Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e. V. Berlin (VIP)

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Heft 12 der "Blauen Reihe"
Schriften zur Internationalen Politik,
herausgegeben vom Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e. V. Berlin
(die Verantwortung für den Inhalt der Beiträge liegt bei den Autoren)

Heft 12 ist vergriffen


Ingrid Muth:

"Zwischen Anspruch und Realität - Beiträge zur Geschichte der Außenpolitik der DDR"

Inhalt

Anspruch und Realität – die Rolle der Außenpolitik im Herrschaftssystem der DDR (Untersucht für die Periode 1949-1972)

Zwischen Ideologie und Pragmatismus – die außenpolitischen Interessen der DDR (Einführung in die Diskussion)

 Deutsche Außenpolitik von 1949 bis 2000 (Ingrid Muth / Benno-Eide Siebs)

Außerhalb des Protokolls (Ein persönlicher Rückblick auf das erste Jahrzehnt des VIP)

Biographische Angaben  

Vorwort des Präsidenten des Verbandes für Internationale Politik und Völkerrecht e. V. , Botschafter a. D. Otto Pfeiffer:

Es entspricht dem Selbstverständnis des Verbands für Internationale Politik und Völkerrecht (VIP), dass er sein Engagement gleichermaßen auf die Vergangenheit wie die Gegenwart richtet und sich seit seiner Gründung in den zeitgeschichtlichen Disput um vierzig Jahre Außenpolitik der DDR eingeschaltet hat. Die Außenpolitik steht in der Regel nicht unmittelbar im Fokus der zeithistorischen Forschung, sieht man von internationalen Höhe- oder Tiefpunkten ab. Nicht anders steht es um die zeitgeschichtliche Forschung zur Geschichte der Außenpolitik der DDR seit 1990, die sich zunächst auf andere Felder der Politik und des Alltags der DDR konzentrierte. Wenn in den seither vergangenen Jahren eine beachtliche Zahl von Veröffentlichungen zur Außenpolitik der DDR, zu einzelnen Bereichen wie etwa den deutsch-deutschen oder anderen bilateralen Beziehungen, der Mitarbeit in der UNO und deren Spezialorganisationen, aber auch Memoiren und Erinnerungsbücher erschienen, so haben daran der Verband für Internationale Politik und Völkerrecht und seine Mitglieder ihren Anteil als Autoren, Zeitzeugen, Gesprächspartner oder Organisatoren von Veranstaltungen und Begegnungen.

Seit den frühen neunziger Jahren treffen sich unter seinem Dach Diplomaten und Politikwissenschaftler regelmäßig in einer Arbeitsgruppe, die sich sowohl mit vierzig Jahren Nachkriegsentwicklung in Europa und der Rolle der DDR in diesem außenpolitischen und sicherheitspolitischen Kontext, aber auch mit der eigenen Rolle und Verantwortung als Mitarbeiter des Außenpolitischen Dienstes der DDR kritisch auseinandersetzen. Die Gesprächsprotokolle konnten mit Unterstützung des Verbandes in bislang zwei Bänden veröffentlicht werden, an deren Herausgabe Ingrid Muth als Leiterin der Arbeitsgruppe herausragenden Anteil hatte. Die Debatten sind noch lange nicht am Ende.

Mitte der neunziger Jahre lud der VIP zu einem Workshop über Grundfragen der Außenpolitik der DDR ein, auf dem die Autorin des vorliegenden Heftes der „Blauen Reihe“ Ergebnisse ihres Forschungsprojekts der Volkswagen-Stiftung Hannover zu Strukturen, Mechanismen und Inhalten der DDR-Außenpolitik vorstellte. Der einleitende Vortrag kann hier nachgelesen werden. Seit 1997 gehört der Verband mit der Brandenburger „Rosa-Luxemburg-Stiftung“ und dem Berliner Verein „Helle Panke“ zu den Veranstaltern der jährlichen Potsdamer Kolloquien zur Außen- und Deutschlandpolitik, die im Herbst 2006 zum 10. Mal Politikern, Wissenschaftlern und Diplomaten aus der DDR und der BRD Gelegenheit boten, vor einem sachkundigen Publikum Stationen und Kreuzwege der deutschen Nachkriegsgeschichte zu diskutieren.

Eine der Fragen, die in allen Debatten zur Geschichte der Außenpolitik immer wieder neu beantwortet werden musste, ist die nach den außenpolitischen Interessen. Der zweite Beitrag im vorliegenden Heft vermittelt einen Einblick in die Thematik, in ihre Differenziertheit und Vielschichtigkeit. Fertige Antworten wird der Leser kaum finden, vielleicht aber einen Denkanstoß, über außenpolitische Interessen und deren Rolle in der praktischen Politik nachzudenken, obwohl dieser Begriff als außenpolitische Kategorie weder im Berliner Außenministerium noch im Bonner Auswärtigen Amt verwandt wurde.

Mit dem dritten Beitrag „Deutsche Außenpolitik von 1949 bis 2000“ betritt die Autorin Neuland. Als Mitautorin eines mehr als 1300 Seiten umfassenden Handbuchs „Deutsche Zeitgeschichte von 1945 bis 2000“ beleuchtet sie zusammen mit Benno-Eide Siebs historische Abläufe, Zusammenhänge und Hintergründe der Außenpolitik in beiden deutschen Staaten. Im Mittelpunkt stehen Parallelen und Unterschiede, Strukturen und Wirkungsmechanismen, Verflechtungen und Abhängigkeiten. Eine Betrachtensweise, die mitunter zu überraschenden Ergebnissen führt, neue Fragen aufwirft, vielleicht auch Lust auf kontroverse Debatten auslöst.

Die Autorin hat die Beiträge geringfügig stilistisch überarbeitet. Auf eine Aktualisierung wurde verzichtet, nicht zuletzt in der Hoffnung, dass der geneigte Leser um das der Zeitgeschichte innewohnende Dilemma weiß: ihr Forschungsgegenstand wie ihre Forschungsergebnisse haben keinen ewigen Bestand, sind von zahlreichen objektiven und subjektiven Faktoren abhängig, haben immer noch Raum für neue Erkenntnisse. Gerade das macht die Beschäftigung mit der Geschichte der Außenpolitik der DDR so spannend.

Berlin, im Februar 2007

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Die Autorin Ingrid Muth: Jahrgang 1939, Studium in Leipzig (Journalistik) und Berlin (Kulturwissenschaften); 1962-1965 Redakteurin der Kreiszeitung in Ückermünde, 1965-1972 Referentin im Presseamt beim Vorsitzenden des Ministerrates in Berlin, 1972-1990 Mitarbeiterin der Hauptabteilung Presse im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten (u. a. stellv. Abteilungsleiterin der Abteilung Auslandsinformation), 1991-1993 wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Osteuropa Beratungs- und Informationsdienst Berlin, 1994-1998 wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Verband für Internationale Politik und Völkerrecht in Berlin.