Geschichte der Außenpolitik der DDR und der BRD / Südafrika


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Schleicher, Dr. Hans-Georg:

„Wie hältst Du es mit Südafrika?“

Die Gretchenfrage der Afrika-Politik beider deutscher Staaten

„Where do you stand on South Africa?” - The Litmus Test for Africa policy in East and West Germany

Quelle: Autor, zuerst veröffentlicht in: "Umstrittene Beziehungen. Protestantismus zwischen dem südlichen Afrika und Deutschland von den 1930er Jahren bis in die Apartheidzeit”, Herausgegeben von Hans Lessing, Tilman Detering, Jürgen Kampmann, Dirkie Smit, Harrassowitz Verlag Wiesbaden, 2015, S. 509-521

The political and economic interests of the two German states in Africa were largely determined by the confrontation between East and West during the Cold War. West Germany developed relations with South Africa, which was considered an anti-communist bulwark. East Germany imposed sanctions against South Africa and became an important ally of ANC and SWAPO. West Germany proclaimed a „policy of peace“ and dialogue for southern Africa, but refused to recognise the liberation movements and rejected political and economic pressure against South Africa. Later Bonn played an active role on Namibia in the Western Contact Group.

East Germany offered early and efficient support to liberation movements, focussing on training, material, social and medical assistance, propaganda and armed struggle. Despite close relations with ANC and SWAPO East Germany avoided debating the internal problems of these organisations. Organisational difficulties meant that the broad sense of solidarity among the East German population did not generate a grass-roots movement. East German support for the right of oppressed peoples to self-determination conflicted with the lack of democracy in the country itself. This made it difficult for anti-apartheid groups affiliated with the Church to act on their own principles. Nevertheless, the overall support for and involvement with the liberation struggle in southern Africa has left a legacy in the former East Germany.

Die politischen und wirtschaftlichen Interessen der BRD und DDR in Afrika waren in hohem Maße durch die Ost-West-Konfrontation des Kalten Krieges bestimmt. Die BRD etablierte früh diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zu Südafrika, das es als antikommunistisches Bollwerk ansah. Die DDR unterstützte Sanktionen gegen Südafrika und trat früh in ein enges Bündnis mit den  Widerstandsbewegungen ANC und SWAPO. Die BRD sprach von einer Politik des Friedens und Dialogs gegenüber dem südlichen Afrika und lehnte es ab, politischen oder ökonomischen Druck auf Südafrika auszuüben. Später spielte Bonn eine aktive Rolle in der westlichen Kontaktgruppe (Western Contact Group) gegenüber Namibia.

Die DDR unterstützte die Befreiungsbewegungen effektiv in Form von Geld, Ausbildung, Medizin und Waffen. Trotz ihrer engen Beziehungen zu ANC und SWAPO hat es die DDR vermieden, die internen Probleme dieser Organisationen zu diskutieren. Das weit verbreitete Solidaritätsgefühl innerhalb der Bevölkerung der DDR führte angesichts der vorhandenen organisatorischen Schwierigkeiten nicht zur Entstehung einer Grassroots-Bewegung. Die Unterstützung für die Selbstbestimmung unterdrückter Völker stand in Konflikt mit dem Mangel an Demokratie in der DDR. Für kirchliche Antiapartheid Gruppen war es deshalb schwierig, ihre Grundsätze zu vertreten. Trotz dieser Schwierigkeiten hat die Unterstützung des Befreiungskampfs im südlichen Afrika in Ostdeutschland Spuren hinterlassen.

2012 wurden Anti-Apartheid-Aktivisten aus aller Welt nach Pretoria eingeladen, darunter auch Vertreter aus dem Osten und dem Westen Deutschlands mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen.[1] Im Westen wurde in den 1970er und 1980er Jahren für Solidarität mit Südafrika und gegen die Politik der eigenen Regierung und die Kollaboration der Wirtschaft mit Südafrikas Regime gestritten. Im Osten fanden sich Aktivisten der Solidarität sehr oft in Übereinstimmung mit ihrer Regierung. Im Kalten Krieg wurde die Haltung zu Südafrika zur Gretchenfrage deutscher Afrika-Politik. 1997 gab es auf dem Evangelischen Kirchentag in Leipzig mit (ehemaligen) Akteuren beider „Deutschlands“ eine interessante und kritische Diskussion zum Erbe ihrer jeweiligen Afrika-Politik.[2] Südafrika spielte dabei eine wichtige Rolle.

