Osteuropa / Slowakei
Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e. V. Berlin (VIP)
Vorträge auf Veranstaltungen des VIP
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Foltin, Ján, Botschafter der Slowakei in der Bundesrepublik Deutschland:
Slowakei - ein interessanter Wirtschaftspartner
Vortrag auf einer Veranstaltung des Verbandes für Internationale Politik und Völkerrecht e.V. am 04.06.2003 in Berlin
Sehr geehrte Damen und Herren,
Die Slowakei, ist ein Land, das weder zu den größten noch -staatspolitisch gesehen- zu den ältesten Ländern in Europa gehört, eher im Gegenteil, aber ich hoffe, Sie heute davon überzeugen zu können, dass es ein unter mehreren Aspekten und vor allem unter dem unternehmerischen Gesichtspunkt sehr interessantes Land ist. Als Botschafter meines Landes werde ich nicht höchstwahrscheinlich ganz objektiv sein und werde mich vielleicht intuitiv mehr auf die positiven Seiten der Slowakei konzentrieren, doch es gibt hier noch andere Referenten, die dann meine überschwängliche Begeisterung korrigieren können.
Zunächst einmal ein bisschen Politik, auch wenn ich weiß, daß Sie von der Politik, von den diversen Nachwahlanalysen und Koalitionsdiskussionen übersättigt sind. Nur, in der SR gab es auch Wahlen und sogar an dem gleichen Wochenende wie in Deutschland, und ich denke, dass es geeignet ist, zu diesem Thema ein paar Worte zu sagen. Ich möchte Ihnen nicht die Zahlen und Graphiken der Wahlergebnisse präsentieren. Ich nehme an, dass Ihnen, die Grundinformationen bereits bekannt sind. Vielmehr möchte ich Ihnen eine etwas langfristigere Einschätzung der slowakischen politischen Szene in den letzten 13 Jahren übermitteln.
Das politische Image der Slowakei war in diesen Jahren nicht gerade das beste. Für vieles davon waren wir selbst verantwortlich, aber Einfluss darauf hatten auch einige anderen Tatsachen, die wir nur minimal oder überhaupt nicht beeinflussen konnten. So wurde z. B. die Trennung der Tschechoslowakei den slowakischen Nationalisten zugeschrieben, Tatsache aber ist, dass Herr Václav Klaus zumindest den gleichen "Verdienst" daran hatte wie unser Meciar und in das Bewusstsein der europäischen Gemeinschaft durchdrang auch nicht, dass es auf der tschechischen Seite einige Politiker gab, die ganz kaltblütig damit gerechnet haben, dass die Tschechische Republik ohne die Slowakei, ohne ihre Rüstungsindustrie und ohne ihre Probleme mit den nationalen Minderheiten schneller in die EU aufgenommen und schneller ihre westlichen Nachbarn einholen wird. (Allerdings erwies sich dies als eine Spekulation.)
Eine wichtige Rolle bei der Imagebildung der entstehenden Slowakei spielte die Tatsache, dass sie von ausländischen Journalisten, die in Prag bzw. in Wien und in Budapest saßen, mitgestaltet und geprägt wurde. Diese Journalisten bewerteten den entstehenden Staat eher aus dem tschechischen oder ungarischen Blickwinkel, nicht aus der slowakischen Perspektive. Deswegen entstand manchmal der Eindruck einer nationalistischen, undemokratischen Entwicklung. Dabei bin ich der Meinung, dass die Demokratie in der Slowakei seit der Regimewende 1989 relativ gut funktionierte, oder zumindest nicht schlechter als in den Nachbarländern. Auch Meciar wurde demokratisch gewählt, dass hat niemand angezweifelt, und demokratisch wurde er dann 1998 auch abgewählt. Man muss ganz objektiv sagen, dass Meciar Anfang der 90er Jahre, in der schweren Zeit der Transformation der Wirtschaft und der Konstituierung eines neuen Staates durchaus eine positive Rolle gespielt hat, und als er insbesondere in den Jahren 1994-98 von den demokratischen Prinzipien abgewichen ist, haben ihm das die Wähler auch deutlich gezeigt. Vor den diesjährigen Wahlen war die deutsche Öffentlichkeit wieder nicht ganz genau informiert. Ich weiß nicht, wie Sie das wahrgenommen haben, aber es wurde der Eindruck erweckt, dass Meciar erneut Chancen hat, Premierminister zu werden. Dabei war seit langem klar, dass es bei dieser Wahl nicht mehr um Meciar geht. Diese Frage wurde bereits vor vier Jahren gelöst. Jetzt stand die Frage, ob ein Vertreter der Rechtsparteien Premierminister wird bzw. ob es der junge Linkspolitiker Fico wird. Die Wahlergebnisse waren dann für Deutschland eine angenehme Überraschung. Für diejenigen, die die Slowakei besser kennen, war es keine Überraschung; sie wussten, dass die Slowakei ein ganz normales demokratisches Land ist. Nach dieser Wahl hat es offenkundig auch Europa zur Kenntnis genommen.
