Südafrika


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Schleicher, Dr. Hans-Georg:

"Hamba kahle" - Gehe wohl, Brian Bunting

Südafrika gedenkt des namhaften Kommunisten, Befreiungskämpfers und Freundes der DDR

in: "Neues Deutschland" vom 24.06.2008

In der vergangenen Woche starb in Kapstadt ein Veteran aus der Generation von Südafrikanern, die die wechselvolle Geschichte ihres Landes über viele Jahrzehnte geprägt haben. Brian Bunting war prominenter Kommunist und ein wichtiger Akteur des Befreiungskampfes.

Obwohl Brian Bunting nie in herausragender Funktion tätig war, zog es auf nationalen Konferenzen vergangener Jahre viele junge schwarze Aktivisten in die Nähe des bescheidenen älteren Herrn, der so gar nicht dem Typ des revolutionären Kämpfers entsprach. Sie diskutierten mit ihm, suchten Rat und begehrten ein gemeinsames Foto mit dem Mann, dessen politische Biografie sich wie die Geschichte des Befreiungskampfes Südafrikas liest.

Brian Bunting wurde die sozialistische Ideologie, der er sein Leben lang treu blieb, praktisch in die Wiege gelegt. Seine Eltern waren 1921 Mitbegründer der Südafrikanischen Kommunistischen Partei (SACP), sein Vater deren Vorsitzender. Nach dem Universitätsabschluss 1939 wurde Brian Bunting Journalist, 1940 trat er der SACP bei. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er in Nahost, Nordafrika und Italien gegen den Faschismus und kehrte als Leutnant nach Südafrika zurück. Dort setzte er seine journalistische Arbeit fort - als Vertreter einer neuen Generation investigativer, radikaler Journalisten im Lande. Brian Bunting wurde Herausgeber des südafrikanischen »Guardian«.

Im Jahr 1952 errang der weiße Journalist ein Parlamentsmandat als Vertreter von Schwarzen (die selbst nicht gewählt werden durften) in der Kap-Provinz. Das Mandat wurde ihm aber bereits nach einem Jahr wegen seiner Zugehörigkeit zur verbotenen Kommunistischen Partei entzogen. Die SACP war damals als einzige Partei im Apartheid-Staat für alle Bevölkerungsgruppen offen, sie arbeitete eng mit dem ANC zusammen. Gemeinsam mit seinen Genossen lebte Bunting hier die nichtrassistische Gesellschaft, für die er kämpfte. Er wurde bald mit dem Bann, einer speziellen Strafmaßnahme, belegt, der »Guardian« wurde verboten. Daraufhin gab Bunting neue Publikationen heraus, die immer wieder verboten wurden.

1960 wurden Brian Bunting und seine Frau Sonia verhaftet, später unter Hausarrest gestellt, sie erhielten Publikationsverbot. 1963 gingen sie schließlich ins Exil - für vielleicht fünf oder sechs Jahre, wie sie damals meinten. Daraus wurden fast drei Jahrzehnte. Bunting betonte stets nachdrücklich, dass sie das Land mit ausdrücklicher Billigung der SACP verließen. Auch im langjährigen Exil in London war Bunting aktiv für ANC und SACP sowie für die Anti­Apartheid-Bewegung. Bereits seit 1953 Mitglied des Zentralkomitees der SACP, wurde er Redakteur ihrer Zeitschrift »The African Communist«. Seine Frau Sonia war verantwortlich für die Drucklegung, die in Erfurt erfolgte. Die Buntings weilten mehrfach in der DDR, mit der sie sich als Internationalisten eng verbunden fühlten und deren große Unterstützung für den Befreiungskampf sie hoch würdigten. Entwicklungen in den sozialistischen Ländern bewegten Brian Bunting sehr, noch nach Jahrzehnten erinnerte er sich an den Schock der Enthüllungen des 20. Parteitages der KPdSU. Besonders hart traf ihn der Kollaps der osteuropäischen sozialistischen Länder in den Jahren 1989 und 1990. In langen Gesprächen ging es immer wieder um die Ursachen für das Scheitern der DDR. Brian Bunting hat im Exil mehrere Bücher geschrieben, darunter eines über das Dritte Reich und Südafrika. Sein Name und der seiner Frau fanden sich auf einer Todesliste des südafrikanischen Geheimdienstes in London, so dass ihnen von Scotland Yard Schutz angeboten wurde.

Im neuen Südafrika kehrte Bunting als Abgeordneter nach über 40 Jahren in das ehrwürdige Parlamentsgebäude im Zentrum Kapstadts zurück, aus dem ihn die Apartheid einst. vertrieben hatte. Ende der 90er Jahre gab er, fast 80-jährig, seine politischen Funktionen auf, begleitete aber weiter aktiv die Entwicklung seines Landes. Seine Bemerkung zum Tod seiner Frau vor sieben Jahren war gleichsam sein eigenes politisches Credo: »Sonia glaubte, dass der Sozialismus die einzige Antwort auf die Probleme der Welt ist.«

Im Land am Kap wird Buntings großer persönlicher Anteil am Befreiungskampf hoch gewürdigt. Der ANC nannte den 88-Jährigen einen revolutionären Intellektuellen, der nie zögerte, sich auch als Aktivist in den Kampf zu begeben. Nicht nur in Südafrika ehren Genossen, Freunde und Mitkämpfer einen bedeutenden Vertreter des Kampfes für ein besseres Südafrika mit dem traditionellen Abschiedsgruß »Hamba kahle« - Gehe wohl.