Geschichte der Außenpolitik der DDR / Asien


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Philipp, Dieter / Jarck, Dietrich / Knöfel, Dr. Dieter:

Beziehungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der DVR Laos

Quelle: Autor, zuerst veröffentlicht in: "LAOS - DEUTSCHLAND: 50 Jahre diplomatische Beziehungen (1958 - 2008)", herausgegeben von der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Laos

Die wechselvolle Geschichte des deutschen und des laotischen Volkes in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg brachte es mit sich, dass zwei deutsche Staaten ihre Beziehungen aktiv gegenüber Laos entwickelten und dabei nachhaltige Ergebnisse erzielten, deren weitere Pflege und Förderung nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik im Jahre 1990 für die deutsche wie für die laotische Seite ein wichtiges Anliegen sein sollte. So ist die Würdigung von „50 Jahren Deutsch-Laotischer Beziehungen" für eine große Zahl von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der DVR Laos, im Bereich der Politik und Wirtschaft sowie der Wissenschaft, Bildung und Kultur auch Anlass, auf die Entwicklung der Beziehungen mit beiden deutschen Staaten über einen relativ langen Zeitraum von der Gründung der DVR Laos im Jahre 1975 bis zum Jahre 1990 zurückzublicken. Dabei besteht für die laotische politische und wirtschaftliche Elite von heute, vor allem bei denen, die ihre Ausbildung in der DDR erhalten haben, kein Zweifel über den großen Nutzen, den die Unterhaltung zwischenstaatlicher Beziehungen mit zwei deutschen Staaten in diesem Zeitraum für die Entwicklung des Landes auf vielen Gebieten gebracht hat.

Schon zu jener Zeit, in der die Bundesrepublik ihre Beziehungen zur königlichen Regierung von Laos ausbaute, knüpfte und festigte die DDR Kontakte zu den kommunistischen „Pathet Lao". Nach 1960 und verstärkt seit Beginn der 70er Jahre entwickelten sich immer engere Beziehungen zwischen gesellschaftlichen Organisationen der DDR und der Patriotischen Front von Laos, die den Norden und Osten des damaligen Königreiches Laos beherrschte und deren Einflussbereich sich trotz heftiger Bombardements durch die US-Air Force und härtester Kämpfe immer weiter ausdehnte. Neben materieller Unterstützung begann die DDR schon in den Kriegsjahren mit der Ausbildung laotischer Fachkräfte in der DDR. Als nach dem Pariser Waffenstillstandabkommen 1973 der Abzug der ausländischen Truppen aus Indochina begann, wurde zwischen Vertretern der königlichen Regierung und der Patriotischen Front eine Vereinbarung zur Wiederherstellung der nationalen Einheit unterzeichnet. Damit ergab sich auch die Möglichkeit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der DDR und dem damaligen Königreich Laos am 27.05.1974. Am 30. Dezember 1974 wurde Dietrich Jarck als erster Botschafter der DDR beim damaligen Staatsoberhaupt König Sri Savang Vatthana akkreditiert. Er wurde damit der erste in der laotischen Hauptstadt residierende Botschafter eines deutschen Staates. Der damalige Standort der DDR-Botschaft und der Residenz wird von der Bundesrepublik Deutschland seit 1990 weiter als Botschaft genutzt.

Nach Gründung der Demokratischen Volksrepublik Laos im Dezember 1975 wurden konkrete Kooperationsprojekte in Angriff genommen. Ziel der Zusammenarbeit war, die vorhandenen Ressourcen beider Länder entsprechend den Möglichkeiten und Gegebenheiten zum beiderseitigen Vorteil zu nutzen. Aufgrund der Kriegszerstörungen in Laos standen zunächst die Hilfeleistungen der DDR im Vordergrund. Höhepunkt dieser ersten Phase der Beziehungen war der Besuch des laotischen Ministerpräsidenten und Generalsekretärs des Zentralkomitees (ZK) der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP), Kaysone Phomvihane, im Mai 1977 in der DDR. Das wohl wichtigste Ergebnis dieses Besuches war die noch im gleichen Jahre erfolgte Gründung eines Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses unter Leitung von Stellvertretenden Ministerpräsidenten beider Staaten.

Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren:

Ein weiterer Besuch Kaysone Phomvihanes im September 1982 in der DDR zog eine positive Bilanz der Anstrengungen beider Staaten zur Ausgestaltung ihrer Beziehungen. Ein Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit schuf eine feste Grundlage für die weitere langfristige Arbeit. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit wurde für eine Zeit von jeweils 5 Jahren vereinbart. Grundlagen für ein langfristiges Handelsabkommen wurden erarbeitet. Wesentliche Lieferpositionen der DDR waren Lastkraftwagen, Dieseltreibstoff, Medikamente, Stoffe und Farben. Aus Laos wurde die Lieferung von Rohkaffee, Parkettholz und Kunsthandwerksartikeln vereinbart. Der Verbesserung und Erweiterung des Kaffeeanbaus kam in diesen Rahmen besondere Bedeutung zu. Die Voraussetzungen für den Export wurden verbessert.

Die Hilfe der DDR für den Kaffeeanbau war sehr breit angelegt und umschloss die Lieferung von Maschinen und Ausrüstungen zur Erweiterung der Anbaufläche, Rekonstruktion einer Wasserkraftanlage, Einrichtung von Reparaturstationen, den Einsatz einer Gruppe von Experten für tropische Landwirtschaft, Qualifizierung von Arbeits- und Führungskräften in der DDR und vor Ort in Laos. Durch zweckgebundene Lieferung von Hilfsgütern von der Nähmaschinennadel bis zum Kleinkraftrad in das Kaffeeanbaugebiet wurden nicht zuletzt auch die Lebensbedingungen der nationalen Minderheiten auf dem Bolovenplateau verbessert. Ein Abkommen zur Zusammenarbeit bei der Herstellung von Holzprodukten war ebenfalls auf die Stärkung der laotischen Exportkraft gerichtet. In diesem Rahmen wurden 5 Tischlerwerkstätten eingerichtet sowie cirka 100 Fachkräfte ausgebildet.

Die Unterstützung der DDR im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung war wichtigster Bestandteil aller Maßnahmen der DDR, wurde doch die Qualifizierung von Fachkräften auf allen Gebieten als Grundvoraussetzung der Hilfe zur Selbsthilfe verstanden. Dafür wurden Regierungsberater mit Schwerpunkt Berufsbildung im Bildungsministerium eingesetzt. Nach 1990 setzte die Bundesrepublik über die GTZ ähnliche Programme fort. Aber auch andere Ministerien erhielten Unterstützung beim Auf- und Ausbau von Bildungsstätten, wie zum Beispiel das Finanzministerium (Finanzschule Thangone) oder das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft (Forstschule Dong Dok). Die Unterstützung der DDR im Bereich Forstwirtschaft hatte eine sehr nachhaltige Wirkung für Laos. Im Jahre 1975 verfügte das waldreiche Land lediglich über 11 Forstfachleute. Durch ein Regierungsabkommen von 1983 wurde die bereits bestehende Schule in Dong Dok zu einem Zentrum der Ausbildung von Fachkräften der Forstwirtschaft entwickelt. In der ersten Phase erhielten ca. 1000 Laoten eine Facharbeiterausbildung. Ab 1986 wurde sie zu einer Hochschule ausgebaut. Die ersten 55 Absolventen erhielten 1989 ihr Diplom. 60 Ausbilder im Forstbereich erhielten in der DDR einen Ingenieurabschluss. Weitere studierten an Forsthochschulen unter anderem im brandenburgischen Lychen und in Tharandt bei Dresden, der ältesten deutschen Forstschule, die auch heute noch rege Kontakte nach Laos unterhält. So gab es im März/April 2007 in Tharandt ein Treffen mit Absolventen, die heute leitende Funktionen in der laotischen Forstwirtschaft ausüben.