Zur Interessenlage der Bundesrepublik und der DDR:

Wirtschaftsinteressen versus politisch-ideologische Determiniertheit

Bundesrepublik

Nach 1945 war Afrika für den Westen Deutschlands zunächst ein Rohstofflieferant, später auch ein Absatzmarkt für die expandierende Industrie. Südafrika als wichtigster afrikanischer Partner stand im Import an vorderer, im Export an erster Stelle und blieb trotz abnehmender Bedeutung Afrikas relevant. 25 Prozent der Direktinvestitionen in Afrika gingen dorthin.[3] Südafrikas ökonomische Bedeutung spielte in der politischen Debatte der Bundesrepublik (BRD) immer eine Rolle. Frühzeitig gab es offizielle Beziehungen. 1951 eröffnete die BRD mit dem Generalkonsulat in Pretoria ihre erste Auslandsvertretung in Afrika. Erste Wirtschaftsabkommen wurden 1950 und 1951 abgeschlossen.[4]

Für die seit 1948 in Südafrika regierenden Afrikaaner (Buren) waren Deutschland und seine Kulturgeschichte ein Bezugspunkt für ihr historisch-politisches Selbstverständnis.[5] Die Bundesrepublik sah Apartheid und Rassismus als Fragen südafrikanischer Innenpolitik, aus denen man sich möglichst heraushalten sollte. Trotz verschärfter Apartheid und Gewalt in Südafrika unterzeichnete sie noch 1962 ein Kulturabkommen mit Pretoria. Südafrika galt als wichtiger Rohstofflieferant und Schwellenland mit pro-westlicher Ausrichtung. Konservative Politiker bewerteten die Beziehungen sogar als freundschaftlich.[6] Sympathien gegenüber deutschsprachigen Siedlern im von Südafrika besetzten Namibia und dessen deutscher Kolonialvergangenheit spielten eine Rolle. Die „historische Verantwortung“ für die deutsche Minderheit war jedoch mehr innen- als außenpolitisch determiniert. Befreiungsbewegungen wie der African National Congress (ANC) Südafrikas oder die South West Africa Peopleʻs Organisation (SWAPO) Namibias wurden wegen ihrer Unterstützung durch den Ostblock als kommunistisch gesteuert und gewaltorientiert diskreditiert. Auch deshalb konnte Pretoria mit großem Aufwand zeitweise eine effektive Propaganda in der Bundesrepublik entfalten.[7]

International geriet die Bundesregierung zunehmend unter Druck, es gab Vorwürfe der Kollaboration mit dem Apartheid-Regime. Kritik des Generalsekretärs der Organisation of African Unity (OAU) 1968 oder des Vorsitzenden des UN-Sonderausschusses gegen Apartheid 1973 begegnete man in Bonn mit dem allgemeinen Bekenntnis zur Selbstbestimmung der afrikanischen Völker. Es hieß, „Handel und Politik sollten nicht ohne Not gekoppelt werden.[8] Die engen wirtschaftlichen und auch politischen Beziehungen zu Südafrika wurden fortgesetzt, die Frontstaaten erhielten nur halbherzige Unterstützung.[9] Die BRD propagierte ihre „Friedenspolitik“ im südlichen Afrika und den Dialog mit den Konfliktparteien, tat sich gegenüber den Befreiungsbewegungen jedoch schwer, zögerte deren Anerkennung hinaus und leistete zum Teil ihrer Kriminalisierung im Westen Vorschub.[10] Die Rolle der SWAPO im namibischen Unabhängigkeitsstreben wurde heruntergespielt, ihre völkerrechtliche Position infrage gestellt. Bonn verweigerte die Zustimmung zu ihrem UN-Beobachterstatus und die Anerkennung als alleinige Repräsentantin des Volkes von Namibia. Der Bundesrepublik wurde vorgeworfen, Spaltungsversuche in der Organisation zu unterstützen.[11] Später konnte sie im Rahmen der Kontaktgruppeninitiative und durch die Förderung vertrauensbildender Maßnahmen zwischen der SWAPO und der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Südwester (IG) die Kontakte zur SWAPO verbessern.

