"Unprotokolliertes aus der DDR-Diplomatie"


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Heft 25 der "Blauen Reihe" (November 2009), Schriften zur Internationalen Politik,
herausgegeben vom Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e. V. Berlin
(die Verantwortung für den Inhalt der Beiträge liegt bei den Autoren)
 

"Unprotokolliertes aus der DDR-Diplomatie"

Zeitzeugen erinnern sich

Zusammengestellt und aufbereitet von Hannelore Bock und Arne C. Seifert  

Inhalt 

Vorwort                                                                                                    
 
Wolfgang Bator
Hubschrauberabsturz in der libyschen Wüste                                     
In Erinnerung an Paul Markowski
Eleonora Schmid
Miriam Makéba                                                                               
Kalter Krieg von Paris bis Dakar                                                        
Wolfgang Bruckner
Kein Kolonialist!                                                                              
Arne C. Seifert
„Wende“ auf Tadschikisch                                                                
Heiner Schmid
Aggression gegen die Republik Guinea – 22. November 1970           
Helmut Plettner
Im Tschad in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre                           
Akkreditierung in Burkina Faso                                               
Der Staatsstreich in Guinea – April 1984                                           
Wolfgang Bator
Begegnungen mit Arafat                                                                   
Willi Paubel
Beziehungen DDR – USA                                                                
Post- und Fernmeldeverkehr DDR – BRD                                        
Ein prominenter Chauffeur                                                                 
Horst Wagner
Peinlich, aber wahr!                                                                           
Wolfgang Bruckner
Auch die besten Kontakte können keine Wunder vollbringen!            
Das Trojanische Pferd beißt                                                             
Die Erinnerung ist noch da                                                               
Edgar Röder
Die Zeit nach 1990 – Rückblicke und Erkenntnisse                           
Otto Pfeiffer
Feindbilder – Ein Nachspiel                                                             
Walter Löffler
Wie spricht man einen Lord an?                                                       
Wolfgang Zielke
Eine Hauptstadt sieht rot                                                                  
Ein schwarzer Fleck auf der Straße                                                   
Diplomatengespräch im Straßengraben                                             
Eine nicht alltägliche Dankesgeste                                                     
Deutsch bleibt Deutsch!                                                                   
Persona non grata                                                                            
Franz Köhler
Ein Amerikaner in Stralsund                                                             
Der deutsche Geschäftsträger                                                          
Ausreise mit Hindernissen                                                                
Mit einer Kanone im Trabbi nach Moskau                                        
Der verdächtige Briefkasten                                                             
„Deutsche in einen Sack!“                                                               
Wie ich Mitglied des ZK der KPD wurde                                          
Ein Schwarzbrot für Igor Borissowitsch                                             
Werner Heiden
Fragen eines Genossen                                                                    
 
Der Putsch in Chile
Peter Wolf
Die Geiselnahme                                                                                
Horst Richel
Der erste Offiziersputsch gegen die Unidad Popular                          
Isolation während des toque de queda                                                       
Arnold Voigt
Ein Mauerdurchbruch mit Folgen                                                       
Rudi Herz
Ein Souvenir aus Chile                                                                     
Horst Richel
Blinder Alarm                                                                                  
Die „Zweitfrau“                                                                               
Peter Wolf
Der fehlende salvoconducto. Die Ausschleusung von Carlos Altamirano
Das verlorene Dokument                                                                  
Die „Vernichtung aller Unterlagen“                                                   

Vorwort von Dr. Arne C. Seifert

Mit dem Untergang der DDR endete zugleich ihr außenpolitisches Wirken. Doch beides ist aus der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts nicht wegzudenken. In diesem Zeitraum hat die DDR mit ihrer Außenpolitik deutsche Geschichte und auch das internationale Geschehen mitgestaltet.

Wer waren diese Mitgestalter an der internationalen Politik der DDR? Was haben sie erlebt, was geleistet –jene Diplomaten der DDR?

