Geschichte der Außenpolitik der DDR


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Siegfried Bock, Ingrid Muth, Hermann Schwiesau (Hg.):

"DDR-Außenpolitik - Ein Überblick"

Daten, Fakten, Personen (III)

erschienen im LIT VERLAG Dr. W. Hopf Berlin 2010, ISBN 978-3-643-10559-2, 386 S., 24,90 €

Zu beziehen über den Buchhandel oder den Lit-Verlag: E-Mail: vertrieb@lit-verlag.de  Homepage: www.lit-verlag.de

 

Inhalt

Vorbemerkungen

Mit diesem Buch legen die Herausgeber einen dritten Sammelband zur Außenpolitik der DDR vor. Während der erste Band vorrangig die Herausbildung der inhaltlichen Grundfragen der internationalen Beziehungen der DDR nach deren Gründung im Jahre 1949 und ihren langen Weg bis zur weltweiten Anerkennung und der Mitarbeit in den internationalen Gremien in den siebziger Jahren untersuchte, beschäftigte sich der zweite Band insbesondere mit den Beziehungen zu den Ländern in Ost- und Südosteuropa, zu einigen afrikanischen Staaten und nationalen Befreiungsbewegungen auf diesem Kontinent, mit der Mitarbeit der DDR in der UNO und deren Sonderorganisationen sowie den Verhandlungsgremien zur europäischen Sicherheit, für Rüstungsbegrenzung und Abrüstung.

Nunmehr haben die Herausgeber und Autoren, Diplomaten und Politikwissenschaftler der DDR, die seit den neunziger Jahren in der Arbeitsgruppe Geschichte der Außenpolitik der DDR unter dem Dach des Verbandes für Internationale Politik und Völkerrecht e.V. zusammenarbeiten, den Versuch unternommen, eine Bilanz ziehen. Es versteht sich dabei von selbst, dass der letzte Abschnitt der Existenz der DDR, der auch für die Autoren mit tiefgehenden persönlichen Veränderungen und neuen Erkenntnissen verbunden war, nicht außer Betracht bleiben konnte. Der „Außenpolitik zwischen Aufbruch und Umbruch“ zwischen dem Herbst 1989 und dem Herbst 1990 ist deshalb ein besonderes Kapitel gewidmet.

Neben den Zeitzeugenberichten zur Wendezeit richtet dieser dritte Band zur DDR-Außenpolitik sein Hauptaugenmerk auf das Sammeln von Daten, Zahlen und Fakten, die es interessierten Zeitgenossen wie auch späteren Nutzern erleichtern sollen, eine sachliche Bewertung dieser Politik vorzunehmen und den Platz der DDR in der europäischen Nachkriegsordnung, ihren Anteil am „Kalten Krieg“ ebenso wie ihren Beitrag zur Entspannung und Friedenssicherung zu bestimmen. Zugleich sollte ein Blick auf die Akteure dieser Politik im diplomatischen Dienst der DDR die bislang vorliegenden Veröffentlichungen ergänzen und präzisieren.

So entstanden neben der umfangreichen Zeittafel zur Außenpolitik der DDR eine tabellarische Übersicht über die Auslandsvertretungen der DDR von den frühen fünfziger Jahren bis 1990 und deren Leiter sowie eine Sammlung von Kurzbiographien der Minister, Staatssekretäre und Botschafter des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten, an denen zahlreiche ehemalige Kollegen mitgearbeitet haben. Nur dank ihrer Hilfe war es möglich, jene Lücken weitgehend zu schließen, die sich auf Grund der komplizierten Aktenlage und der Sperrfrist für Personalakten des Außenministeriums im Archiv des Auswärtigen Amtes für die Forschung ergeben. Geringfügige weiße Flecken in einigen Biographien beziehungsweise Differenzen in den Jahresangaben zu bereits vorliegenden Veröffentlichungen, die sich bei dieser Methode des rückblickenden Erfassens nicht immer vermeiden ließen, wurden im Interesse eines möglichst vollständigen Überblicks in Kauf genommen.

Mit dem Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik endet das außenpolitische Wirken der DDR. Ob und inwieweit sie ihrer Verantwortung in einer historischen Epoche im Nachkriegseuropa gerecht wurde, wird Gegenstand der nationalen und internationalen Diskussion bleiben. Wenn die in diesem Band zusammengetragenen Daten, Fakten, Biographien und Memoiren zur Versachlichung der Diskussion beitragen können, hat sich die Mühe gelohnt. 

