Außenpolitik der DDR - Geschichte


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Hundt, Prof. Dr. Walter:

"An der Schwelle zur Abwicklung – und danach"

Quelle: Autor, zuerst veröffentlicht in: Erhard Crome (Hrsg.): "Die Babelsberger Diplomatenschule. Das Institut für Internationale Beziehungen der DDR" , Potsdamer Textbücher, Band 12, WeltTrends, Potsdam 2009) 

Die personell erneuerte und erstmalig von den Mitarbeitern gewählte Leitung des IIB unter Doz. Dr. habil. Raimund Kramer hatte bereits im Frühjahr 1990 die interne Ausschreibung neuer Lehrstuhle unter Einbeziehung Westberliner Kollegen beschlossen. Als Beispiel der komplizierten Entwicklung und ihrer Probleme sei der Werdegang des Bereichs Asien-Afrika-Lateinamerika dargestellt. Im Ergebnis der Ausschreibung wurde Prof. Dr. Walter Hundt im Mai 1990 die Leitung des neu konzipierten Lehrstuhls „Politische Strukturen in Entwicklungsländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas“ übertragen.

Ein solcher Lehrstuhl warf unter Westberliner Kollegen sofort die Frage auf, ob denn eine derartige Komplexität, die sich auf alle drei Kontinente erstreckte, wissenschaftlich überhaupt zu meistern sei. Als ausgebildeter Historiker antwortete ich mit dem Leitspruch Francois de La Rochefoucaulds aus dem Jahre 1665: „Wir haben mehr Kraft als Willensstarke; und nur um uns vor uns selbst zu entschuldigen, halten wir oft Dinge für unerreichbar.“

I.

Mut war das, was in einer solchen Situation am allerwenigsten fehlen durfte. Hier kam mir meine wissenschaftliche „Vergangenheit“ zugute (1965-70 stellvertretender Leiter eines Afrika-Lehrstuhls, 1971-74 Leiter eines Lateinamerika-Lehrstuhls und dann bis 1989 Leiter eines Lehrstuhls Asiatische und pazifische Entwicklungsländer). Neue Studenten

strömten ans Institut, und auf uns kam ein gewaltiges Pensum an Lehrverpflichtungen unter völlig neuen Bedingungen zu, obwohl die Zahl der Mitarbeiter bereits stark „gestrafft“, sprich reduziert wurde. Ungeachtet dessen stand fest, dass man das neue politische Umfeld für die Tätigkeit eines solchen Lehrstuhls schnellstens sondieren musste. Deshalb bemühte ich mich relativ schnell, mit zwei Ministern in spe, mit Dr. Herbert Knoblich, damals verantwortlich für den Schul- und Hochschulbereich der Bezirksverwaltungsbehörde, und mit Albrecht Braehmer, verantwortlich für Wirtschaft, ins Gespräch zu kommen. So wurde der Weg zu verantwortlichen Mitarbeitern der Bereiche der neu entstehenden Verwaltung geöffnet.

Der Prozess der persönlichen Bestandsaufnahme und des kritischen Durchleuchtens unserer politisch-wissenschaftlichen Tätigkeit hatte schon lange vor dem Ende des Instituts begonnen. In Bezug auf unsere damals noch nicht so bezeichnete Entwicklungspolitik war vielen Kollegen langst klar, dass wir in der DDR Illusionen genährt und in den Entwicklungsländern unerfüllbare Erwartungen in unsere Möglichkeiten der Unterstutzung und Kooperation geweckt hatten. Die (zum Teil weitgehende) Konzeptlosigkeit „an der Spitze“ in entwicklungspolitischen Fragen war uns natürlich nicht verborgen geblieben. Als Insider kannte jeder von uns die Leiden des „Mittagismus“ der allgewaltigen Entwicklungsländer-Kommission, die über Jahre Entwicklungspolitik zum Gegenstand willkürlicher, öffentlich oft nicht nachvollziehbarer Entscheidungen machte. Nicht selten wurden einsame Entschlusse „großer Männer“ zum Leitfaden für unsere Arbeit, z.B. bei der Festlegung von Prestigeprojekten und bei der Fixierung von „Schwerpunktländern“ entsprechend dem Reiseplan Erich Honeckers.