Ja, von leisten kann zu Recht gesprochen werden. Sie waren es, die in den ersten Jahren nach einem von deutschem Boden ausgegangenen mörderischen Zweiten Weltkrieg das zerstörte Verhältnis zur Sowjetunion und den östlichen deutschen Nachbarn, zu Polen und der Tschechoslowakei, aus seinen Trümmern hoben und in Freundschaft verwandelten. In Asien, Afrika, Lateinamerika, in der UNO und in anderen internationalen Organisationen hatten sie einen guten Namen. Insbesondere den Entwicklungsländern und nationalen Befreiungsbewegungen brachten sie ein Verhalten entgegen, das durch Verständnis und Solidarität gekennzeichnet war. Ein demokratisches Verhalten, das diese Länder nicht als „Peripherie des Westens“ abtat. Solches Verhalten vermissen diese heute.

„Unprotokolliertes aus der DDR-Diplomatie“ lässt jene Mitgestalter, unsere Kollegen und Freunde, sich erinnern. Sie sind diejenigen, welche die „Mühlräder“ der Diplomatie drehten. Die vom Putsch gegen Allende in Chile berichten können, von PLO-Chef Arafat, vom Schweiß in tropischer Hitze, von mühevollen Wirtschaftsbeziehungen, auch vom Mut ihrer „mitreisenden Ehefrauen.“ Auch reichen ihre Erinnerungen zurück zur Wende und ans Meistern einer schwierigen Zeit danach. Zu begrüßen ist, dass sich auch wieder Kollegen aus anderen Bereichen der Außentätigkeit daran beteiligen, „Unprotokolliertes“ aus ihrer Arbeit festzuhalten.

Mit „Unprotokolliertes aus der DDR-Diplomatie“ wollen wir ein Medium zur Verfügung stellen, welches Wirken und Erleben in der Diplomatie der DDR festhält, reflektiert, weiterleben lässt. Es geht um Erleben, das jedem Einzelnen wichtig und teuer war und ist, er der Nachwelt und Nachkommen mitteilen und erhalten möchte. Es geht um Erinnern an jene deutsche Diplomatie, die sich erstmals in der deutschen Geschichte dem Frieden und der Völkerfreundschaft verpflichtete.

Berlin, November 2009


Rezensionen:

In der Zeitung "Neues Deutschland" schreibt Franz-Karl Hitze zu Heft 25 der "Blauen Reihe" am  10.12.2009:

"Pata Pata mit Miriam Makéba - DDR-Diplomaten geben Unprotokolliertes zu Protokoll"

Quelle: "Neues Deutschland" vom 10.12.2009

Auf diplomatischem Parkett werden Erfahrungen gesammelt, die nicht immer in Protokollen festgehalten sind. Und eben solche von DDR-Diplomaten offeriert die neue Publikation des Verbandes für Internationale Politik und Völkerrecht.

Wolfgang Bator berichtet über den tragischen wie mysteriösen Hubschrauberabsturz in libyscher Wüste, bei dem DDR-Hoffnungsträger Werner Lamberz sowie Paul Markowski, Armin Ernst und Hans-Joachim Spremberg starben. Ferner erzählt er von seiner persönlichen Bekanntschaft mit dem einstigen PLO-Chef Yasser Arafat. Über den ersten regulären Krieg zwischen zwei afrikanischen Staaten (Uganda und Tansania) im Frühjahr 1979 informiert Wolfgang Zielke; auch hier ist über zu Tode gekommene DDR-Diplomaten zu berichten. Ins Schussfeld geraten waren der Botschafter Gottfried Lessing und sein Mitarbeiter Lothar Hentschel sowie deren Ehefrauen. 1986 musste Zielke in einem Straßengraben in Ghana Verhandlungen führen. Es ging um die Schaffung eines Basislagers mit Wohnbungalows und Materiallager sowie die Lieferung von SKET-Baumaschinen aus Magdeburg.

