Solidaritätsbewegung / Kambodscha


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Schleicher, Ilona:

"Sauberes Wasser ist Mangelware"

SODI und sein lokaler Partner arbeiten in Kambodscha an einer besseren Versorgung mit Brunnen

Quelle: Autor, zuerst veröffentlicht in: "Neues Deutschland" vom 22.03.2011

Im Juli 2010 wurde das Recht auf sauberes Wasser und sanitäre Versorgung in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen. Für den Solidaritätsdienst-international (SODI) und seine Partnerorganisation »Kambodschanische Frauen für Frieden und Entwicklung« (CWPD) ist dieser große Fortschritt jedoch noch lange kein Grund zur Zufriedenheit.

Der Weltwassertag am 22. März ruft es jedes Jahr wieder ins Gedächtnis: Weltweit haben Millionen Menschen unzureichenden Zugang zu sauberem Wasser - derzeit sind es 884 Millionen. Mehr als 2,6 Milliarden verfügen nicht einmal über einfachste sanitäre Anlagen. Jedes Jahr sterben etwa zwei Millionen Menschen durch den Konsum unsauberen Wassers, die meisten von ihnen sind Kinder.

Kambodscha gehört zu den ärmsten Ländern, die davon am meisten betroffen sind. Infektionskrankheiten, vor allem Durchfall, gehören auch hier zu den Hauptursachen für die hohe Kindersterblichkeit. Das Land hat in Südostasien die höchste Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren. Dabei wäre es nach Angaben der WHO möglich, die häufig tödlich verlaufenden Durchfallerkrankungen durch die Verfügbarkeit sauberen Wassers um 25 Prozent zu senken. Eine sanitäre Grundversorgung verbunden mit Aufklärung über Hygiene könnte diese Erkrankungen um .75 Prozent reduzieren.

Das entspricht auch Erfahrungen von SODI und CWPD. Deshalb kombinieren sie in ländlichen Entwicklungsprojekten seit Langem die Errichtung von Brunnenanlagen mit Hygienekursen und den Bau von Mustertoiletten, die von den Bauernfamilien einfach nachgebaut werden können. Diese Vorhaben wurden vom Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie von der Stiftung Nord-Süd-Brücken gefördert. Insgesamt entstanden bisher 659 Brunnen und 158 Mustertoiletten. Die anschauliche Aufklärung über Hygiene erfreute sich bei Tausenden Dorfbewohnern großer Beliebtheit und hat seine Wirkung nicht verfehlt. Etwa fünf Prozent der beteiligten Familien bauten innerhalb eines Jahres nach den Kursen eine Toilette aus eigener Kraft. Ein weiteres derartiges Projekt im Kreis Angkor Chey, Provinz Kampot, ist in Vorbereitung und wird demnächst beginnen. 290 neue Brunnen und 150 Mustertoiletten sollen bis Ende 2013 entstehen. 7000 Familien werden in den geplanten Hygienekursen vertreten sein, erfahrungsgemäß zumeist durch Frauen.

Für Meach Sotheary, CWPD-Projektkoordinatorin, ist die Anerkennung des Zugangs zu sauberem Wasser als Menschenrecht eine große Verpflichtung für die kambodschanische Regierung, alles für die Erfüllung ihrer anvisierten Millenniumsziele zur Halbierung der Armut bis 2015 zu tun. »Wir unterstützen die Strategie der Regierung zur Wasser- und sanitären Versorgung in den ländlichen Gebieten«, so Sotheary. Die Hälfte der Landbevölkerung soll bis 2015 Zugang zu sauberem Wasser haben, knapp zwei Drittel über einfache sanitäre Anlagen verfügen. »In den gemeinsamen Projekten mit SODI achten wir jedoch darauf, dass wir nicht nur die Erreichung des statistischen Durchschnitts von einem Brunnen für acht Familien im Kopf haben. Wir wollen gezielt solchen Menschen helfen, die es besonders schwer haben: Witwen, Alten, Menschen mit Behinderung, Minenopfern. Vor allem vor ihrer Haustür werden die neuen Brunnen entstehen. Außerdem müssen bei der Standortbestimmung der Brunnen die hydrologischen, geologischen und nicht zuletzt die Bevölkerungsdichte berücksichtigt werden.«

Sorgfältige Vorbereitung ist also notwendig, wenn solidarische Hilfe zur Selbsthilfe ihren Zweck erfüllen soll. »Das kann nur gelingen, wenn von Anfang an Gemeinderäte, Dorfvorsteher und Fachabteilungen der übergeordneten Verwaltungen mit uns an einem Strang ziehen«, so Sotheary. »Wichtig ist, dass die Bevölkerung von Anfang an gut informiert ist und motiviert wird, zum Gelingen des Projekts beizutragen.« Damit hat CWPD beste Erfahrungen gesammelt. Es bestehen gute Aussichten, dass mit Hilfe des Projekts für 50 Prozent der Bevölkerung des Kreises Angkor Chey das Menschenrecht auf sauberes Wasser verwirklicht wird.

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