das Maximum war, was Ministerpräsident Modrow hatte Anfang Dezember 1989 bei seinem Besuch in Moskau der Sowjetunion abringen können. Mehr war nicht zu erreichen. Um das zu illustrieren, sei hier nur an einen Vorgang erinnert. Am 8. Dezember 1989 reiste der Verfasser im Auftrag von Ministerpräsident Modrow nach Moskau, um das sowjetische Außenministerium über das in Dresden beabsichtigte Vorgehen der DDR zu informieren. In der Konsultation brachte der zuständige Hauptabteilungsleiter im Moskauer Außenministerium wiederholt seine „Sorge" darüber zum Ausdruck, dass die DDR gegenüber der BRD zu wenig  „Härte" zeigen würde. Er forderte, die von Kohl unterbreiteten 10 Punkte zur Entwicklung in Deutschland rigoros zurückzuweisen. Die Sowjetunion habe das - wie er behauptete - bei dem kurz vorher stattgefundenen Treffen mit BRD-Außenminister Genscher in Moskau auch getan und einen gewissen Erfolg erzielt - heute ist bekannt, dass das nicht der Wahrheit entsprach. Interessant war auch, dass das sowjetische Außenministerium sich sehr nachdrücklich gegen den Gedanken einer deutschen Konföderation aussprach. 

Es waren also die internationalen Bedingungen, die in Dresden Bundeskanzler Kohl noch nicht an den Traum von der schnellen Einverleibung der DDR glauben ließen. Die sowjetische Führung unter Gorbatschow erwies sich zu diesem Zeitpunkt noch als entschiedener Gegner einer deutschen Vereinigung. Das steht zwar im Widerspruch zu den Berichten des Kanzlerberaters Teltschick über seine Gespräche in Moskau im November 1989, aber es war für die DDR die Realität aus dem Kreml. Außerdem war es auch ein in Bonn nicht zu übersehender Fakt, dass nur zwei Tage nach dem Dresdner Treffen der französische Staatspräsident Mitterand offiziell die DDR besuchte und nach Kohl der nächste Gesprächspartner von Ministerpräsident Modrow war.

Anfang 1990 verlief dann die Entwicklung in der DDR und im internationalen Umfeld sehr schnell. Die DDR verlor mit dem immer deutlicheren Scheitern des sozialistischen Experiments einen wesentlichen Teil ihrer nationalen Existenzberechtigung. Andere frühere sozialistische Länder hatten auch als kapitalistische Staaten ihre nationale Legitimation. Sie mussten sich nicht allein als soziale und politische Alternative verstanden wissen. Anders die DDR: Eine kapitalistische DDR neben der kapitalistischen BRD gab national keinen Sinn.

Die internationalen Bedingungen änderten sich für die beiden deutschen Staaten und ihre Zielstellungen entscheidend.

In Dresden hatten Modrow und Kohl ein weiteres baldiges Treffen in Bonn vereinbart. Zur Vorbereitung des Treffens weilte am 25. Januar 1990 Kanzleramtsminister Rudolf Seiters wieder in Berlin. Er äußerte seine Beunruhigung über die Lage in der DDR, was sich insbesondere auch in den zahlreichen Übersiedlern aus der DDR in die BRD ausdrückte. Seiters machte darauf aufmerksam, dass in den wenigen Tagen vom 1. bis 24. Januar 1990 allein 42.500 Menschen der DDR den Rücken gekehrt hatten. Er ging aber immer noch davon aus, dass die DDR weiter bestehen wird und sprach sich dafür aus, Signale zu setzen, um bei den Menschen wieder Vertrauen zu schaffen. Obwohl es bereits Anzeichen gab, dass Bonn von der Absichtserklärung zur Vertragsgemeinschaft abrückte, nahm Seiters einen Vertragsentwurf aus den Händen von Hans Modrow entgegen und sicherte die baldige Aufnahme von Verhandlungen zu. Der 13. Februar 1990 wurde als Termin für den Besuch von Ministerpräsident Modrow in Bonn vereinbart.

Aus heutiger Sicht kann man feststellen, dass sich die entscheidenden internationalen Veränderungen in der Zeit zwischen dem Besuch von Seiters in Berlin und dem Besuch von Modrow in Bonn vollzogen haben. Diese 19 Tage sollten für den weiteren Gang der deutsch-deutschen Beziehungen entscheidend sein und dafür konnte es nur einen Grund geben: Die Regierung der BRD hatte in der Zwischenzeit in Gesprächen in Moskau im Februar 1990 die Gewissheit gewonnen, dass die Sowjetunion unter Gorbatschow bei einer beschleunigten Einverleibung der DDR keinen Widerstand mehr leisten wird. Wenn auch dieser Prozess aufgrund der Lage in der DDR ohnehin nicht mehr aufzuhalten war, so hätten doch bei einer anderen Position der Sowjetunion die Bedingungen wesentlich günstiger sein können. Das gilt sowohl für die wirtschaftliche innere Abfederung als auch für die Auswirkungen auf die Nachbarstaaten und Länder der dritten Welt.