Die Herausgeber danken allen Beteiligten für die Bereitschaft, ihre Beiträge und Kurzbiographien für die Veröffentlichung zur Verfügung zu stellen. Sie danken ebenso dem Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e. V., der die Arbeitsgruppe Geschichte der Außenpolitik der DDR und die Herausgabe auch dieses Bandes zur Außenpolitik tatkräftig unterstützte.  

Berlin, im Januar 2010

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Ausführungen des Mitherausgebers Prof. Dr. Siegfried Bock bei der Vorstellung des Buches: Siegfried Bock, Ingrid Muth, Hermann Schwiesau (Hg): "DDR-Außenpolitik - Ein Überblick. Daten, Fakten, Personen" (III) auf einer Veranstaltung des Verbandes für Internationale Politik und Völkerrecht e. V. am 18.05.2010 in Berlin

 Der 3. Band des Rückblicks auf die DDR-Außenpolitik ist das Ergebnis mehrjähriger Debatten sowohl in der Arbeitsgruppe „Geschichte der Außenpolitik der DDR“ als auch in anderen Gremien des Verbandes für Internationale Politik und Völkerrecht. Die einzelnen Beiträge des Buches geben die persönliche Sicht der Autoren vorrangig auf das letzte Jahr der DDR aus unterschiedlichen Ebenen und Perspektiven wieder – aus der Tätigkeit in der Zentrale einerseits und in den Auslandsvertretungen und auf internationalen Konferenzen andererseits.

 Bekanntlich befasste sich der 2004 erschienene 1. Band dieser Reihe mit Grundproblemen der Außenpolitik dieses Staates und dem Weg bis zur weltweiten Anerkennung Anfang der 70er Jahre. Der 2. Band erschien 2006, enthielt – darauf beruhend – eine Wertung der Beziehungen zu einzelnen Staaten und den wichtigsten internationalen Institutionen und Organisationen. Offen geblieben war die Behandlung des letzten Jahres der Existenz der DDR und der Versuch einer Bilanz der über vier Jahrzehnte praktizierten Außenpolitik. Der jetzt vorgelegte 3. Band soll diese Lücke schließen. Er enthält außerdem eine Zeittafel der außenpolitischen Aktivitäten der DDR, einen Überblick über alle Auslandsvertretungen der DDR und deren Leiter sowie biografische Angaben der Minister, Staatssekretäre und Botschafter. Dass zwischen dem Erscheinen des 2. und des 3. Bandes vier Jahre vergingen. macht deutlich, wie kompliziert die Bewertung dieses Abschnittes – des Untergangs der DDR – war.

 Bei der Erarbeitung des vorliegenden Buches haben sich die Herausgeber und die Autoren von der Erkenntnis leiten lassen, dass die Darstellung und Bewertung der Geschichte der deutschen Zweistaatlichkeit nicht allein deren Gegnern überlassen und die DDR nicht auf Grenzregime und Staatssicherheit reduziert werden darf. Zu der Geschichte der DDR gehört auch ihre Außenpolitik, die man nicht selten bestrebt ist, aus der Betrachtung auszuklammern. Die Begehung des 20. Jahrestages des Anschlusses der DDR an die BRD hat deutlich gemacht, dass die Auseinandersetzung über die Periode der deutschen Zweistaatlichkeit und die historische Rolle der DDR an Intensität und Schärfe zunimmt. Schließlich rücken auch angesichts der Probleme, mit denen sich heute die Gesellschaft des vereinigten Deutschland konfrontiert sieht, Vergleiche mit der Vergangenheit wieder stärker in den Vordergrund. Bemerkenswert ist auch, dass junge deutsche und ausländische Wissenschaftler wachsendes Interesse an der Politik der DDR, an ihrem Aufstieg und den Gründen ihres Unterganges zeigen und dazu nicht nur Archive, sondern auch Äußerungen von Zeitzeugen als Quelle ihrer Bewertung heranziehen.