Nach der Politik ein bisschen Geographie. Die Slowakei wird immer als ein osteuropäisches Land bezeichnet. Dabei liegt die Hauptstadt Bratislava nur 55 km östlich von Wien, das paradoxerweise als eine westeuropäische Metropole bezeichnet wird. Da Bratislava westlicher als Warschau und Budapest liegt, schlage ich Ihnen einen Kompromiss vor: Nennen wir die Slowakei ein mitteleuropäisches Land. Die Slowakei war, geschichtlich gesehen, und ist ein Teil Mitteleuropas, und das nicht nur geographisch, sondern auch kulturell und wirtschaftlich.
Nun aber dazu, was Sie sicherlich am meisten interessiert, d.h. zur Wirtschaft der Slowakei. In den ersten drei Jahren der Transformation der slowakischen Ökonomie sank der BIP (Bruttoinlandsprodukt) um ca. 25%. Seit dem Jahr 1994 verzeichnet die slowakische Wirtschaft ein stabiles Wachstum, dabei betrug das BIP-Durchschnittswachstum in den Jahren 1995-98 über 5 %. Dieses Wachstum wurde teilweise mit der höheren Verschuldung des Landes bezahlt, deshalb musste nach den Wahlen 1998 die neue Regierung den Stabilisierungskurs eintreten, was sich in der Verlangsamung des BIP-Wachstums widerspiegelte. Nach zwei Jahren eines niedrigeren Wachstums wird das Wachstum wieder beschleunigt (obwohl unsere wichtigsten Handelspartner, einschließlich der BRD, stagnieren), was beweist, daß die slowakische Wirtschaft über ein großes Wachstumspotential verfügt, das in den großen Produktions- und Humanreserven besteht. Laut der OECD-Einschätzungen haben gerade die slowakische und polnische Wirtschaft in den 90er Jahren das dynamischste Wachstum unter allen Ländern Mittel- und Osteuropas verzeichnet. Von der polnischen Wirtschaft weiß man das verhältnismäßig gut, von der slowakischen schon weniger.
BIP Wachstumsrate in % (Quelle: Statistisches Amt der Slowakischen Republik)
1994: 4,9
1995: 6,7
1996: 6,2
1997: 6,2
1998: 4,1
1999: 1,9
2000: 2,2
2001: 3,3
2002: 4,4
Die Inflationsrate war seit 1994 ebenso unter Kontrolle, wie Sie es der folgenden Graphik entnehmen können. Seit 1995 wurde die Inflation auf einen einstelligen Wert gedrückt, 1999 und 2000 wuchs sie infolge der Energiepreisliberalisierung wieder auf mehr als 10 %, aber bereits letztes Jahr lag sie erneut deutlich unter 10 %. Dieses Jahr wird eine Inflationsrate von 4,5 % erwartet, was bedeutet, daß es kein Problem sein dürfte, die Inflation unter 3 % zu drücken und damit einen bedeutenden Schritt zur beschleunigten Einführung von Euro zu verwirklichen (die Repräsentanten der Slowakischen Zentralbank NBS nehmen an, daß die Slowakei 2007 der Eurozone beitreten könnte).
Inflationrate in % (Quelle: Statistisches Amt der Slowakischen Republik)
1993: 23,2
1994: 13,4
1995: 9,9
1996: 5,8
1997: 6,1
1998: 6,7
1999: 10,6
2000: 12,0
2001: 7,3
2002: 5,5
Ein schwerwiegendes Problem der slowakischen Wirtschaft stellt seit der Entstehung der SR bis heute die Arbeitslosigkeit dar. Sie ist höher als in den anderen Ländern der Visegrader Vier, mit denen wir uns vergleichen möchten. Dafür gibt es mehrere Gründe. Die Arbeitslosigkeit in der Slowakei stieg sprunghaft noch in der ehemaligen Tschechoslowakei an; als Folge der jähen Einstellung der Rüstungsproduktion (meiner Meinung nach war dies auch eine der wichtigsten Ursachen für die Trennung der Tschechoslowakei). Die Rüstungsindustrie hatte in den 80er Jahren bedeutenden Anteil an der slowakischen Industrieproduktion und trug im hohen Maße auch zum Export der ehemaligen föderativen Republik bei. Für die Konversion der Rüstungsproduktion, die andere Länder Jahre lang realisieren, hatten wir in der turbulenten Zeit nach 1989 nicht einmal einen Monat Zeit. Sie wurde von einem Tag auf den anderen eingestellt.