Eleonora Schmid erinnert sich an eine Begegnung mit Miriam Makéba, der weltberühmten südafrikanischen Sängerin und Bürgerrechtlerin. Als Botschafterin der DDR in der Republik Guinea hatte sie den Auftrag, »Mama Afrika« ein Diplom als Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Künste der DDR zu überreichen. Sie lud die damals im Exil in Guinea lebende Sängerin zur Übergabe der Ehrung in ihre Residenz ein. Obwohl Miriam Makéba nur einige Songs angekündigt hatte, sang sie schließlich doch einen Hit nach dem andere, darunter ihr berühmtes »Pata Pata«. Der Abend, so die Botschafterin a. D., endete erst weit nach Mitternacht.

Wolfgang Bruckner, ehemals Handelsrat, informiert über seine Tätigkeit in Indien und in afrikanischen Ländern. Er berichtet u. a. über den Bau einer Zellulosefabrik in Zusammenarbeit mit österreichischen Firmen in Kamerun. Interessant sind seine Erinnerungen an seine Jahre in Japan; in diese Zeit fiel der Besuch des letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière im »Land der aufgehenden Sonne«.

Einigen wenigen ehemaligen DDR-Diplomaten gelang es nach 1990, nach der Anwicklung ihres Ministeriums, eine Anstellung in westdeutschen oder ausländischen Wirtschaftsunternehmen zu erhalten. Botschafter a.D. Edgar Röder fand eine Beschäftigung bei einem Tochterunternehmen des Olivetti Konzerns in Düsseldorf; später wechselte er zum englischen Reiseunternehmen »Thomas Cook«. Nach dessen Verkauf an den US-Weltkonzern American Express wurde ihm die Leitung des Integrationsprozesses in Berlin und Ostdeutschland übertragen. Dieser Fall ist indes eine der wenigen Ausnahmen.


 

In der Zeitung "junge Welt" schreibt Franz-Karl Hitze zu Heft 25 der "Blauen Reihe" am  07.12.2009:

"Unprotokolliertes - Historische Ereignisse in den Erinnerungen von DDR-Diplomaten"

In der Schriftenreihe des »Verbandes für Internationale Politik und Völkerrecht e. V (VIP) gaben Hannelore Bock und Arne Seifert jetzt ein Heft unter dem Titel »Unprotokolliertes aus der DDR-Diplomatie – Zeitzeugen erinnern sich« heraus. Es enthält Erlebnisse, die z. T. wichtige historische Ereignisse illustrieren. Das gilt z.B. für Wolfgang Bator, der über den Hubschrauberabsturz in der libyschen Wüste, dem am 6. März 1978 SED-Politbüromitglied Werner Lamberz und drei weitere DDR-Bürger zum Opfer fielen, schreibt. Oder für Wolfgang Zielke, der den Krieg zwischen Uganda und Tansania 1978/79 beleuchtet, in dessen Verlauf auch DDR-Botschafter Gottfried Lessing, ein Mitarbeiter und ihre Ehefrauen in Ugandas Hauptstadt Kampala getötet wurden. Fünf Autoren geben ihre Eindrücke aus der Zeit des Pinochet-Putsches in Chile 1973 wieder, schildern z.B. die Ausschleusung von Carlos Altamirano, dem Generalsekretär der Sozialistischen Partei Chiles, oder die Geiselnahme von DDR-Spezialisten.

Andere Autorinnen und Autoren tragen persönliche Details zur Zeitgeschichte bei: Eine Begegnung mit Miriam Makeba, die im Exil in Guinea Korrespondierendes Mitglied der DDR-Akademie der Künste wurde, die Begleitung eines US-Journalisten 1959 durch die DDR oder die Ausnahmekarriere eines DDR-Diplomaten, die in die höheren Ränge von American Express führte.