Kasachstan


Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e. V. Berlin (VIP)

Mohrenstr. 63 ~ 10117 Berlin ~ E-Mail: VorstandVIP@aol.com - Homepage: http://www.vip-ev.de

Publikationen von Mitgliedern des VIP

                Die Verantwortung für den Inhalt der Beiträge liegt bei den Autoren, Hinweise an die Autoren bzw. Meinungsäußerungen bitte per E-Mail an: VorstandVIP@aol.com

zurück zur Startseite                                    zu weiteren Publikationen


Thielicke, Dr. Hubert:

Bajterek-Turm und Baukräne in Astana

In Astana findet 2017 die erste Weltausstellung im postsowjetischen Raum statt

Quelle: Autor, veröffentlicht in: "Neues Deutschland" vom 29.12.2014

Thema der EXPO 2017 ist "Die Zukunft der Energie". Sie soll Kasachstan einen Wachstumsschub bringen. Staatliche Programme machen das Land für ausländische Investoren interessant.

Der vom britischen Stararchitekten Norman Foster entworfene futuristische Bajterek-Turm gilt als das Wahrzeichen von Astana. Derzeit symbolisieren aber eher hoch aufragende Baukräne die neue Hauptstadt Kasachstans. Stadtteile werden förmlich aus dem Boden gestampft. Vor zwei Jahren herrschte am "Tor des Volkes", an dem vorbei der Besucher vom Flughafen aus in die Stadt gelangt, noch gähnende Leere. Jetzt wachsen hier die Wohnanlagen in die Steppe hinaus. Im Zentrum entstanden weitere kulturelle Einrichtungen. Vor einem Jahr weihte man die Präsidentenbibliothek ein, in diesem Jahr die Oper und das Nationalmuseum.

Verständlich also, dass die moderne Stadt 2012 in Paris vom Bureau International des Expositions für die Ausrichtung der Weltausstellung EXPO 2017 benannt wurde. "Natürlich sind wir stolz darauf, als erstes postsowjetisches Land eine Weltausstellung auszurichten", freut sich Assel Kozhakova, Marketingchefin des nationalen Unternehmens Astana EXPO-2017. "Dafür wurden am Stadtrand in Richtung Flughafen 173 Hektar bereitgestellt, davon 25 Hektar für den eigentlichen Ausstellungskomplex." Thema der EXPO ist "Die Energie der Zukunft: Maßnahmen für weltweite Nachhaltigkeit". Damit ordnet sich Astana in die Reihe der spezialisierten Ausstellungen der jüngsten Zeit ein. Im spanischen Saragossa ging es 2008 um Wasser und nachhaltige Entwicklung, in Yeosu (Südkorea) 2012 um den Ozean und die Küsten. Das EXPO-Konzept für Astana sieht solche Schwerpunkte vor wie Förderung erneuerbarer Energien, Energieeffizienz, Elektrifizierung des Transports, universeller Zugang zu sauberer Energie. Hinzu kommen mit der Nutzung fossiler Energien verbundene Umweltprobleme. Sehr interessiert sei man an den Erfahrungen Deutschlands bei der Nutzung erneuerbarer Energien. Dazu liefen derzeit Verhandlungen mit entsprechenden Unternehmen. 

Der große Zentralpavillon und die einzelnen Ausstellungsgebäude werden den Schwerpunktaspekten gewidmet. "Im Unterschied zu anderen Weltausstellungen wollen wir die Pavillons nach dem Ende der EXPO nicht abreißen, sondern sie weiter verwenden", so Assel Kozhakova. Einen Teil erhält die benachbarte Nasarbayev-Universität. Auch das ein Beispiel für verantwortungsvollen Umgang mit Energie.

In diesem Jahr ergingen die Einladungen an die einzelnen Ländern. Gerechnet wird mit bis zu 120 Staaten und etwa zwei bis drei Millionen Besuchern. Das Projekt nimmt einen hohen Stellenwert in den Wirtschaftsplänen Kasachstans ein. So erklärte im November Präsident Nursultan Nasarbayev in seiner Rede zum Konjunkturprogramm "Nurly Schol", dass 2015 zusätzlich zu den bereits geplanten ca. 114 Millionen Euro weitere 182 Millionen für den EXPO-Bau bereit gestellt werden. Insgesamt erwartet man davon nicht nur positive Effekte für die Entwicklung des Tourismus und den Ausbau der Infrastruktur, sondern auch für die Gewinnung von Investoren.

Investitionen ins Land zu holen, ist neben der Exportförderung eine wichtige Aufgabe der Agentur KAZNEX. "Unser bisheriges hohes Wirtschaftswachstum kommt vor allem aus dem Energiesektor durch den Export von Öl und Gas. Wir wollen aber unsere Wirtschaft stärker diversifizieren, die verarbeitende Industrie entwickeln", betont Kairat Karmanov, stellvertretender Vorsitzender des Unternehmens. Dabei geht es vor allem um die chemische Industrie, die Nahrungsmittelproduktion, den Maschinenbau, die Bauwirtschaft und die Metall verarbeitende Industrie. Ausländische Investoren will man mittels verschiedener Fördermaßnahmen anziehen.

Das Visaregime wurde für die zehn Länder gelockert, mit denen besonders enge Wirtschaftsbeziehungen bestehen; darunter Deutschland. Weitere Maßnahmen betreffen vor allem Steuererleichterungen und eine stabile Gesetzgebung.

Als durchaus problematisch für Investoren sieht Karmanov Korruption, Bürokratie und Lücken in der Infrastruktur. "Im Juni wurde die Institution eines Ombudsman geschaffen, um ausländische Investoren gegen Korruption zu unterstützen und für mehr Transparenz zu sorgen", so Kairat Karmanov. Die Bürokratie solle durch eine Verringerung von Lizenzen und stärkere Selbstregulierung abgebaut werden. Zehn ökonomische Sonderzonen sollen Investitionen begünstigen. Entsprechend den örtlichen Gegebenheiten sind sie auf einzelne Zweige spezialisiert. So konzentriert man sich in der Öl- und Gas-Region Atyrau auf die petrochemische Industrie und im Wissenschaftszentrum Almaty auf einen Park für innovative Technologien. 

(zum Seitenanfang)