Der zweite Grund für die hohe Arbeitslosigkeit - vor allem im Vergleich mit der CR - ist die Tatsache, dass wir nur eine sehr kurze Grenze mit Österreich und die meisten Grenzen mit östlichem Polen, östlichem Ungarn und mit der Ukraine haben, also mit Regionen, in denen man mit den gleichen Problemen wie bei uns zu kämpfen hat. Wir konnten nicht, so wie die Tschechen, die lange Grenze mit der BRD und Österreich nützen, wo es viele Pendler gibt und der Grenzverkehr blüht. Schließlich dritte Ursache ist der wesentlich niedrigerer Investitionsfluss als in den Nachbarländern. Der Investitionsboom Anfang der 90er Jahre hat die Slowakei nicht erfasst. Wie man weiß, gehen die Investitionen an erster Stelle in die Hauptsstadt und deren Umgebung, und das war Anfang der 90er noch Prag gewesen. Anschließend kam es zur Verunsicherung der Investoren aufgrund der Trennung der Tschechoslowakei. Bis wir es schafften zu zeigen, dass die slowakische Wirtschaft lebensfähig ist, war der Investitionsboom vorbei.
Arbeitslosenrate in % (Quelle: Statistisches Amt der Slowakischen Republik)
1993: 12,2
1994: 13,7
1995: 13,1
1996: 11,3
1997: 11,8
1998: 12,5
1999: 16,2
2000: 18,6
2001: 19,2
2002: 18,5
Ich möchte jedoch betonen, dass diese hohe Arbeitslosigkeit gleichzeitig eine große Chance für die Investoren bedeutet. Wenn es in Tschechien oder in Westungarn ein Problem ist, fähige Arbeitskräfte zu finden, so wird man sie in der Slowakei noch finden, und zwar verhältnismäßig gut qualifizierte. Eine OECD-Studie zeigt, dass das Verhältnis zwischen der Qualität und dem Preis der Arbeitskraft in der Slowakei am besten von allen Ländern Mittel- und Osteuropas ist. Diesen Vorzug der Slowakei beweist nicht nur die Theorie, sondern auch die praktischen Erfahrungen vieler deutschen Unternehmen.
Das berühmteste Beispiel ist VW. Aus den eher bescheidenen Plänen Anfang der 90er Jahre erwuchs inzwischen ein Unternehmen, das jährlich 200.000 Autos sehr hoher Qualität produziert. Betrug am Anfang der Importanteil an der VW-Produktion 95 %, so ist er heute dank des dichteren Zulieferernetzes niedriger als 50 %. Der ganze Stolz von VW in Bratislava ist der neue Geländewagen Tuareg, das in Bratislava hergestellt wird und zur dessen Entwicklung die Bratislavaer Techniker und Ingenieure in bedeutendem Maße beigetragen haben, ebenso wie einige slowakische Ingenieure in der Firma Porsche, die dieses Auto für VW entwickelte (darüber weiß man wiederum nur wenig, ich hoffe, dass es nach dem Genfer Autosalon, wo der Wagen vorgestellt wird, mehr thematisiert wird).
Nächstes Beispiel ist Siemens, der zwar in der SR unauffälliger als VW wirkt, aber in 10 Betrieben über 8 000 Arbeitskräfte beschäftigt, mehr als VW. Siemens produziert in der Slowakei nicht nur Kabelverbindungen für die Automobilindustrie, sondern auch Elektromotoren und hat in Bratislava ein Softwarehouse mit 400 Leuten. Siemens entdeckte als erster, daß die Slowakei eine sehr interessante Quelle für Informatiker ist. Die besten von ihnen sind bereits in Sillicon Valley, oder mittels Green Card in Deutschland, aber es gibt noch genug hervorragende Informatiker auch in der Slowakei.
Alcatel hat in Bratislava auch ein Softwarehouse mit 200 Programmierern und produziert in der wunderschönen Region unter der Hohen Tatra, in Liptovský Hrádok, Telekommunikationstechnik.