Eine hohe Konzentration von Mitteln erfolgte in der schon bestehenden Technischen Schule Pakpasak in Vientiane. Von 1978 an wurden vier Werkstätten (Zweirad, Uhrmacher, Funk/Fernsehen, Schneiderei) eingerichtet und DDR-Ausbilder eingesetzt. Ab 1981 erfolgte mit Unterstützung einer Brigade der Freundschaft der Jugendorganisation der DDR (FDJ) eine Rekonstruktion und Erweiterung der Ausbildung nun auch für Tischler, Maurer, Metallarbeiter, KFZ-Techniker, Elektriker und Elektroniker. Von 1981 bis 1989 haben etwa 7000 Laoten eine Fachausbildung in dieser Einrichtung abgeschlossen. Die Berufsschule im Vientianer Stadtgebiet ist heute die bedeutendste Berufsausbildungsstätte des Landes. Die Tätigkeit der FDJ-Freundschaftsbrigade wurde 1988 auf die Errichtung der Berufsschule Phonehong ausgeweitet. Nach der Herstellung der deutschen Einheit führte der Deutsche Entwicklungsdienst Teile dieser Unterstützung fort und baute sie weiter aus.

Ein Teil der Facharbeiter wurde an Bildungseinrichtungen der DDR zu Berufspädagogen weiter gebildet und danach als Lehrkräfte eingesetzt.

Nach 1990 unterstützte der aus dem Solidaritätskomitee der DDR in eine Stiftung umgebildete „Solidaritätsdienst-international e.V." die technische Schule Pakpasak weiter durch Errichtung des ersten Computer-Kabinetts in Laos und lieferte Schreibmaschinen sowie Tischrechner für die Ausbildung von Bürofachkräften. Auch die von der DDR im Zeitraum 1981-83 vorgenommene Rekonstruktion und Erweiterung der Nationaldruckerei in Vientiane, wodurch unter anderem mehr Schulbücher in besserer Qualität hergestellt werden konnten, wurde mit der Ausbildung von Fachleuten im Druckereiwesen in der DDR und der Wartung der Maschinen im Rahmen einer Partnerschaft mit einer Druckerei in Suhl verbunden.

Mit dem Ziel der Ausweitung lokaler Dienstleistungen wurden über ein langfristiges Programm insgesamt 35 kleine Handwerksstätten, unter anderem für die Reparatur von Fahrrädern, Radio- und Fernsehgeräten, aber auch Schneiderstuben und Uhrmacherwerkstätten, verteilt über das ganze Land, errichtet. Laos übernahm die Auswahl der Standorte und die Bereitstellung der Gebäude. Die Ausrüstungen kamen aus der DDR, meist aus dortigen Handwerksbetrieben. Handwerker aus der DDR führten die Montage der Ausrüstungen und die Einweisung der Arbeitskräfte durch. Die Finanzierung der Lieferungen und Leistungen erfolgte aus Mitteln des Solidaritätsfonds der DDR. Bei der Unterstützung der DDR für Laos standen die Ausbildungsleistungen im Mittelpunkt. Die nachhaltige Wirkung der Aus- und Weiterbildung laotischer Bürger an Hoch- und Fachschulen sowie an Berufsschulen der DDR reicht bis in die Gegenwart. Die laotischen Studenten, die in den 80er Jahren in ihren Zwanzigern waren, sind heute Teil der Generation, die in vielen Institutionen der Verwaltung, Hochschulen und Betrieben in Laos verantwortliche Aufgaben übernommen haben.

