Dr. Hans-Georg Schleicher: "Zeitenwende am Sambesi - Als Diplomat, Historiker und Zeitzeuge im südlichen Afrika"


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Informationen zu weiteren Heften der "Blauen Reihe"


 
Hefte 26 und 27 der "Blauen Reihe" (Mai 2010), Schriften zur Internationalen Politik,
herausgegeben vom Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e. V. Berlin
(die Verantwortung für den Inhalt der Beiträge liegt bei den Autoren)
 
Hefte 26 und 27 sind leider vergriffen und können nicht mehr bestellt werden
 

 

Schleicher, Dr. Hans-Georg

 

"Zeitenwende am Sambesi"

Als Diplomat, Historiker und Zeitzeuge im südlichen Afrika

 

Inhalt von Heft 26 (Teil I)

  

An Stelle eines Vorworts                                                                            

 

Der Sambesi                                                                                             

 

1.                 Sambia - an der Grenze zum „weißen Block“

Zwischen Kupfergürtel und Sambesi                                                
Kuomboka im Barotseland                                                              
One Zambia - one Nation, one Nation - one Leader: Kaunda            

 

2.                 Angola - Ringen um die Macht
Agostinho Neto                                                                               
Fähnchen auf der Angola-Karte                                                       
DDR - Angola                                                                                

 

3.                 Simbabwe - den Finger am Puls des Befreiungskampfes
Wind of change                                                                              
Das ZAPU-ZANU-Dilemma                                                          
Eine tödliche Briefbombe                                                                

 

4.                 Afrikas Süden aus der Distanz - Beobachtungen an Spree

und East River

Und wieder Simbabwe                                                                   

Bei der UNO in New York                                                            
Erlebnis Amerika                                                                            
Afrikapolitik                                                                                   

 

Biografische Daten des Autors                                                                  

 

An Stelle eines Vorworts

 

Die Dekolonisierung, eine herausragende Emanzipationsbewegung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, fand auf dem afrikanischen Kontinent einen Höhe­punkt und erfolgreichen Abschluss. Die nationale Befreiungsbewegung profi­lierte sich als eigenständige politische Kraft in den internationalen Beziehungen. Sie erhielt zunehmend internationale Unterstützung und Solidarität. Der Zerfall des portugiesischen Kolonialreiches und die Unabhängigkeit Angolas und Mosambiks führten hier zu einer Veränderung des Kräfteverhältnisses, wodurch der Süden Afrikas aber auch verstärkt zum Schauplatz des Ost-West-Konfliktes wurde. In der Region zeigte sich erst 1989/90 bei der Verwirklichung des UN-Unabhängigkeitsplans für Namibia ein Abklingen dieses Konfliktes. Die Unab­hängigkeit Angolas und Mosambiks 1975, Simbabwes 1980, Namibias 1990 und der Beginn der Demokratisierung Südafrikas 1994 markierten das Ende des Kolonialismus und damit eine Zeitenwende. Diese Entwicklungen waren eng mit meiner beruflichen Biografie verbunden. Seit 1960, dem „Jahr Afrikas“, faszinierte mich der „schwarze Kontinent“. Im Studium spezialisierte ich mich auf neueste afrikanische Geschichte. Während eines Praktikums im Außenministerium (MfAA) bewegten mich 1966 der Sturz Kwame Nkrumahs und der Abbruch der Beziehungen Ghanas zur DDR.

Als ich nach der Promotion 1969 meine Tätigkeit im MfAA begann, wurde das Ende der Hallstein-Doktrin mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen der DDR zu einem halben Dutzend asiatischer und afrikanischer Staaten eingeläutet. Der Schwerpunkt des Befreiungskampfes verlagerte sich in den Süden Afrikas. 1973 wurde diese Region mein Arbeitsgebiet. Das Ende des portugiesischen Kolonialismus 1974 erlebte ich bereits in Sambia, von wo aus mehrere Befreiungsorganisationen operierten. Als ich 1977 im MfAA die Leitung des Sektors Südliches Afrika übernahm, hatte sich die Region verändert. „Sozialistisch orientierte“ Entwicklungen in Angola und Mosambik und der Aufschwung des Befreiungskampfes in Simbabwe, Namibia und Südafrika weckten Hoffnungen. Die Afrikapolitik der DDR erreichte ihren Höhepunkt.