 Wir, die Herausgeber und Autoren dieses Bandes, haben uns die Bewertung der verschiedenen Felder der Außenpolitik der DDR nicht leicht gemacht. Ausarbeitungen aus DDR-Zeiten waren, insbesondere wegen ihrer oft unkritischen Herangehensweise und einseitigen Darstellung, als Grundlage für eine objektive Betrachtung wenig geeignet. Erschwerend wirkte sich auch die für staatliche Archive geltende Sperrfrist von 30 und teilweise sogar von 60 Jahren aus. Der Vorteil für die Autoren bestand darin, dass sie aus ihrem unmittelbaren Erleben schöpfen konnten und nicht selten über aussagekräftige Privatarchive verfügen. Ich habe mich immer gewundert, wie sie diese angesichts der damals geltenden Geheimhaltungsregeln anlegen konnten.

 Wir haben in der Arbeitsgruppe in vielen Diskussionsrunden um die Bewertung der verschiedenen Phasen und Bereiche der Außenpolitik ernsthaft gerungen. Ich möchte einige Probleme nennen, die uns besonders beschäftigt haben. Dazu gehören u. a. folgende Fragen

-         Welche Rolle hat die Außenpolitik in den einzelnen Phasen der DDR-Entwicklung gespielt?

-         Welchen Beitrag hat die Außenpolitik geleistet, um das deutsche Volk nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in die internationale Gemeinschaft zurückzuführen?

-         Wie hat die Außenpolitik zur weltweiten Anerkennung der DDR beigetragen?

-         Welche Grenzen waren ihr aus der Einbindung der DDR in die Systemauseinandersetzung und in Bündnisverpflichtungen gezogen?

-         Wie weit reichte die Selbständigkeit und Souveränität der DDR?

-         Wie beeinflusste die Außenpolitik das Zusammenwirken im Bündnissystem?

-         War die Fixierung der Außenpolitik einerseits auf die UdSSR und andererseits auf die BRD unvermeidlich?

-         Wie entwickelte sich die Position der DDR zur so genannten deutschen Frage?

-         Welch positiven und negativen Einfluss hatten der Grundlagenvertrag und die KSZE-Schlussakte auf die DDR und ihre Politik?

-         Welchen Einfluss hatte die permanente Konfliktsituation zwischen den außenpolitischen Herausforderungen und der Innenpolitik auf das internationale Ansehender DDR?

-         Welche Aktionsmöglichkeiten blieben der Modrow-Regierung in der Außenpolitik? Welche Wirkung hatte der Vorschlag „Deutschland, einig Vaterland“?

-         Worin bestand die Rolle der Außenpolitik unter der Regierung de Maizière?

 Bei der Bewertung der Außenpolitik im letzten Jahr der DDR kamen wir zu der Einschätzung, dass alle Bemühungen unter der Modrow-Regierung, die positiven Aspekte der Vorgängerregierung fortzuführen, früheres Fehlverhalten zu korrigieren und in der Deutschlandpolitik neue Wege mit dem Ziel der Herbeiführung der Einheit Deutschlands auf gleichberechtigter und vernünftiger Basis herbeizuführen, zu spät kamen. Unter der Regierung de Maizière ging es auch in der Außenpolitik nur noch um Abwicklung. Von einer Außenpolitik im eigentlichen Sinne konnte nicht mehr die Rede sein.

 Die Autoren haben sich auch die Frage nach der Verantwortung an der sich in so mancher Hinsicht unbefriedigenden Entwicklung des Staates DDR gestellt. Wollte man der DDR und ihren Diplomaten etwas anlasten, dann ist es nicht ihr Eintreten für einen zweiten deutschen Staat, dessen Entstehen eine Folge der damaligen internationalen Verhältnisse war und der einen legitimen Versuch darstellte, Schlussfolgerungen aus der Vergangenheit zu ziehen und eine alternative Außenpolitik zu entwickeln, um diesem Staat Zugang zur internationalen Gemeinschaft zu verschaffen. Anlasten könnte man ihnen höchstens, nicht genügend darauf gedrängt zu haben, dem Realitätsverlust der Führung zu begegnen und die sich aus der internationalen Entwicklung abzeichnenden Trends und den eingegangenen internationalen Verpflichtungen ergebenden Konsequenzen in der Innenpolitik umzusetzen. Dass dies unter den damaligen Bedingungen für den außenpolitischen Apparat allerdings schwierig war, bedarf keines Beweises.