Kritik an Südafrika in Medien und Publikationen stieß in der Bundesrepublik zunächst mehrheitlich auf Ablehnung. Südafrikafreundliche Vereine waren sehr aktiv.[12] Nur eine Minderheit vor allem junger Intellektueller, Pastoren und Entwicklungshelfer engagierte sich in Organisationen gegen die Apartheid. Diese gewannen allmählich an Einfluss, sie forderten eine Unterstützung der Befreiungskämpfe im südlichen Afrika.[13] Kirchliches Engagement und der Dialog zwischen Kirchen und Politik spielten dabei eine wesentliche Rolle.[14] Westdeutsche Afrikawissenschaftler kritisierten 1978 öffentlich die Bonner Afrika-Politik.[15] Besonders in Bezug auf Südafrika war diese Politik trotz wechselnder Koalitionsregierungen weitgehend durch Kontinuität gekennzeichnet. Das galt auch für die sozial-liberale Koalition von 1969 bis 1982.

Dabei hatte sich Bonn mit der UN-Mitgliedschaft 1973 und Veränderungen der Lage im südlichen Afrika Mitte der 1970er Jahre neuen Herausforderungen gegenübergesehen. Der Westen wollte vor allem eine Ausweitung „sozialistischer“ Regimes durch Erfolge der Befreiungsbewegungen verhindern. Im Zentrum einer nunmehr aktiven Afrika-Politik stand zunächst Namibia. Die Bundesrepublik engagierte sich in der westlichen „Kontaktgruppe“ im UN-Sicherheitsrat.[16] Trotz heftiger innenpolitischer Auseinandersetzungen sollten auch weiterhin Veränderungen in Südafrika durch „kritischen Dialog“, nicht aber durch wirtschaftlichen Druck erreicht werden.[17] Erst 1985 beschlossen die EG-Außenminister – auch unter wachsendem Druck von Anti-Apartheid-Kräften ihrer Länder – begrenzte Sanktionen gegenüber Südafrika.[18] Diese wurden jedoch in ihrer praktischen Umsetzung äußerst restriktiv gehandhabt, auch durch die Bundesrepublik, so dass die BRD schließlich Südafrikas wichtigster Handelspartner und Gläubiger wurde.[19]

DDR

Anders sah es mit der Afrika-Politik der DDR aus. Außenwirtschaftliche Möglichkeiten waren durch sozioökonomische Veränderungen in Ostdeutschland nach 1945, die Diskontinuität von Wirtschaftsunternehmen und durch fehlende Kontakte zu den Kolonialmächten in Afrika beeinträchtigt. Ökonomische Interessen wurden zudem politischen und ideologischen Prämissen nachgeordnet und erhielten erst später einen eigenen Stellenwert. Aber der durch die Bundesrepublik im Westen isolierten DDR boten sich ausgerechnet in Südafrika Handelsmöglichkeiten. Südafrika war vor 1959 im Export zweitwichtigster Partner der DDR in Afrika, bis 1957 auch im Import.[20]

Dem standen in den 1950er Jahren dominante politische Faktoren gegenüber wie die Unterstützung antikolonialer Bewegungen als Verbündete gegen den (westlichen) Imperialismus. Südafrikas sozioökonomische Entwicklung erschien im marxistischen Verständnis als günstige Voraussetzung revolutionärer Entwicklungen. Die Unterordnung wirtschaftlicher unter politische Interessen trotz latenter ökonomischer Schwierigkeiten der DDR zeigte sich schmerzhaft bei der Verhängung von Sanktionen gegen Südafrika 1963.

Die DDR forderte die Beseitigung von Apartheid und Rassismus, Mehrheitsherrschaft in Südafrika, Beendigung der Okkupation Namibias, Wahrnehmung der UN-Verantwortlichkeit und Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechtes des namibischen Volkes. Diese Prinzipien blieben konstant, die dabei verfolgte Politik erfuhr Veränderungen. Beibehalten wurde die Unterstützung von ANC und SWAPO als legitime Vertreter ihrer Völker.

Die Unabhängigkeit Angolas und Mosambiks und entsprechende Aussichten für Namibia und Simbabwe weckten wirtschaftliche Interessen der DDR an Afrika.[21] In den 1980er Jahren reduzierten eingeschränkte ökonomische Möglichkeiten und veränderte außenpolitische Schwerpunkte der DDR jedoch das Engagement in Afrika. Befreiungsbewegungen wurden allerdings weiterhin, teils sogar verstärkt, unterstützt.