Ab Ende 1979 arbeitete ich während der zweijährigen Mitgliedschaft der DDR im UN-Sicherheitsrat, wo Afrika ein regionaler Schwerpunkt war. Ich erlebte dort die Aufnahme Simbabwes in die UNO, aber auch den Beginn der Reagan-Administration, deren Unterstützung für Südafrika den Kampf gegen die Apartheid erschwerte, Konflikte verschärfte und Namibias Unabhängigkeit verzögerte. Wieder in Berlin, wurde ich im Afrikabereich des MfAA mit Auswirkungen dieser Politik konfrontiert; dazu gehörte die Eskalation der Politik Südafrikas von Terror und Destabilisierung in der Region. Seit 1983 verfolgte ich diese Entwicklungen aus nächster Nähe als Botschafter in Simbabwe - einem Land mit einer  komplizierten  postkolonialen  Entwicklung, hoffnungsvollen Ansätzen einer Aussöhnungspolitik, aber auch mit gravierenden innenpolitischen und sozioökonomischen Versäumnissen.

1988/89 wirkte ich mit an einer konzeptionellen Studie zur Bedeutung Afrikas am Ende des 20. Jahrhunderts, die Ansätze neuen Denkens enthielt. Beim Unabhängigkeitsprozess Namibias fanden sich Ansätze davon in der praktischen Politik. Dort leitete ich die DDR-Beobachtermission und erlebte 1989/90 in Windhoek den Abschluss der Dekolonisierung Afrikas. Zeitgleich wurde die Zeitenwende in Südafrika eingeleitet, die 1994 zum Ende der Apartheid führte. Ich begann 1966 im MfAA mit einer Simbabwe-Analyse und beendete meine Tätigkeit dort 1990 mit der Archivierung von Unterlagen des Afrikabereiches. Ich verfolgte die Entwicklung im Süden Afrikas auch danach als Wissenschaftler und Konsultant, u.a. bei Feldforschungen in Südafrika und Namibia sowie Reisen in einem halben Dutzend weiterer Länder der Region. 1994 erlebte ich die Geburt des neuen Südafrika als UN-Wahlbeobachter, fünf Jahre später war ich dort Berater der Wahlkommission. In Namibia wirkte ich am Aufbau eines Archivprojektes mit. Ein Schwerpunkt meiner wissenschaftlichen Arbeit war die kritische Analyse der Afrika-Politik der DDR. Solidarität mit dem nationalen Befreiungskampf war eine der historischen Leistungen der DDR, die vor der Geschichte Bestand haben. Mit dieser Solidarität hat sich die DDR im Süden Afrikas einen Namen gemacht. Ergebnisse meiner Analysen und Forschungen habe ich in mehreren Büchern, zahlreichen anderen Publikationen und in Vorträgen vorgestellt. Ich hatte die Gelegenheit, mit internationalen Autorenteams an größeren Geschichtsdarstellungen Südafrikas und der Region zu arbeiten.

Nachstehende Aufzeichnungen enthalten Eindrücke aus mehreren Jahrzehnten, in denen ich als DDR-Diplomat, als Historiker und Zeitzeuge Dekolonisierung, Befreiungskampf und postkoloniale Entwicklungen verfolgte, historische Prozesse einer Zeitenwende im südlichen Afrika. Historiker und Zeitzeugen geraten auch schon mal in Konflikt. Wo mir das passiert, versuche ich mich auf persönliche Erfahrungen zu stützen, ohne dabei den historischen Hintergrund aus dem Auge zu verlieren. Ich erlebte in einem überschaubaren Zeitraum im südlichen Afrika politische und gesellschaftliche Veränderungen, die sich in anderen Teilen der Welt in Jahrhunderten vollzogen. Partner und Freunde, die dort tatsächlich noch in Grashütten aufgewachsen sind, steuern oder beeinflussen heute in Regierungsgebäuden oder Wolkenkratzern politische oder wirtschaftliche Prozesse mit modernster Kommunikation. Wo es einst um die Beseitigung von Kolonialismus und Rassismus ging, stehen heute nicht minder kom-plizierte Herausforderungen einer globalisierten Welt auf der Tagesordnung. Auch dabei ist es wichtig und sinnvoll, sich der eigenen Wurzeln bewusst zu sein und sich seiner Erfahrungen zu vergewissern.