Die Vermischung von staatlicher Außenpolitik und Solidaritätsbewegung konnte auf Dauer nicht aufgehen. Das alte DDR-Prinzip „Nur ja keinem in der Dritten Welt wehtun“ mit Konsequenzen für die praktische Außenpolitik und die außenpolitisch-entwicklungspolitische Wissenschaft hatte zum Teil unerträgliche Folgen. Jeder, der in dieser Zeit publizieren wollte und publizieren musste, hatte da massenhaft eigene Erfahrungen! Einer gewollten Enge auf entwicklungspolitischem Gebiet standen dennoch auch ungezählte Menschen in unserem Lande, darunter zahlreiche Mitarbeiter des IIB, mit großem persönlichen Engagement gegenüber, die sich auch durch von Subjektivismus geprägte Prioritäten und Fehlprognosen nicht abschrecken ließen. Usus geworden war eine Klientelpolitik gegenüber Entwicklungsländern mit hohen Kosten und hohem politischen Gefährlichkeitsgrad. Antiamerikanische Losungen genügten oft für die Einstufung als unterstützungswürdiges Land unter völliger Außerachtlassung innenpolitischer Realitäten.

Dabei war nur ein schlechter Trost, dass offenbar die westlichen Staaten den gleichen Fehler begingen. Mit Enge, Gängelei und Dirigismus besonders in wissenschaftlicher Hinsicht sollte nach Auffassung vieler von uns Schluss sein.

Auf der anderen Seite waren viele Positiva, die ungeachtet der kritischen Bilanz der DDR-Entwicklungspolitik nicht vom Tisch zu wischen waren. Man denke an die Aufgeschlossenheit und ein breites Interesse an der Dritten Welt, die ein von echter Solidarität geprägtes Verhalten bei Menschen in der DDR erzeugten. Unsinn war die spätere „Nachwende“- These, das sei alles befohlen und kommandiert worden.

Hervorragende Politiker aus Entwicklungsländern wie Mandela oder Nyerere haben eine sehr klare Wertschatzung dieser Seite der Erziehung in der DDR vorgenommen. Das traf auch auf die Arbeit mit unseren Studenten am IIB zu. Andererseits war festzustellen, dass ein positives Verhalten zur Dritten Welt natürlich nicht „Herzenssache des ganzen Volkes“ war, wie das in den Parteidokumenten oft formuliert wurde. Entwicklungspolitische Bildungsarbeit war in der DDR im wesentlichen Bildungsarbeit über die Dritte Welt, ein Mangel, den wir im Übrigen auch später in der Bundesrepublik nicht loswerden sollten. Eine ausgewogene Bilanz durfte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Entwicklungszusammenarbeit der DDR durchaus „vorzeigewürdige Leistungen“ hervorgebracht hatte, wie dies wenig später der erste Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit der demokratisch gewählten letzten DDR-Regierung würdigte.

Sichtbar wurde schnell, dass eine Vielzahl neu heranreifender Fragen auftauchte. Teilprobleme waren allerdings in der Vergangenheit an verschiedenen Lehrstühlen und Wissenschaftsbereichen ausgesprochen intensiv und mit zum Teil international beachteten und anerkannten Resultaten bearbeitet worden. Dabei hatte es auch auf diesem Gebiet sowohl ideologiebedingte Verzeichnungen und Fehlleistungen gegeben, als auch realistisch-kritische, von der damaligen „Obrigkeit“ scharf gerügte Arbeitsergebnisse. Und dann gab es auch im entwicklungspolitischen Bereich des IIB den Versuch eines kritisch-selbstkritischen inhaltlich-konzeptionellen, strukturellen und personellen Neuansatzes – von westdeutschen Kollegen, z.B. vom Otto-Suhr-Institut der Freien Universität in Westberlin, ausgesprochen positiv bewertet, der allerdings bereits im folgenden Jahr in den Abwicklungswirren offenbar völlig unbesehen unterging. Daran änderte auch die Wertschätzung nichts, die ein führender Politiker aus dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik nur ein Jahr später in einem Gespräch mit mir äußerte: „Ein solches Institut, wie Sie es hatten – mit fünf Jahren speziellem Studium und mit dem Erlernen mehrerer Sprachen, musste man haben.“

