Lebenserinnerungen


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Heft 43 (Februar 2013) der "Blauen Reihe -  Schriften zur internationalen Politik",
herausgegeben vom Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e. V. Berlin
(die Verantwortung für den Inhalt der Beiträge liegt bei den Autoren)

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Heinz-Dieter Winter

 

„Von Hanoi bis Damaskus

Stationen eines Diplomaten der Deutschen Demokratischen Republik"

 

    Inhalt:

    Vorwort:

Als ich vor einigen Jahren anfing niederzuschreiben, was ich auf den verschiedenen Stationen meines Diplomatenlebens erlebt und empfunden habe, dachte ich vor allem an meine Kinder und Enkel. Sie sollten erfahren, was ihre Eltern und Großeltern über ihr Leben und interessante Länder zu erzählen haben. Beim Schreiben merkte ich, dass es nicht nur Persönliches oder das historische und kulturelle Kolorit der Länder waren, wovon ich schreiben sollte.

Von 1961 bis 1981 hielt ich mich in Ländern Asiens und Afrikas auf, die für die Situation und für Ereignisse in der so genannten Dritten Welt, von der wir damals sprachen, in einiger Hinsicht typisch waren. Anfragen von Studenten, Doktoranden und Historikern bestärken mich in der Auffassung, dass meine Beobachtungen und analytischen Betrachtungen, wie auch die meiner Kollegen, die Außenpolitik für die DDR betrieben hatten, für die Geschichtsschreibung von Interesse sein könnten.

In Vietnam erlebte ich 1961 und 1962, wie die vietnamesische Nation nach dem opferreichen Befreiungskrieg gegen Frankreich ihr Land aufbaute. Mit Blick auf die Nachbarländer Kambodscha und Laos sah ich, wie der bis 1989 und 1990 andauernde Ost-West-Konflikt oder - wie man auch sagen könnte - die Blockkonfrontation der Supermächte die Situation in der Dritten Welt beeinflusste. Indochina war eine Region, die jahrzehntelang wegen dieser Konfrontation und durch das direkte militärische Eingreifen der USA nicht zur Ruhe kam. Als mich 1962 ein sowjetisches Flugzeug von Vietnam nach Laos brachte und einer amerikanischen Militärmaschine auswich, spürte ich hautnah die Brisanz des Konflikts. Eine direkte Auseinandersetzung zwischen Laos und den USA konnte damals verhindert werden. Das gelang durch die Genfer Laos-Konferenz.

Damals scheiterte ein erster Versuch der DDR, diplomatische Beziehungen mit einem nichtpaktgebundenen Land - dem Königreich Laos - herzustellen. Nach meinem Einsatz in Algerien, wo ich mich mit Problemen arabischer und afrikanischer Staaten vertraut machen konnte, kehrte ich 1968 nach Indochina als Repräsentant der DDR in das Königreich Kambodscha zurück. Wie es gelang, im Mai 1969 mit diesem Land diplomatische Beziehungen herzustellen und damit eine Anerkennungswelle durch weitere nichtpaktgebundene Staaten einzuleiten, bleibt eine spannende Geschichte, nicht nur für Historiker. Nachdem Kambodscha durch einen proamerikanischen Staatsstreich direkt in Kriegshandlungen einbezogen worden war, wurde 1973 Tunesien meine nächste Station. Während Algerien in unserer Außenpolitik damals als progressives Land   bewertet wurde, zeichnete sich das Tunesien von Präsident Bourguiba durch einen sozialreformistischen Kurs  mit engen Bindungen an den Westen aus. Dich hinsichtlich der Lage im Nahen Osten und in Afrika südlich der Sahara gab es viele Gemeinsamkeiten mit der Politik der DDR.

Als Mitglied einer Kommission der UNO-Vollversammlung zur Untersuchung von Massakern der portugiesischen Kolonialtruppen in Mosambik erlebte ich in dieser Zeit den Zusammenbruch der portugiesischen Kolonialherrschaft in Afrika nach der "Nelkenrevolution" in Portugal. Die Suche nach einem Jungen, der das Massaker von Wiriyamu überlebt hatte, ist einer der bewegendsten Episoden meiner Tätigkeit.

Von 1977 bis 1981 folgte dann mein Einsatz in Syrien. Die enorme Dichte der zwischenstaatlichen Beziehungen, besonders auf wirtschaftlichem Gebiet, und die direkte Beobachtung des bis heute andauernden Nahostkonflikts füllten meine Tätigkeit aus. Dazu kam die Verantwortung für ein großes Kollektiv von DDR-Bürgern. Schmerzlich berührt es mich, dass zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen dieses Land mit uralter Kultur und Toleranz gegenüber den zahlreichen nahöstlichen Religionsgemeinschaften in Trümmer fällt. Die Widersprüche, die dann zu den Ereignissen von 2011 und 2012 führten, konnte ich aber schon damals wahrnehmen.

Das in dieser Publikation Dargelegte beruht in erster Linie auf persönlichen Erinnerungen und Aufzeichnungen. Erinnerungen sind bei allen Bemühungen um Objektivität und Korrektheit immer subjektiv beeinflusst. Im Bundesarchiv vorhandene Akten könnten zwar diese oder jene Begebenheit ergänzen oder gar korrigieren. Sie enthalten aber auch nicht die ganze Wahrheit.

Dr. Heinz-Dieter Winter, Botschafter a. D.
Deutschboden, Januar 2013