Hans-Georg Schleicher

 

 

Inhalt von Heft 27 (Teil II)

 

Einführung                                                                                                     

1.         Simbabwe - eine Befreiungsbewegung an der Macht

Botschafter im jüngsten Staat Afrikas                                                      

Frontstaat Simbabwe                                                                        

Ambivalente bilaterale Beziehungen                                                   
Das Land zwischen Sambesi und Limpopo und seine Menschen        

Quo vadis Simbabwe?                                                                     

 

2.         Namibia - Afrikas letzte Kolonie
Windhoek 1989                                                                              
Voraussetzungen für freie und faire Wahlen                                      
Wahlen und Unabhängigkeit                                                            
Namibia - ein vertrautes Land                                                          

 

3.         Südafrika - der lange Weg zur Freiheit
Freiheit noch zu Lebzeiten                                                               
Wahlen für ein neues Südafrika                                                      
Wandel am Kap - die Mühen der Ebenen                                       
 

Epilog                                                                                                   

Biografische Daten des Autors:                                                                

 

Einführung

 

In den 1970er und Anfang der 1980er Jahre hatten sich im südlichen Afrika entscheidende Veränderungen vollzogen, die ich als Diplomat der DDR in Auslandsvertretungen und im MfAA verfolgen, teilweise auch begleiten konnte, wie in Teil I dieser Aufzeichnungen in Heft 26 dargestellt. Teil II meiner Beobachtungen konzentriert sich auf Simbabwe, Namibia und Südafrika.

1983 ging ich als Botschafter nach Simbabwe, wo nach langem Kampf eine Befreiungsbewegung in einem verhandelten Kompromiss die Macht übernommen hatte. Simbabwes postkoloniale Entwicklung wurde damals mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, vor allem wegen hoffnungsvoller Ansätze bei der Aussöhnung von Schwarz und Weiß. Die Gestaltung der bilateralen Beziehungen stellte angesichts der Haltung der DDR zu beiden konkurrierenden simbabwischen Befreiungsbewegungen eine besondere Herausforderung dar.

Sowohl in Simbabwe, als auch während meines folgenden Einsatzes in Namibia beeinflussten der Befreiungskampf in Südafrika und internationale Bemühungen zur Beseitigung der Apartheid meine Arbeit und mein persönliches Engagement in der Region. Das galt auch für meine Tätigkeit als Leiter der Diplomatischen Beobachtermission der DDR in Namibia 1989/90. Die Verantwortung der Vereinten Nationen und internationale Solidarität waren neben dem Befreiungskampf der SWAPO wesentliche Faktoren bei der Regelung der Namibia-Frage. Im November 1989 wurden in Namibia mit allgemeinen und freien Wahlen die Voraussetzungen für die Unabhängigkeit des Landes im März 1990 geschaffen.

Über Jahre hatte das rassistische Regime in Südafrika gegen den Widerstand der schwarzen Bevölkerungsmehrheit und internationalen Druck seine Politik der Repression nach innen und der Destabilisierung nach außen verfolgt. 1990 war mit der Legalisierung der Anti-Apartheid-Kräfte in Südafrika und der Freilassung Nelson Mandelas das Ende der Apartheid absehbar. In Namibia und Südafrika erreichte der antikoloniale Befreiungskampf, der von der DDR unterstützt worden war und für mich persönlich eine wichtige Konstante meiner diplomatischen Arbeit über viele Jahre darstellte, seinen Höhepunkt. Entscheidende Phasen dieses finalen Stadiums der Dekolonisierung Afrikas konnte ich vor Ort beobachten. Ich verfolgte die Entwicklung in der Region auch nach dem Ende meiner diplomatischen Tätigkeit aktiv, begleitete und kommentierte sie wissenschaftlich und publizistisch. In den beiden Heften dieser Reihe lege ich als Historiker und Zeitzeuge Eindrücke dieser Zeitenwende im südlichen Afrika vor.

Hans Georg Schleicher

Die Zeitung "junge Welt" schreibt am 12.07.2010 zu "Zeitenwende am Sambesi"

"Dekolonisierung"

Unter dem Titel »Zeitenwende am Sambesi« veröffentlicht Hans-Georg Schleicher in zwei Teilen seine Analyse der Dekolonisierung als einer »herausragenden Emanzipationsbewegung« auf dem afrikanischen Kontinent. Er beschreibt zunächst die einstige Lage Sambias an der Grenze zum »weißen Block«, das Ringen um die Macht in Angola sowie Simbabwes Befreiungskampf. Im zweiten Heft behandelt er den Unabhängigkeitskampf in Namibia, der letzten Kolonie Afrikas, und den langen Weg Südafrikas zur Freiheit. Schleicher war in den 1970er und 1980er Jahren als Diplomat in Auslandsvertretungen der DDR und im Außenministerium tätig und berichtet über die Entwicklung in Afrika als Zeitzeuge.

Franz-Karl Hitze

Hans-Georg Schleicher: Zeitenwende am Sambesi. Als Diplomat, Historiker und Zeitzeuge im südlichen Afrika. Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e. V., (ViP) Berlin 2010, Teil I (112 Seiten) und Teil II (120 Seiten), Schutzgebühr jeweils 5 Euro, Bezug: , E-Mail:  VorstandVIP@aol.com