Immerhin zeigte eine ganze Reihe von Mitarbeitern des Entwicklungsländer-Bereichs des IIB nach der erfolgten Abwicklung am Jahresende 1990, dass sie mit den am Institut erworbenen Kenntnissen, Fahrigkeiten und Fertigkeiten sowie vielen breit gefächerten Erfahrungen einerseits und neuen Erkenntnissen, die die Zeit mit sich brachte, in neuen, zumeist selbst geschaffenen Tätigkeitsbereichen auf entwicklungspolitischem Gebiet ihren Mann zu stehen wussten. Dazu gehörte im Juli 1991 die Bildung der Arbeitsgruppe „Brandenburg in der Dritten Welt“ an der Universität Potsdam, aus der später das Brandenburgische Entwicklungspolitische Institut (BEPI) und die Zeitschrift „Brandenburgische Entwicklungspolitische Hefte“ (BEH) unter meiner Leitung hervorgingen.

II.

Von Anfang an stand für mich fest, dass nichts so weitergehen konnte wie vorher. Eine Neuorientierung war unumgänglich, bei der aber eine Bestandsaufnahme der Vergangenheit ausgesprochen nützlich sein konnte. Zu diesem Zeitpunkt lagen weit über dreißig Jahre der

Beschäftigung mit der Dritten Welt hinter mir, anfangs im Bildungswesen, später professionell an entwicklungspolitischen Hochschuleinrichtungen. Ich wusste also politisch-inhaltlich, wovon ich sprach, aber das politische (und wissenschaftliche) in der Bundesrepublik gewachsene Umfeld erahnte ich nur. Lange Zeit war mein Leben geprägt von echtem Glauben an eine sozialistische Gesellschaft mit sozialer Gerechtigkeit, die entwicklungspolitische Überlegungen umfassend einschloss. Daraus hatten Engagement und Einsatzbereitschaft resultiert. So bedeutete also die Abwicklung auch keinen grundsätzlichen Bruch mit den entwicklungspolitischen Grundüberzeugungen. Wichtig war der Entschluss, bewahrtes „Altes“ nicht zu verleugnen und sich dem positiven Teil des „Neuen“ nicht zu verweigern, beides konstruktiv zu verwerten und gegebenenfalls zu verbinden. Immer stand im Mittelpunkt meiner Überlegungen in jener Zeit die Frage: Lohnt es sich noch einmal?

Ein Vorsatz, der leider heute noch immer bei einigen unserer brandenburgischen Politiker nicht realisiert ist, stand für uns damals fest: Wir müssen weg von so genannter Entwicklungshilfe, hin zu echter gemeinsamer Entwicklungszusammenarbeit. Wir hatten die Hoffnung, dass der Dialog mit westdeutschen Freunden helfend beitragen könne. Diese unsere Auffassung und die nahezu absolute Unkenntnis beim staatlichen Partner (Bundesinstanzen) über die Situation in Ostdeutschland, auch auf entwicklungspolitischem Gebiet, führte übrigens bei meinem ersten westdeutschen Auftritt in Bonn (eine Veranstaltung des Gustav-Stresemann-Instituts, zu der ich als einer der ostdeutschen Vertreter eingeladen worden war) zu einem heftigen, langandauernden und lautstarken Zusammenstoss zwischen dem BMZ-Staatssekretär Repnik und mir. Eine andere „Früherkenntnis“ meinerseits in Brandenburg bestand darin, dass Einsicht unbedingt die evidente Notwendigkeit und den nachhaltigen Druck als Bundesgenossen braucht.