Südafrika und der Ost-West-Konflikt

Deutschlandpolitische Grabenkämpfe und Bündnispolitik im Kalten Krieg

Für beide deutsche Staaten war Afrika kein außenpolitischer Schwerpunkt, seine Bedeutung wurde zumeist an anderen relevanten politischen Ziele gemessen; Afrika-Politik war deutschland- und bündnispolitisch determiniert. In der BRD war sie, so Tetzlaff, „nach außen projizierte nationale Deutschland-Politik im globalen Rahmen der Ost-West-System-Konkurrenz“.[22] Das beeinflusste Entscheidungsprozesse, zeitweise auch Afrikas Stellenwert in der Außenpolitik.

Dabei stand zunächst die Hallstein-Doktrin im Fokus, mit der die BRD die diplomatische Anerkennung der DDR verhindern wollte. Der dadurch beeinflusste reaktive Charakter der Afrika-Politik beider deutscher Staaten zeigte sich bei der westdeutschen Botschafterkonferenz 1959 in Addis Abeba und beim SED-Politbürobeschluss zu Afrika 1960, zwei Meilensteinen der jeweiligen Afrika-Politik.[23] Die DDR sah dabei in politischen, kulturellen und sozialen Verbindungen der Bundesrepublik zu Südafrika und Namibia und in der unterschiedlichen Haltung von BRD und DDR zum Befreiungskampf Ansatzpunkte für eine offensive Auseinandersetzung mit der BRD.[24]

Deren ökonomischem Druck auf Drittländer zur Durchsetzung der Hallstein-Doktrin setzte die DDR mangels anderer Möglichkeiten die Propagandawaffe entgegen. Betonte die Bundesrepublik ihre Entwicklungspolitik, so unterstrich die DDR den „Kampf gegen Kolonialismus, Neokolonialismus und Rassismus“, die Unterstützung afrikanischer Partner bei der Neugestaltung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen und die politische Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil. Das war nicht immer einfach angesichts des ökonomischen und politischen Gewichts der BRD.[25]

Statt deutschlandpolitischer Interessen rückten nach dem Abschluss des Grundlagenvertrags zwischen BRD und DDR 1972 bündnispolitische Erwägungen stärker in den Vordergrund der jeweiligen Afrika-Politik. Bereits in den 1950er Jahren sah die BRD Afrika strategisch als „stärkste Rücken- und Flankendeckung für Europa und für den gesamten Westen“.[26] Südafrika war der ökonomisch wichtigste Partner in Afrika und bot sich dem Westen als Bollwerk gegen die „kommunistische Expansion“ in Afrika an.

Auch für die DDR waren die Unterordnung unter die Hegemonialmacht UdSSR und die Einbindung in den Ost-West-Konflikt wichtige Determinanten. Als originäre geostrategische Interessen in Afrika reflektierte man die Veränderung des internationalen Kräfteverhältnisses (also sowjetische Globalinteressen). Die DDR agierte als wichtiger Juniorpartner der UdSSR im südlichen Afrika.[27] Mitte der 1970er Jahre wurde Südafrikas cordon sanitaire in Mosambik und Angola aufgebrochen, in Südrhodesien und Namibia erschüttert, die Lage in Südafrika spitzte sich zu. Der Süden Afrikas wurde „Nebenkriegsschauplatz“ des Ost-West-Konflikts. „Sozialistisch orientierte“ Staaten in Angola und Mosambik und der intensivierte Befreiungskampf in Namibia, Simbabwe und Südafrika weckten Hoffnungen auf „neue Kubas“. Das SED-Politbüro orientierte 1975 explizit auf die Verwirklichung der Außenpolitik der sozialistischen Staatengemeinschaft auch im Süden Afrikas.[28]

Propaganda und Diplomatie

Bereits frühzeitig war Südafrika Thema ost-west-deutscher Auseinandersetzungen. Das DDR-Außenministerium schätzte 1963 ein: „Wie kaum an einem anderen Beispiel können an der westdeutschen neokolonialistischen Expansion nach Südafrika die wahren Ziele der westdeutschen Imperialisten in Afrika aufgedeckt werden.“[29] DDR-Medien titelten im Stil des Kalten Krieges „Wird Südafrika Raketenbasis für Bonner Revanchisten?“, „Westdeutscher größter Bankier Hermann Abs finanziert ‚Forschungsinstitutʻ für Rassenhetzer“, „IG-Farben-Giftgas für Südafrika?“ Dem wurden Berichte über umfangreiche Solidarität der DDR mit den Opfern des Apartheid-Regimes beim Rivonia-Prozess in Südafrika 1963/1964 gegenübergestellt.[30] 1964 setzte die DDR der Hallstein-Doktrin mit Beschluss des SED-Politbüros eine „Entlarvungskampagne“ zum „westdeutschen Neokolonialismus“ und seinen Beziehungen zu Südafrika und zum kolonialen Portugal entgegen.[31] Die Kampagne fand in Afrika Resonanz, so im damals einflussreichen Ghana hinsichtlich der militärischen Zusammenarbeit der BRD mit Südafrika und Portugal.[32] In Bonn konzedierte man intern, die Anschuldigungen seien schwer widerlegbar. Ausländische Nachrichtenagenturen griffen sie auf, sie gelangten bis in den Entkolonialisierungsausschuss der UNO.[33]