Erfolgreich sind in der Slowakei auch Degusa, die ihre chemische Produktion in der Mittelslowakei ständig erweitert; der Erfolg von INA in Deutschland hängt bestimmt auch damit zusammen, dass sie in der Slowakei zwei florierende Betriebe zur Lagerproduktion besitzt; Continental löste seine Probleme teilweise dadurch, dass man die Produktion der LKW-Reifen in die Slowakei versetzte, wo aus der Verlust- wieder eine Gewinnproduktion wurde. Von den bekannteren Firmen sind in der Slowakei seit längerem auch der Hydraulikproduzent Sauer, der Zulieferer der Automobilindustrie Sachs, Nordzucker, Metro u. a. tätig. Relativ unlängst kamen in die Slowakei auf dem Weg der Privatisierung Deutsche Telekom, Ruhrgas und Energiegiganten EON und RWE. Ich bin davon überzeugt, dass sie genauso wie z. B. VW erfolgreich sein werden. Falls Sie bei Ihrem Einstieg in der Slowakei eine deutsche Bank zur Verfügung haben möchten, finden Sie hier mit der ganzen Palette der Bankdienstleistungen nur die HypoVereinsbank, die anderen deutschen Banken sind noch relativ spröde; in Bratislava befinden sich bislang nur die Repräsentationen der Deutschen Bank, der Dresdner und der Commerzbank. Sie werden jedoch durch die holländische ING, die amerikanische Citybank, durch österreichische oder italienische Banken ersetzt. Voll wirksam ist in der Slowakei dafür die Versicherung Allianz.
Vielleicht fragen Sie sich, wieso diese Investorentätigkeit nicht besser sichtbar ist. Sie ist sichtbar, nur ist die Slowakei relativ klein und niemand schenkt ihr besonders große Aufmerksamkeit. Deshalb möchte ich Sie daran erinnern, dass die Slowakei mit ihren 5 Millionen Einwohnern fünfmal mehr in die BRD exportiert als die Ukraine mit 50 Millionen Einwohnern, fast dreimal mehr als das EU-Mitgliedsland Griechenland, mehr als Brasilien und Kanada und nur unwesentlich weniger als Finnland und Portugal. Diese Informationen habe ich den Unterlagen des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden, der Außenhandelsstatistik für das Jahr 2001 entnommen.
Aus den genannten Angaben ist offensichtlich, dass die slowakische Wirtschaft offen ist, dass der Außenhandelsumsatz höher als 150 % des BIP ist und ich bin davon überzeugt, dass nach dem EU- und NATO-Beitritt die slowakische Wirtschaft deutlich profitieren wird.
Zum Schluss dieses Teils möchte ich zusammenfassen:
Die Hauptvorzüge des "Standortes Slowakei" sind:
1. Qualifizierte und relativ billige Arbeitskraft
2. Gute Verkehrs- und Industrieinfrastruktur
3. Geographische Lage. Von der Slowakei aus kann man am einfachsten die Märkte in Polen,
Ungarn und der Tschechischen Republik bedienen.
4. Einstiegsstelle für Märkte in Rußland und in der Ukraine (Verkehrsinfrastruktur -
Breitspurbahn, Sprachkenntnisse, Kenntnis der Mentalität und Kontakte)
5. Attraktives Land (z. B. für Manager und unter dem Gesichtspunkt der Kultur und der
Touristik (dazu sage ich noch was im weiteren).
Fremdenverkehr
Die Slowakei ist unter dem Aspekt des Fremdenverkehrs ein außerordentlich interessantes Land.