Worauf konnten wir in Brandenburg auf dem Gebiet der Entwicklungspolitik/Entwicklungszusammenarbeit aufbauen?

Da war das erwähnte entwicklungspolitische Potential an Menschen aus Produktion und Wissenschaft mit Wissen und Können sowie Projekterfahrung; die ehrliche Bereitschaft zur Mitarbeit, zum Teil auch unter Zugrundelegung negativer Erfahrungen; viel guter Wille und Engagementbereitschaft, Sachkenntnis und Kompetenz; viele international anerkannte Forschungsresultate und zum Teil auch gerügte Arbeitsergebnisse neben Darstellungen mit wissenschaftlicher Verzeichnung und Ideologiebedingtheit; nutzbare vorhandene bewustseinsmäßige Elemente, die lediglich „positiv freigeschaufelt“ werden mussten. Für jeden von uns waren Erfolgsbilanz und Desillusionierung zusammengewachsen, und die entwicklungspolitischen Anstrengungen waren eingebettet in den „Aufschwung Ost“, der, ehe er so richtig begonnen hatte, bereits wieder zu Ende zu gehen drohte oder an vielen Stellen sogar ausgeblieben war. Die wirtschaftlich-sozialen Sorgen der Menschen schienen sich auch auf unserem Gebiet zum Haupthemmnis für ein Aktivwerden zu entwickeln.

Die Tätigkeit des Entwicklungspolitischen Runden Tisches war bei der Neuorientierung eine wertvolle Hilfe, jener Versuch gutgewillter „Ossis“, in den zunehmend auch westdeutsche Freunde einbezogen wurden, mit einer eindeutigen Zielstellung: Eine kritische Bilanz der DDR-Zeit auf entwicklungspolitischem Gebiet vorzunehmen, neue unumgängliche Erfordernisse durchzusetzen, bestimmte Bastionen der Vergangenheit und die damit verbundenen Monopole zu brechen und die Formulierung eines neuen Ansatzes auf diesem Politikfeld zu versuchen. Das traf auch auf die „Leitsatze des Runden Tisches für Entwicklungspolitik“ zu, die leider in keiner Hinsicht in den Folgejahren eine Verwirklichung erfuhren.

Meine persönliche Bestandsaufnahme und Neuorientierung zu unterstutzen entschloss ich mich, so schnell und soviel wie möglich in den alten Bundesländern an Veranstaltungen teilzunehmen und dort mit Diskussionsbeitragen oder Vortragen aufzutreten. Nach einer Veranstaltung in der Berliner Stadtbibliothek Anfang 1990 in Anwesenheit zahlreicher DDR-Bürgerrechtler und westdeutscher sowie Westberliner Vertreter, wo ich zum Thema „DDR und ‚Dritte Welt’ heute“ sprach und eine interessante Diskussion auslosen konnte, war dies in erster Linie ein mehrstündiger Vortrag auf Einladung von Cultur Cooperation e.V. und Kulturbüro Dritte Welt in Hamburg zum Thema „Zu einigen Aspekten der entwicklungspolitischen Arbeit und der Solidaritätsarbeit in der ehemaligen DDR – Gedanken zu gestern, heute und morgen“. Teilnehmer waren Politiker und Entwicklungspolitiker sowie vor allem Vertreter der entwicklungspolitischen Basis. Schnell konnte ich feststellen, dass unser relativ hohes Fachwissen nicht darüber hinwegtauschen durfte, dass ich ein erhebliches Defizit an entwicklungspolitischem Wissen angesichts der neuen Erfordernisse hatte. Die Aufnahme war differenziert: Wertschätzung und kritische solidarische Sympathie einerseits, wenige Verächtlichmacher mit Delegitimierungsversuchen nach der Kinkel-Weisung andererseits; daneben große und weniger große Wissenslücken über die DDR.