 Die Herausgeber sind überzeugt, im vorliegenden Buch die positiven Aspekte der Außenpolitik der DDR dargelegt zu haben, ohne kritikwürdige Aspekte auszulassen. Sie beanspruchen mit dem Buch nicht die alleinige Deutungshoheit über die Geschichte der Außenpolitik der DDR, sehen darin vielmehr einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte. Möge das Buch dem Leser Anregung sein, eigene Überlegungen in die Diskussion einzubringen, sich zu den getroffenen Aussagen eine Meinung, die durchaus kritisch sein kann, zu bilden. Das würde dazu betragen, noch stärker Einfluss auf die allgemeine Debatte zu nehmen und könnte Anstoß sein zu einem eventuellen 4. Band über die Geschichte der Außenpolitik der DDR.

 

Die Zeitung "Neues Deutschland" schreibt am 29.07.2010 zum Buch:

"Sehnsucht nach Frieden - Handbuch der DDR-Außenpolitik"

Den drei Herausgebern sei gedankt. Es ist ihnen ein großer Wurf gelungen. Mit dem nunmehr vorliegenden dritten Band zur Außenpolitik der DDR ist eine einmalige Dokumentation auf dem Buchmarkt, die international keine vergleichbare Publikation kennt. 18 Akteure aus dem diplomatischen Dienst des ostdeutschen Staates wagten einen Rückblick auf die Außenpolitik der DDR von Anbeginn bis zu deren Ende.

Hatte sich der erste Band (2004) vorrangig mit Grundfragen auswärtiger Politik befasst, so konzentrierte sich der zweite Band (2006) auf die Beziehungen der DDR zu den Ländern Ost- und Südosteuropas, zu afrikanischen Staaten und nationalen Befreiungsbewegungen sowie auf die Mitarbeit in der UNO. Das Hauptaugenmerk des dritten Bandes gilt nun dem letzten Jahr der DDR. Dementsprechend unternimmt Siegfried Bock eingangs den Versuch einer Bilanz, »wie die DDR ihrem Gründungsanspruch, ein würdiges und nützliches Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft zu sein, gerecht wurde«.

DDR-Außenpolitik 1989/90 beschreibt Ingrid Muth. Hermann Schwiesau untersucht die Haltung der sozialistischen Nachbarn zur DDR in der Wendezeit. Hans Voß rekonstruiert die Zwei-plus-Vier-Gespräche, Werner Fleck weiß um Sorgen im Westen um die Sicherheit in Europa angesichts eines vereinten, größeren Deutschlands, Karl Seidel rekonstruiert die damaligen Beziehungen zwischen der DDR und der BRD und Ernst Krabatsch befasst sich mit der »Achillesferse Nationale Frage«.

Zum Band gehört eine umfangreiche Zeittafel staatlicher Aktivitäten der DDR im Ausland, auch auf dem Gebiet der Außenwirtschaft, der Kultur und Wissenschaft sowie des Sports. Eine tabellarische Übersicht über die Auslandsvertretungen der DDR sowie 338 Kurzbiografien von Ministern, Staatssekretären und Botschaftern komplettieren den Band. Die biografischen Skizzen verdeutlichen, dass sich viele DDR-Diplomaten der ersten Stunde aus dem antifaschistischen Widerstand 1933 bis 1945 rekrutierten, KZ oder Exil hinter sich hatten - ganz im Gegensatz zu ihren Kollegen im Bonner Auswärtigen Amt (AA).

Es ist nicht nur den Herausgebern hoch anzurechnen, dass eine solch akribische und solide Arbeit vorliegt, trotz der Sperrfrist für Personalakten im AA. Ohne die Mithilfe zahlreicher ehemaliger Kolleginnen und Kollegen aus dem MfAA und dem Verband für Internationale Politik und Völkerrecht wäre diese Zusammenstellung wohl kaum möglich gewesen. Erwähnt sei hier noch das den Buchtitel schmückende Gemälde von Bert Heller (1912-1970). Inspiriert von den Zeilen der DDR-Nationalhymne »Alle Welt sehnt sich nach Frieden, reicht den Völkern Eure Hand« hatte er ein Wandbild für den Weißen Salon, den Empfangsraum in der Ministeretage des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR (MfAA), geschaffen. 1995 hatten es die neuen Machthaber in Berlin mit dem Abriss des Gebäudes an exklusivem Ort Unter den Linden rücksichtslos zerstören lassen.

Franz-Karl Hitze