Die Slowakei war vor der Wende ein traditionelles regionales Ziel des Fremdenverkehrs, vor allem für die Touristen aus Tschechien (damals war das ein Staat), aus Ungarn und aus der ehemaligen DDR (jeder zweiter Angehöriger der älteren und mittleren Generation in den Neuen Bundesländern kann Ihnen von den Schönheiten der Slowakei berichten). Nach 1989 kam es zu großen Veränderungen. Insbesondere die Deutschen orientierten sich nunmehr Richtung Westen und Süden, die Touristen aus Tschechien und Ungarn wurden auch weniger. Hauptsächlich als Folge der Schocktherapie wurde der einheimische Fremdenverkehr fast liquidiert. Die Situation stabilisiert sich aber sukzessive, einige unserer älteren Kunden kommen zurück (vor zwei Jahren sagte mir ein älterer Herr aus Brandenburg in der Tatra, dass er nach 1989 die Schweiz, Tirol, Französische Alpen besucht hat, bis er darauf kam, dass er, wenn er wirklich unberührte Natur sehen will, in die Tatra fahren muss). Dieses Jahr kehrten massenhaft die tschechischen Touristen in die Slowakei zurück (vor allem auch wegen des günstigen Wechselkurses zwischen der tschechischen und slowakischen Krone). Es kommen auch neue Touristen, vor allem aus Polen, aber auch aus den Baltischen Ländern, aus Russland, der Ukraine und teilweise auch aus Westeuropa, obwohl die uns noch nicht so sehr entdeckten. Laut WTO (World Tourismus Organisation) gibt es 38 Faktoren des Fremdenverkehrs. Die Slowakei besitzt 37 davon, das einzige was fehlt, ist das Meer. Alles andere können Sie jedoch in der Slowakei finden. D. h. Sie finden hier wunderschöne Berge, interessante Architektur (einschließlich der, die uns die Karpatendeutschen hinterließen), entwickelte Kultur, Geschichte, mannigfaltige und sehr gut erhaltene Folklore. Die Slowakei kennen die Jäger sowie die Angler. Der Fremdenverkehr in der Slowakei ist komplett privatisiert, in den letzten Jahren wurde viel investiert und im Vergleich zum Anfang der 90er Jahre wurden die Dienstleistungen wesentlich verbessert.
Ich sagte, ich will objektiv sein, obwohl ich der Botschafter der Slowakei bin. Selbstverständlich gibt es bei uns Probleme wie z.B.: die noch ausstehende Reform der öffentlichen Finanzen und die nicht weniger wichtige Reform des Gesundheits- und Sozialsystems; die Schwerfälligkeit und Ineffizienz der Verwaltung, die unberechenbare Justiz sowie die unvollständigen Strukturreformen; der Arbeitsmarkt ist zu starr, die Mobilität zu gering, und die Arbeitsgesetze sind viel zu sehr auf den Schutz der Arbeitnehmer und zu wenig auf die Bedürfnisse der Arbeitgeber ausgerichtet. Diese Gegebenheiten könnten bei Ihrem Einstieg in die slowakische Wirtschaft Schwierigkeiten bereiten. Ich garantiere Ihnen, dass bei ihrer Überwindung die Vorzüge der Slowakei überwiegen werden.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Im November letzten Jahres war Slowakei auf dem Summit in Prag in die NATO eingeladen und im letzten Monat war in Athen Beitrittsvertrag der Slowakei in die EU unterschrieben. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Slowakei ab dem 1. Januar 2004 EU-Mitgliedsland wird. Und ich garantiere Ihnen, die Slowaken werden gute Europäer sein; besser als viele, die heute schon EU-Mitglied sind. Diese Fakten sollten auch ein bedeutendes Signal für die Investoren sein. Wenn Sie nicht schon heute in die Slowakei kommen, könnte es morgen bereits zu spät sein.
Seit dem 13. Jahrhundert kamen auf das Gebiet der heutigen Slowakei auf Einladung der damaligen ungarischen Könige deutsche Kollonisten. Sie brachten die Entwicklung von Handwerk, Gewerbe und Bergbau, d. h. das, was wir heute als know-how bezeichnen, mit sich. Ich bin zwar kein ungarischer König, nur der slowakische Botschafter, trotzdem möchte ich Sie gerne einladen. Kommen Sie auch heute mit Ihrem Spitzen-know-how und nützen Sie die hochqualifizierte slowakische Arbeitskraft zur Verwirklichung Ihrer unternehmerischen Aktivitäten. Kommen Sie und Sie werden feststellen, dass die Slowakei ein idealer (nicht nur Industrie-) Standort im Herzen Europas ist!
Zum Schluss ziehe ich noch meine besten Trumpfe, mit denen ich Sie in die Slowakei locken möchte:
Erstens gibt es in der Slowakei Opersänger und -sängerinnen der Weltklasse (Edita Grúberová, Gabriela Benacková, Peter Dvorský sind allabendlich zu Hause auf den berühmtesten Operbühnen der Welt); zweitens haben wir die talentiertesten Eishockeyspieler der Welt (die Slowakei ist amtierender Weltmeister) und drittens finden Sie bei uns die schönsten Frauen und Mädchen Europas. Diesen letzten Fakt kann ich nicht durch irgendwelche Zahlen oder Graphiken beweisen, wenn Sie es also verifizieren möchten, dann müssen Sie Bratislava besuchen. Und wenn Sie erst gekommen sind, dann haben wir schon gewonnen. Es gilt nämlich eindeutig: Die Realität in der Slowakei ist viel besser als das existierende Image des Landes.