Insgesamt haben etwa 2000 Laoten eine längerfristige Ausbildung in der DDR erhalten. Zu dieser Leistung gehörte auch eine entsprechende sprachliche Vorbereitung in Kursen in Laos, wo eine Gruppe von 7 Deutschlektoren und 4 Englischlektoren im Einsatz war, sowie in speziellen Studieneinrichtungen in der DDR, wie dem Herder-Institut in Leipzig. Die Deutschvorbereitung in Laos wuchs dabei rasch über dieses Grundanliegen hinaus und führte zur Schaffung einer Abteilung für deutsche Sprache an der Hochschule Dong Dok, der heutigen National University of Laos.

Die DDR nahm aus Laos jährlich 30 Personen an Hochschulen und 40 Personen an Fachschulen auf. Außerdem wurden 5-10 Personen als wissenschaftliche Aspiranten/Doktoranten an Universitäten und Hochschulen der DDR weitergebildet.

Zur Ausbildung  von Facharbeitern wurden jährlich ca. 80 Personen in den Bereichen Pflanzenproduktion, Forstwirtschaft,   Polygraphie, Lebensmitteltechnologie, Baumaschinisten, Schlosser und in anderen Berufen in die DDR entsandt. Einen besonderen Schwerpunkt bildete die Ausbildung von Elektrikern, Elektronikern und Fernmeldeelektrikern. Nicht nur der Personalstamm der laotischen staatlichen Elektrizitätsgesellschaft spricht noch heute deutsch, sondern auch die erste Generation der laotischen Computerfachleute erhielt ihre Grundausbildung in der DDR. Nicht zu vergessen die mehr als 60 laotischen Mediziner, die in der DDR eine Facharztausbildung erhielten oder zum Doktor med. promovierten. Auch als die laotische Zollverwaltung als Vorbote der wirtschaftlichen Öffnung des Landes kurzfristig Ausbildungsbedarf anmeldete, gewährte die DDR Unterstützung.

Zum Teil liefen die Ausbildungsvereinbarungen auch nach dem 3. Oktober 1990 weiter, denn Ende September l990 hielten sich noch ca. 350 laotische Studenten an Hoch- und Fachschulen sowie ca. 300 Laoten zur Berufausbildung in der DDR auf.

Der hohe Beitrag der DDR für Laos wurde auch in UN-Spezialorganisationen anerkannt. In den 80er Jahren waren DDR-Experten in Projekten der UNESCO, ILO, ITO und anderen durch internationale Organisationen finanzierten Projekten in Laos tätig. Das betraf z. B. die Hochschule für Transportwesen, wo laotische Fachleute mit modernster Vermessungstechnik vertraut gemacht wurden, sowie die Arbeit an der Fachschule für Elektronik und Telekommunikation.

Die DDR finanzierte diese umfangreiche Hilfe für Laos teilweise in Form von Krediten (zinsfrei, 10 Jahre rückzahlungsfrei), doch überwiegend mit unentgeltlichen Zuschüssen aus dem Staatshaushalt. Aus den Solidaritätsfonds wurden über 190 Millionen Mark der DDR rückzahlungsfrei zur Finanzierung der Hilfe für Laos geleistet. Der jährliche Umfang der Hilfe der DDR an Laos betrug ca. 18 Mio. Mark der DDR.

Die Unterstützung der DDR für Laos zur Überwindung der Folgen der Zerstörung und zur beschleunigten Entwicklung des Landes hat in den 70er und 80er Jahren in einigen wichtigen Schwerpunktbereichen der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung von Laos nachhaltige Fortschritte bewirkt. Dabei steht die Ausbildung einiger Tausend Laoten im Bereich der Hoch- und Fachschulbildung sowie der beruflichen Aus- und Weiterbildung gemessen an der Nachhaltigkeit an erster Stelle. Die Verbundenheit mit ihren Ausbildungsstätten in Deutschland, vielseitige Kenntnisse über Deutschland und Kontakte sind auch heute noch ein wertvolles Potential für die weitere Gestaltung der deutsch-laotischen Beziehungen zum beiderseitigen Nutzen.