Lebenserinnerungen


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Heft 40 (April  2012) der "Blauen Reihe -  Schriften zur internationalen Politik",
herausgegeben vom Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e. V. Berlin
(die Verantwortung für den Inhalt der Beiträge liegt bei den Autoren)

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Heinz Knobbe:

„Vom Maurer zum Botschafter. Dreißig Jahre im Dienst der

Außenpolitik der DDR“

 

Vorwort

Ein Diplomat der DDR hält Rückschau und kann seinen Leserinnen und Lesern vieles erzählen. „Erzählen“ ist hier im besten Sinne gemeint. Einzelne Erlebnisse fügen sich in historische Zusammenhänge. Die Person des Erzählers hat viele Bezugspersonen, und obwohl er über und von sich erzählt, wird ein Bild vieler Persönlichkeiten vermittelt.

Für mich und viele andere, die keine Diplomaten waren, aber, wie der Autor, in der Sowjetunion studiert hatten, in Politik und Wirtschaft der DDR tätig waren, stellen sich beim Lesen eigene Fragen und werden Erinnerungen wach. Bei mir war es nur ein Studienjahr in Moskau, und als der Maurer Knobbe sein Studium am MGIMO[1] begann, reiste unsere zweite Gruppe von der Komsomolhochschule ab. In unserer Moskauer Zeit sind wir uns nicht begegnet, aber unsere Wege haben sich häufig gekreuzt, was auch für von ihm erwähnte Personen gilt, denen wir zu ganz unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen Tätigkeiten begegnet sind. Zeitweilig waren wir Kollegen in der Volkskammer, und bevor sich Heinz Knobbe gemeinsam mit Herbert Fechner um einen Platz der souveränen DDR in der Interparlamentarischen Union (IPU) bemühte, hatte ich mit Herbert Fechner, dem Stadtrat für Kultur, Bürgermeister in Köpenick und später Oberbürgermeister in Berlin, gemeinsam manch harte Nuss zu knacken versucht.

Eine Kontaktperson des Autors war der sowjetische Diplomat Julij Kwizinskij. Der begann seine diplomatische Laufbahn in Berlin, war später Botschafter in Bonn, 1. Stellvertreter des Außenministers und genoss bis ans Ende seines Lebens hohe Achtung als 1. Stellvertreter des Vorsitzenden des Außenpolitischen Ausschusses in der russischen Duma. Auf seine im Buch erwähnten Bemühungen bei Gorbatschow und Schewardnadse, sich im Rahmen der 2-plus-4-Verhandlungen für eine Anerkennung der von DDR-Diplomaten am MGIMO erworbenen Diplome einzusetzen, sei hier besonders hingewiesen. Die Gleichgültigkeit Gorbatschows hatte Auswirkungen. Als ich das gleiche Thema im Bundestag ansprach, tönte es: die Diplomaten-Ausbildung in Moskau habe doch sowieso mit der Anwerbung für den sowjetischen Geheimdienst geendet. Hier lag Hass im Raum und über der Debatte. Da war auch im Auswärtigen Amt der BRD kein anderes Verhalten zu erwarten. Wie bekannt, lag nach der Gründung der BRD ein brauner Schleier über diesem Amt. Doch hoch qualifizierte Moskauer Absolventen und erfahrene Diplomaten der DDR wurden ausgegrenzt. Antikommunismus war Staatsräson bei Adenauer und damit Platz für Altnazis.

Die gleiche Staatsräson galt bei Kohl und Genscher. Da gab es keinen Platz für DDR-Diplomaten, schon gar nicht, wenn sie in Moskau ausgebildet worden waren. Wie das Buch zeigt, haben Diplomaten aus Ost und West ihre Kollegen aus der DDR geachtet, und manche freundschaftliche Beziehungen, bei Ausübung des Dienstes entstanden, setzen sich fort.

Inzwischen halten sich Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland zugute, vor einer „Verharmlosung“ der DDR zu warnen. Über die Ausgrenzung von Migranten darf noch gestritten werden. Die Ausgrenzung von Menschen, die, wie die DDR-Diplomaten, Verantwortung getragen haben, ist höchstes staatliches Gebot. Vielleicht gibt es noch einmal eine Studie über deutsche Diplomaten aus der DDR und der BRD.

Manche Botschafter der DDR, die unser Land in der ersten Stunde seiner Existenz vertreten haben, konnte ich kennen lernen. Hier sei nur einer genannt: Friedrich Wolf als Botschafter in Warschau. Seine Biografie war wie eine Brücke zwischen Deutschen und Polen. Als in Bonn noch von Mittel- und Ostdeutschland (in den Grenzen von 1937) die Rede war, wurde im Jahre 1950 das Abkommen über die Oder-Neiße-Grenze unterzeichnet.

Heinz Knobbe hat ein ehrliches und anregendes Buch geschrieben, das sich gut liest.

 
Hans Modrow
Ministerpräsident a. D.
Mitglied des Europaparlaments a. D.

 

[1] Moskauer Staatliches Institut für Internationale Beziehungen, jetzt im Status einer Universität, im Buch auch IMO genannt; siehe auch das von der Deutschen Assoziation der Freunde und Absolventen des IMO e. V. veröffentlichte Heft „Das IMO und seine deutschen Absolventen“, Berlin 2010.

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