Kuba / Afrika


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Schleicher, Dr. Hans-Georg:

"Kuba pflegt alte Freundschaften"

Raúl Castro besuchte Namibia und Angola

Quelle: Autor, zuerst veröffentlicht in: "Neues Deutschland" vom 23.07.2009

Auf dem Rückweg vom Kairo-Gipfel der Blockfreien besuchte Raul Castro Namibia und Angola. Es war bereits seine zweite Reise nach Luanda innerhalb von sechs Monaten. Angola war im Februar das erste afrikanische Land, das er als Präsident Kubas besuchte und damit die besonderen Beziehungen beider Staaten unterstrich.

Staatsbesuche in Afrika sind oft farbenprächtig und stimmungsvoll. Die Atmosphäre war diesmal - weit über das übliche Protokoll hinaus - besonders herzlich. Es bedurfte dazu keiner ausdrücklichen Aufforderung an die tanzenden und jubelnden Menschen. Für viele unter ihnen verbinden sich mit Kuba Erinnerungen an die 70er und 80er Jahre, als kubanische und angolanische Soldaten gemeinsam mit Kämpfern der Befreiungsbewegung SWAPO gegen Südafrikas Truppen kämpften und im Verständnis vieler Namibier so die Voraussetzungen für die Unabhängigkeit schufen.

Castro traf mit Namibias Präsident Hifikepunye Pohamba und Angolas Staatschef Eduardo dos Santos alte Kampfgefährten, dazu kam in Windhoek Ex-Präsident Sam Nujoma. Erneut wurde, wie beim Besuch des russischen Präsidenten Dmitri Medwedjew in diesen Ländern vor drei Wochen, historische Solidarität beschworen. Raul Castro sprach auch als damaliger Chef der kubanischen Streitkräfte, wenn er sagte: »Wir werden die stolzen Jahre in den angolanischen Schützengräben ebenso wenig vergessen wie die Opfer, die Namibier, Kubaner und Angolaner für die Befreiung des südlichen Afrika von der Apartheid-Herrschaft brachten.«

Die besonders engen Beziehungen Namibias und Angolas zu Kuba basieren jedoch nicht nur auf historischen Geschehnissen. Zehntausende kubanischer Mediziner, Lehrer und Techniker sind vor allem in Angola, aber auch in Namibia an sozialen Brennpunkten tätig. Im dicht besiedelten Norden Namibias gewährleisten kubanische Ärzte die medizinische Versorgung, im ganzen Lande arbeiten über 140 medizinische Fachkräfte aus Kuba. Umgekehrt studieren derzeit 130 Namibier in Kuba. Es ging bei Castros Besuchen in Windhoek und Luanda vor allem um den Ausbau dieser bilateralen Beziehungen.

In Namibia sollen neben der Kooperation in Bildung, Gesundheitswesen, Landwirtschaft und Fischerei verstärkt auch Infrastruktur, Handel und kommerzielle Zusammenarbeit entwickelt werden. Eine bilaterale Kommission zur wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit hat im Juni in Havanna dazu Festlegungen getroffen.

Bei Castros Besuch im Februar in Angola wurden bereits vier Abkommen abgeschlossen, über die bilaterale Zusammenarbeit insgesamt sowie Vereinbarungen in den Bereichen Geologie, Bergbau, Industrie und Bildung. Das rohstoffreiche Angola ist auch für Kuba ein ökonomisch attraktiver Partner. Im Mittelpunkt eines Abkommens über Telekommunikation und Informationstechnologie steht ein Ausbildungsprogramm für Angolaner. Seit 1976 hat Kuba dem westafrikanischen Land bereits über 20 000 Studienplätze bereitgestellt. In dieser Zeit waren in Angola über 10 000 Ärzte, Krankenschwestern und Medizintechniker tätig, im Bildungswesen 16 500 Lehrer. Kuba hat nun die Entsendung von weiteren 239 Ärzten nach Angola beschlossen.

Raul Castro konnte die auf dem Kairo-Gipfel so nachdrücklich bekräftigte Solidarität bei seinen Besuchen in Namibia und Angola konkret manifestieren. Ein Erfolg in schwierigen Zeiten.