In dieser Situation gründete ich die Arbeitsgruppe „Brandenburg in der Dritten Welt“ an der Universität Potsdam. Sie entstand faktisch auf der Deponie der wissenschaftlichen Entsorgung der Entwicklungsländer-Tätigkeit in Ostdeutschland und war so ein echtes „Wendeprodukt“, übrigens das einzige seiner Art in den neuen Bundesländern. An der neu gegründeten Universität Potsdam wurden wir von vielen als „Wildwuchs“ betrachtet, aus dem wir „Normalwuchs“ zu machen gedachten, auch wenn der Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses des Landtags unseren Gegenstand als „brotlose Kunst“ und als „ausgesprochen Bonner (also nicht Brandenburger) Sache“ bezeichnete.

Die Startbedingungen in den neuen Bundesländern waren außerordentlich schwierig. Wir in Brandenburg entwickelten ab 1991 unser Konzept des „Brandenburgischen entwicklungspolitischen Experiments“.

Aus der Arbeitsgruppe „Brandenburg in der Dritten Welt“ an der Universität Potsdam wurde über Zwischenstufen das erwähnte unabhängige BEPI mit e. V. -Status und NRO-Charakter. Faktisch waren wir bereits ab 1991 das erste funktionierende entwicklungspolitische Landesnetzwerk in den neuen Bundesländern, das tatsachlich auf einer Vielzahl von Gebieten gesamtbrandenburgisch wirkte, in der Landeshauptstadt mit Erfolg für die Nord-Sud-Szene politische Lobbyarbeit und Interessenvertretung praktizierte, ein breites Beratungssystem entwickelte und als einzige entwicklungspolitische Institution regelmassig in elf regionalen Treffpunkten mit allen Gruppen und Initiativen zusammentraf.

III.

Als ein Kardinalproblem stand von der ersten Minute an die Frage des Zusammenfindens oder Nicht-Zusammenfindens zwischen „Ossis“ und „Wessis“. Das vollzog sich in der NRO-Szene nahezu ohne Schwierigkeiten. Das Haupthindernis lag in den neuen Bundesländern, ihren Landesregierungen und deren Apparaten in den Beziehungen zu denen, die „gerufen“ wurden oder auch ungerufen kamen. Wir Älteren hatten noch die Erfahrungen aus dem (sowjetischen) Beratersystem in den Anfangsjahren der DDR (Schulwesen, Lehrerbildung, bewaffnete Kräfte). Damals kamen Fremde, ehemalige Feinde, und aus ihnen wurden „die Freunde“, vielfach nicht ohne Komplikationen, in der Regel aber mit einem nicht unwesentlichen Nutzeffekt, oft auf beiden Seiten. Jetzt kamen wieder Fremde (wenn auch mit etwa der gleichen Sprache), nach der Theorie des Klassenkampfes ebenfalls ehemalige Gegner. Die Frage lautete: Was kommt da auf uns zu? In den meisten Fallen wurde uns erst einmal massiv beigebracht, „was Sache ist“. Wie es in der DDR war, wie wir gelebt haben, Stasi und Bautzen, der Unrechtsstaat und die unerträgliche Unterdrückung... Ernest Hemingway fallt mir dazu ein: „Es war, als lese man die Schilderung einer Schlacht, die man geschlagen hatte, beschrieben von Leuten, die nicht nur nicht dabei gewesen, sondern in manchen Fallen noch nicht einmal geboren waren, als die Schlacht stattfand. All diese Leute, die über mein Inneres und Äußeres schrieben, taten das mit einem unerschütterlichen Selbstbewusstsein, das ich selbst so nie besessen habe.“ Aber die Meisterung der vielen neuen Probleme und Schwierigkeiten stellt bereits ein anderes Kapitel brandenburgischer Wissenschaftspolitik dar, über das an anderer Stelle zu schreiben wäre.