Als dann am 13./l4. Februar 1990 das nächste deutsch-deutsche Gipfeltreffen in Bonn stattfand, offenbarte die Haltung Kohls ganz deutlich, dass sich die unmittelbare Zielstellung der BRD entscheidend geändert hatte: Jetzt musste der DDR der Atem genommen werden und mit Blick auf die für Herbst 1990 anstehenden Bundestagswahlen überstürzt die Bedingungen für eine Einverleibung der DDR geschaffen werden. Die DDR hatte sich entsprechend der Absprachen auf Verhandlungen über die Vertragsgemeinschaft vorbereitet. Aufgrund der Bedeutung dieses Themas hatte Hans Modrow auch seine Minister ohne Geschäftsbereich, also die Vertreter des Runden Tisches, mit nach Bonn gebracht. Das war zweifellos ein Ausdruck bedeutsamer demokratischer Veränderungen in der DDR, ebenso wie Hans Modrow gegenüber Kohl die Positionen des Runden Tisches darlegte und erklärte, dass die Regierung der DDR an diese Positionen gebunden sei. Die Vertreter des Runden Tisches brachten auch selbst ihre Gedanken in die Verhandlungen in Bonn ein. So sprachen sich Vertreter der Bürgerbewegung der DDR wie z.B. Mathias Platzek und Wolfgang Ullmann gegen eine Einverleibung der DDR aus. Auch Minister Rainer Eppelmann forderte, der DDR für den Prozess der Vereinigung Zeit zu lassen und durch gemeinsame Anstrengungen die Stabilität der DDR zu sichern. Schließlich wurde auf Anregung der Minister Eppelmann und Romberg vereinbart, sich über die Form einer gemeinsamen Erklärung beider Regierungen zu verständigen, in der das Interesse beider Seiten an Stabilität der DDR bis zu den Wahlen im März 1990 und danach zum Ausdruck gebracht wird.

Obwohl von BRD-Seite auch noch betont wurde, dass eine überstürzte Vereinigung der beiden Staaten vermieden werden müsste, drängte Kohl bereits auf die Beschleunigung. Er meinte jetzt im Gegensatz zu seiner Haltung in Dresden, dass die Periode der Vertragsgemeinschaft übersprungen werden müsste.

Nach Abschluss des Besuchs in Bonn wurde m einem Beschluss der Regierung der DDR festgestellt, dass die entscheidende Bedeutung des Besuches darin bestand, dass nunmehr zwischen den Regierungen beider deutscher Staaten endgültig die Weichen für die baldige Vereinigung von DDR und BRD zu einem „deutschen Bundesstaat" gestellt wurden. Die DDR-Regierung unter Ministerpräsident Modrow stellte sich in diesem Beschluss die Aufgabe zu gewährleisten, dass sich der Prozess der Schaffung eines einheitlichen deutschen Staates nicht in Form eines Anschlusses der DDR an die BRD vollzieht, sondern als Vereinigung souveräner Staaten, bei der die DDR ihre positiven Werte einzubringen hat. In dem Regierungsbeschluss ist weiter die Rede davon, dass alles zu tun ist, damit eine entsprechende soziale und rechtliche Absicherung gewährleistet ist. Die notwendige internationale Einbettung der Vereinigung muss in Abstimmung mit den vier Mächten erfolgen. Das war ein Programm zur Vereinigung, dass auch dem formulierten Willen des Runden Tisches entsprach.

Das Wahlergebnis vom März 1990 hinderte die Regierung Modrow jedoch daran, dieses Programm zu realisieren und die Dinge nahmen einen anderen Lauf. Es kam schließlich dann doch zur Einverleibung der DDR und nicht zur Vereinigung von zwei souveränen Staaten, ein Umstand, den viele Bürger in den neuen Bundesländern sehr schmerzhaft spürten.

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Der Autor: Jahrgang 1937, Diplom-Staatswissenschaftler, 1956 bis 1960 Studium an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften Potsdam-Babelsberg, 1960 bis 1990 im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten tätig, In dieser Zeit 1965 bis 1968 Diplomat an der DDR-Botschaft in Moskau, danach wieder Mitarbeiter im MfAA, 1972 bis 1990 stellv. Leiter der Abteilung BRD  im MfAA, dazwischen 1979 bis 1985 Gesandter und stellv. Leiter der Ständigen Vertretung der DDR in der BRD.