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Schleicher, Ilona:

"Armut überwinden - SODI hilft Kriegsfolgen in Vietnam beseitigen"

Quelle: Autorin, zuerst veröffentlicht in: "Neues Deutschland" vom 22.10.2010 (Beilage)

Mit Liedern und Tänzen feierten Kinder kürzlich in der Gemeinde Hai Lam, Vietnam, die Eröffnung eines Kindergartens. Er war mit Hilfe des Solidaritätsdienstes-international e.V. (SODI) entstanden. Zuvor hatte ein SODI-Räumteam Gemeindeland von explosiven Hinterlassenschaften des Krieges befreit. Hier siedelten sich 180 Familien an.

Vor zwölf Jahren starteten SODI und seine Partner in der Provinz QuangTri ein »Integriertes Programm«. Mit diesem Programm setzten sie auch international Maßstäbe, denn es verbindet die Beseitigung von Minen und nicht explodierten Kampfmitteln mit Selbsthilfeprojekten des Wiederaufbaus und der Entwicklung. In Quang Tri - hier verlief die ehemalige Trennlinie zwischen Nord- und Südvietnam - hatte der Krieg besonders erbittert getobt. Die Menschen leiden bis heute unter dessen Folgen. Zehntausende Hektar dringend benötigten Landes sind mit Minen, Bomben und Granaten verseucht. Etwa 6800 Menschen erlitten seit Kriegsende 1975 bei Feldarbeiten oder beim Sammeln von Kriegsschrott Unfälle. Die Armut trieb sie, sich über die im Boden lauernden Gefahren hinwegzusetzen. Viele bezahlten dies mit ihrem Leben. Ähnlich ist die Situation in der südlichen Nachbarprovinz Thua Fhien Hue, wo SODI seit 2006 ebenfalls mit einem »Integrierten Programm« aktiv ist.

In beiden Provinzen sind je ein SODI-Team zur Beräumung größerer Flächen, die der Bevölkerung anschließend zur Besiedlung und landwirtschaftlichen Nutzung übergeben werden, sowie mobile Teams im Einsatz. Letztere beseitigen Fundmunition, die von der Bevölkerung gemeldet wurde und beräumen Kleinflächen. Sie klären insbesondere Schulkinder darüber auf, wie Unfälle mit den gefährlichen Hinterlassenschaften des Krieges zu vermeiden sind. Die Qualifizierung vietnamesischen Räumpersonals durch deutsche Räumspezialisten war von Anfang an wichtiger Bestandteil der Arbeit. Deshalb konnten 2006 vietnamesische Fachkräfte die Verantwortung für die technische Durchführung der Räumarbeiten übernehmen - dies bei Einhaltung der hohen internationalen Standards für humanitäre Kampfmittelräumung und wachsender Räumeffizienz. Unter Anleitung eines von SODI entsandten Programm-Managers machen sie sich nun fit für das Management. Das Auswärtige Amt stellte bis Ende 2009 für die Räumaktivitäten 6,5 Millionen Euro zur Verfügung.

»Diese Mittel wurden gut genutzt«, resümiert Programm-Manager Rickard Hartmann. »Unsere Teams in Quang Tri und Thua Thien Hue beräumten bis 2009 Flächen von insgesamt 1301 Hektar. 112 803 Minen und Blindgänger wurden unschädlich gemacht. Die zeitnahe Nutzung der beräumten Flächen durch arme Familien motiviert uns außerordentlich. Häufig handelt es sich dabei um Menschen, die bisher in küstennahen Überschwemmungsgebieten lebten. Und Vietnam gehört zu den Ländern, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Auch das treibt uns an.« Etwa 25 Prozent der Blindgänger sind Streumunition - ein Grund mehr für SODI, sich auch weiterhin in der internationalen Kampagne gegen Landminen und Streumunition sowie für die Hilfe für Opfer dieser schrecklichen Waffen zu engagieren. »Wir werden auch in der Bevölkerungsaufklärung, mit der wir bisher 150900 Menschen erreichten, nicht nachlassen«, so Hartmann.

Auch die Erbauer des Dorfes Lim in der Provinz Thua Thien Hue kennen die Folgen von Unwetterkatastrophen aus eigenem Erleben. SODI und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützen ihre Anstrengungen, sich auf einer höher gelegenen Ansiedlungsfläche, die zuvor beräumt wurde, eine sichere Lebensgrundlage zu schaffen. Für dieses und andere Entwicklungsprojekte der »Integrierten Programme« setzte SODI bisher rund eine halbe Million Euro an Spenden ein, die durch öffentliche Fördermittel vervielfacht wurden. Allein das BMZ steuerte für die Vorhaben, darunter für den Aufbau von drei Dörfern in Quang Tri und die Hilfe für 332 Familien mit Opfern von Blindgängerunfällen und des Entlaubungsgiftes Agent Orange, insgesamt mehr als 1,1 Millionen Euro bei.

Das Siedlungsprojekt in Lim umfasst die Wasser- und Stromversorgung, den Bau von Straßen, Kindergarten, Grundschule und Gemeindehaus, Baukostenzuschüsse für die Wohnhäuser. Ein Kleinkreditprogramm für Rinder­und Schweinehaltung sowie eine Anschubfinanzierung für Gemüse- und Obstanbau sind eine nachhaltige Starthilfe für die 60 beteiligten Familien. »2011 wird unser Dorf fertig sein«, meint Bauer Sam optimistisch. Er gehörte zu den ersten Siedlern in Lim. Inzwischen ist er Bürgermeister des entstehenden Dorfes.