Lateinamerika / Kuba


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Langer, Heinz:

"Mit Bedacht, aber ohne Pause"

Zur Entwicklung in Kuba

erschienen im Verlag Wiljo Heinen, Berlin 2011, 266 S., ISBN 978- 3- 939828-80-8

Einleitung zum Buch

Mit dem Rücktritt Fidels von seinen staatlichen Ämtern gab es in den westlichen Medien bekanntlich die verschiedensten Spekulationen, was ja zu erwarten war. Es gab eine unverhohlene Freude in diversen Kreisen der kubanischen Emigration in Miami, es gab in den USA Hoffnung auf die Erfüllung lang ersehnter Wunschträume von einem demokratischen Wandel, bekanntlich hat man dort in den offiziellen Sprachgebrauch das Wort demokratisch an die Stelle des Wortes kapitalistisch gesetzt, natürlich mit damit zusammenhängenden Spekulationen, die sogar in einigen Gesetzen und offiziellen Handlungsstrategien festgeschrieben sind. Es gab aber auch in Kreisen so genannter linker vermeintlicher Kubakenner nicht wenige Versuche, der kubanischen Führung zu empfehlen, wie sie den Wechsel in der Spitze des Staates für grundlegende Reformen nutzen sollte. Abhandlungen über mögliche Veränderungen und Vorschläge für eine, wie sie meinten, dringend notwendige Reformpolitik in Kuba, von sozialistischer Marktwirtschaft und ähnlichen Konzepten wurden von Redaktionen bürgerlicher Medien als Bestseller abgedruckt. Viele solcher Beiträge zielten entweder bewusst auf die Restaurierung kapitalistischer Verhältnisse , auch wenn einige auf den ersten Blick ziemlich hinterlistig angelegt waren, oder zeugten von Unkenntnis der kubanischen Gesellschaft oder gar oberflächlicher Naivität. Nun sollte man bei allen Spekulationen die Eigenarten der bürgerlichen Geschichtsdeutung beachten, die vorwiegend den Verlauf der Weltgeschichte an die Lebenszeit einzelner Herrscher oder anderer Persönlichkeiten festmachen. Im Sozialismus entscheidet aber die führende Kraft in der gesellschaftlichen Entwicklung, die Demokratie des Kollektives, der Partei des Volkes. Das soll aber durchaus nicht die entscheidende Rolle der Persönlichkeit, gleich gar nicht die von Fidel Castro, schmälern. Bei allen spekulativen Wünschen hat man offensichtlich überhaupt nicht beachtet, dass Fidel noch immer Erster Sekretär der Kommunistischen Partei Kubas war und Raul deren Zweiter Sekretär. Fidel gibt mit seinen Reflexionen und seinen Ratschlägen sowohl für die Führung Kubas als auch an die ausländischen Gäste, die das Privileg haben, ihn zu besuchen, noch immer die strategische Linie an. Das kann man am besten in seinen Einschätzungen seines speziellen Feindes, der US Administration, verfolgen. Gerade nach der Wahl von Barak Obama zum Präsidenten der Vereinigten Staaten keimten unter dem Eindruck der entstandenen Sympathiewelle für den freundlich lächelnden, charismatischen, redegewandten Obama verschiedene Hoffnungen auf, die jeweils in den richtigen historischen Zusammenhang gestellt werden mussten. Besonders in jenen Momenten waren die profunden, langjährigen bitteren Erkenntnisse aus der Kubapolitik der US Regierungen und die strategische Weitsicht Fidels gefragt.

 In Kuba, wo man über 50 jährige Erfahrungen sowohl mit republikanischen aber auch demokratischen US Präsidenten hat, gibt es jedoch, zumindest in Führungskreisen, klare Positionen . Fidel drückte  sie in seiner Reflexion zum 1. Mai des Jahres (2009)  kurz so aus: Das letzte Wort über die künftige Entwicklung der jetzigen US amerikanischen Regierung kann noch nicht gesprochen werden. Es gibt neue Elemente, sowohl objektiver als auch subjektiver Natur. Wir analysieren und beobachten sorgfältig jeden  Schritt. Wir sind nicht Brandstifter, wie es sich einige vorstellen, aber wir sind auch keine Dummköpfe, die sich einfach von jenen betrügen lassen, die glauben, dass das einzig Wichtige auf der Welt die Marktgesetze und das kapitalistische Produktionssystem sind. Wir alle haben die Pflicht, für den Frieden zu kämpfen; es gibt keine andere Alternative. Jedoch sollte der Gegner sich niemals die Illusion darüber machen, dass Kuba kapituliert.

In diesem Beitrag will der Autor versuchen zu schildern, wie sich die Regierung und die Kommunistische Partei Kubas unter Raul Castro den Herausforderungen der neuen Zeit stellt und er will sich bei dieser oder jener Einschätzung keinesfalls anmaßen, der kubanischen Führung, die ja an der Gestaltung der Grundlagen des Sozialismus ihres Landes unermüdlich arbeitet und mit dem Volk sowie der Entwicklung der Revolution fest verbunden ist, Empfehlungen zu geben oder gar Vorschriften zu machen, wie dies so manche intellektuellen Alleswisser auch aus vermeintlich linken Kreisen mit Wonne, aber bar jeder Kenntnis der realen Bedingungen versuchten..

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