Afrika / Russland


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Schleicher, Dr. Hans-Georg:

"Russland kehrt nach Afrika zurück"

Medwedjew besuchte "alte Freunde"

Quelle: Autor, zuerst veröffentlicht in: "Neues Deutschland" vom 01.07.2009

Mit einem viertägigen Besuch seines Präsidenten meldete sich Russland in der vergangenen Woche zurück in Afrika. Dmitri Medwedjew unterstrich mit seiner Reise nach Ägypten, Nigeria, Namibia und Angola Moskaus Anspruch als Weltmacht.

Russlands Botschafter in Namibia hatte vor dem Besuch seines Präsidenten erklärt, man komme zurück zu alten Freunden in Afrika. In Angola dankte Präsident Jose Eduardo dos Santos, der einst selbst in der Sowjetunion studiert hatte, für die Hilfe im Befreiungs- und im Bürgerkrieg. Vor Jahrzehnten war Afrika für die Sowjetunion, die nationale Befreiungsbewegungen und nach Unabhängigkeit strebende Staaten unterstützte, eine wichtige Arena des Kräftemessens im Kalten Krieg. Um so mehr überraschte bereits vor dem Zerfall der UdSSR und erst recht danach das plötzliche Desinteresse der Moskauer Führung an Afrika. Als Nelson Mandela die westliche Welt bereiste, lud Russland 1992 ausgerechnet Südafrikas noch amtierenden Präsidenten Frederik Willem de Klerk zum Staatsbesuch ein. Es sah aus, als ob Russland das Erbe der sowjetischen Afrika-Politik ausschlagen wolle.

Das hat sich inzwischen geändert. 2006 demonstrierte Wladimir Putin mit Besuchen in Südafrika und Marokko neue Ambitionen in Afrika. Medwedjew schloss sich nun an. Wirtschaftsexperten dominierten in seiner 400-köpfigen Begleitung. Russland offerierte sein Exportpotenzial vor allem bei der Erschließung und Nutzung von Energieressourcen einschließlich der Nukleartechnologie. In Nigeria und Angola - Afrikas wichtigsten Erdölproduzenten - ging es vorrangig um Energiefragen.

Es kam Russlands globalen Ambitionen entgegen, dass Angolas Präsident dos Santos, derzeit Vorsitzender der OPEC, Interesse an Medwedjews Vorschlägen für neue Regeln auf dem Weltenergiemarkt bekundete, wo Moskau auch mit Nigeria zusammenarbeiten will. Russland vereinbarte Abkommen über langjährige Wirtschaftszusammenarbeit mit Ägypten und Angola sowie Kooperation im All mit Angola und Nigeria. Mit Ägypten soll die Zusammenarbeit in der Nukleartechnologie verstärkt werden. Russische Energieunternehmen verhandelten mit staatlichen Öl- und Energieunternehmen in Nigeria, Namibia und Angola über die Erschließung und Nutzung von Energiereserven, sagten Investitionen zu und vereinbarten konkrete Projekte. Gasprom vereinbarte in Nigeria ein Gemeinschaftsunternehmen für den Bau von Gaspipelines, aber auch zur Nutzung von Nuklearenergie. In Angola und Namibia ging es zudem um Diamanten.

Groß war die Palette der Diskussionsthemen in Namibia - neben Erdgas, Diamanten und Uran standen Bildung, Gesundheit, Tourismus, der Bau eines Kraftwerks, und Kooperation im Fischereisektor auf der Tagesordnung. Ein Investitionsschutzabkommen verbessert die Grundlagen der Zusammenarbeit.

Russische Wirtschaftsexperten machten keinen Hehl daraus, dass diese Afrikareise dem wachsenden Einfluss des Westens und Chinas auf den Märkten Afrikas entgegenwirken sollte. Noch ist der Nachholbedarf Russlands gegenüber westlichen und chinesischen Investoren gewaltig. Angola beispielsweise ist heute bereits Chinas größter Öllieferant. Das russische Interesse an neuen Projekten ist daher groß. Dazu gehört der Bau einer transsaharischen Pipeline für nigerianische Gaslieferungen nach Europa - ein lukratives und für Russland strategisch interessantes Projekt.

Medwedjew bereiste Afrika zu einer Zeit, da Russland kurz vor dem Besuch Barack Obamas seine globale strategische Rolle unterstreichen will. Auch wenn die russische Seite wirtschaftliche Aspekte der Reise in den Vordergrund stellte, war die politische Dimension unübersehbar Medwedjew spielte die politische Karte, als er auf das sowjetische Erbe in den Beziehungen zu Staaten wie Angola und Namibia zurückgriff und den Afrikanern politische Unterstützung auf internationaler Ebene zusagte. Angesichts der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise wird auch in Afrika mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass dort dem Westen neben China ein neuer Konkurrent erwachsen ist - wie eine namibische Tageszeitung kommentierte: Jetzt ist Russland zurück in Afrika.