Eleonora Schmid: Meine Wege über Ländergrenzen


Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e. V. Berlin (VIP)

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Heft 21 der "Blauen Reihe" (November 2008)
Schriften zur Internationalen Politik,
herausgegeben vom Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e. V. Berlin, 2008
(die Verantwortung für den Inhalt der Beiträge liegt bei den Autoren)

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Eleonora Schmid

 

„Meine Wege über Ländergrenzen. Erinnerungen der jüngsten Botschafterin der DDR“

 

Inhalt

 

Vorwort                                                                                                 

 

I. Woher ich kam, wohin ich ging…                                         

 

 

II. Der Neubeginn im fremden Land

 

 

III. Berufliche Karriere

 

 

IV. Die Nachwendezeit

 

 

V. Kurzer Nachtrag

 

  

Biografische Angaben der Autorin                                         

 


Vorwort des Präsidenten des Verbandes für Internationale Politik und Völkerrecht e. V. Berlin, Otto Pfeiffer

Die vorliegenden biografischen Notizen von Eleonora Schmid sind Inhalt eines zweiten Heftes mit Erinnerungen ehemaliger DDR-Diplomaten. Es wird gewiss nicht nur in Insiderkreisen Aufmerksamkeit finden; denn schon auf den ersten Blick sind dem Lebensweg der Verfasserin Züge des Besonderen nicht abzusprechen. Doch vielleicht ergibt sich das wirklich Außergewöhnliche erst aus der Kombination vieler Elemente: ihrer schwierigen Kindheit, ihrem Bildungsweg, ihrer Karriere als Diplomatin und ihrem Bemühen um eine nützliche Tätigkeit nach der Wende.

Dass junge Menschen trotz widriger Startbedingungen ihre Entwicklungschance erhielten, war bereits in den Nachkriegsjahren im Osten Deutschlands nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Anders hätten die hunderttausenden durch den Krieg zu Waisen und Halbwaisen oder durch Umsiedlung heimatlos gewordenen Kinder, die in das Leben in einem neuen Land zu integrieren waren, keine Zukunft gehabt. Wenn jedoch eine Dreizehnjährige nach langjähriger Zwangsansiedlung in einem fernen Winkel Sibiriens - noch dazu mit nur rudimentären Kenntnissen der deutschen Sprache - in einem ihr bisher unbekannten Land Fuß fassen soll, ist das ohne Zweifel eine besondere Herausforderung. Ele-onora Schmid hat sich ihr gestellt und sich – auch gegen nicht wenige Widerstände – mit ausgezeichnetem Erfolg bis zum Universitätsabschluss „durchgebissen“ und hat diese Hartnäckigkeit, gepaart mit Besonnenheit, auch im Berufsleben beibehalten.

Dass sich das diplomatische Personal der DDR nicht aus alten Eliten rekrutieren konnte, war eine Vorbedingung für einen Neubeginn nach Krieg und Faschismus und für die Glaubwürdigkeit einer neu orientierten Politik. Doch eine junge Frau als Quereinsteigerin im aktiven diplomatischen Dienst - und nicht als „schmückendes Beiwerk“ eines Diplomatengatten - war nichts Alltägliches. Es war zudem die praktische Widerlegung der irrigen These, Frauen hätten im diplomatischen Dienst keine Chance, die Ende 1957 zur Relegierung aller Studentinnen vom Außenpolitikstudium geführt hatte. So blieb die DDR – was den Einsatz von Frauen in der Diplomatie angeht - selbst hinter manchen Entwicklungsländern zurück.

Eleonora Schmid widerlegte das kurzschlüssige Argument von der Chancenlosigkeit von Diplomatinnen in der Außenpolitik auf beeindruckende Weise. Ihre Berufung zur Botschafterin in mehren Staaten Afrikas, insbesondere ihre Tätigkeit als Botschafterin im Königreich Marokko, einem wichtigen Land in der arabischen Welt, in der Frauen im gesellschaftlichen Leben bekanntlich eine nachrangige Rolle spielen, unterstreicht dies nachdrücklich. Übrigens gibt es wohl nur einen DDR-Botschafter, der bei seiner Ernennung jünger war als Eleonora Schmid, die mit 35 Jahren ihren ersten Botschafterposten in Guinea angetreten hatte.

Auch die Erschwernisse des persönlichen Lebens darf man nicht vergessen, denn es versteht sich, dass der Dienst im Ausland, wo die in der DDR üblichen Instrumente der Frauen- und Familienförderung nicht zur Verfügung standen, besondere Fähigkeiten und Anstrengungen erforderte, Familie und Beruf unter diesen ganz ungewöhnlichen Bedingungen miteinander vereinbar zu machen.

1990 endete das „Außergewöhnliche“ am Lebensweg von Eleonora Schmid und es ereilte sie wie ihre männlichen Kollegen die „gewöhnliche“ Abwicklung.

Dass die gesamtdeutsche Regierung die Bewerbung zu einer Tätigkeit in internationalen Organisationen nach dem 3. Oktober 1990 befördern würde, konnte nur eine kurzlebige Illusion sein. Eben diese Regierung hatte schließlich – wenn auch erfolglos – die UNO gedrängt, die aus der DDR stammenden UNO-Beamten zu entlassen.

Umso anerkennenswerter ist es, dass Eleonora Schmid nichts ferner lag als Resignation und sie z.B. ihre Kenntnisse des Chinesischen, einer der vier von ihr beherrschten offiziellen UNO-Sprachen, auch heute noch in der universitären Bildung weitervermittelt.

 

Otto Pfeiffer                                                       November 2008