Höhepunkt der „Entlarvungskampagne“ war eine 1964 vom DDR-Solidaritätskomitee herausgegebene Denkschrift über die militärische und atomare Zusammenarbeit  zwischen der BRD und Südafrika. 1967 folgte eine weitere Dokumentation.[34] Offizielle Erklärungen der DDR[35] stellten der Politik der BRD die eigene Haltung gegenüber: Man habe aus bitteren Erfahrungen deutscher Geschichte Schlussfolgerungen gezogen, die sozioökonomischen Wurzeln von Imperialismus, Faschismus, Rassismus und Krieg beseitigt sowie Rassenideologie und Rassenhass ausgerottet. Während die DDR Angriffspunkte in der Bonner Afrika-Politik suchte, stellte die Propaganda der Bundesrepublik die Legitimität der DDR in Frage und konzentrierte sich auf „Mauer und Stacheldraht“ an der deutsch-deutschen Grenze.

Die Normalisierung der Beziehungen DDR-BRD seit 1972 und deren UN-Mitgliedschaft 1973 schufen neue Bedingungen auch für die Afrika-Politik. In der UN-Vollversammlung war die westdeutsche Haltung zu Südafrika von einer afro-asiatischen Stimmenmehrheit wiederholt kritisiert worden.[36] Diese Mehrheit übte dort Druck auf Südafrika aus, während westliche Veto-Mächte im Sicherheitsrat mit Ausnahme eines Waffenembargos zwingende Sanktionen verhinderten. Erst in den späten 1970er Jahren wurden dort durch die westliche Kontaktgruppe wichtige Weichen für eine Regelung des Namibia-Problems gestellt.

In der Ausgestaltung ihrer UN-Mitgliedschaft unterschieden sich Bundesrepublik und DDR erheblich, auch zum Thema Südafrika. Die DDR folgte mit ihren antikolonialen und antirassistischen Positionen dem Abstimmungsverhalten der mehrheitlich blockfreien Staaten und versuchte, sich diesbezüglich als das „bessere Deutschland“ zu präsentieren.[37] Sie unterstützte alle Resolutionen zur Kolonialfrage und arbeitete in entsprechenden UN-Gremien aktiv mit. In der Namibia-Frage lehnte sie südafrikanische Versuche einer „inneren Lösung“ ab und forderte die Erhöhung des Drucks auf Südafrika durch Sanktionen und die Isolierung des Regimes. Alle Resolutionen der UN-Vollversammlung dazu wurden unterstützt.[38]

Die Kontaktgruppe zu Namibia sah die DDR zunächst als Versuch, westliche Positionen im südlichen Afrika zu sichern und den Einfluss des Ostblocks zurückzudrängen. Dem „diplomatisch-politischen Spiel mit Südafrika“ stellte man die Forderung nach konsequenten politischen, ökonomischen und militärischen Sanktionen gegen Südafrika entgegen.[39] Gefordert wurde die echte Unabhängigkeit Namibias ohne Vorbedingungen sowie dessen Selbstbestimmung durch die Beseitigung des Einflusses Südafrikas.[40]

Interessenkonflikt in der Sanktionsfrage

Bereits in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre forderte Südafrikas Befreiungsbewegung äußeren Druck auf das Apartheidregime und dessen internationale Isolierung zur wirksamen Unterstützung des eigenen Kampfes. 1958 verlangte die All-Afrikanische Völkerkonferenz in Accra einen weltweiten Handelsboykott gegen Südafrika.[41] Schnell entwickelten sich Sanktionsforderungen zur internationalen Schlüsselfrage der Positionierung zu Südafrika.

Die BRD mit ihren politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Südafrika stand dabei fortgesetzt im Zentrum der Kritik blockfreier Staaten und der Befreiungsbewegungen. Das Verhalten in der Sanktionsdebatte wurde international zu einem Kriterium der Beurteilung der BRD-Politik gegenüber Südafrika. Das schloss Namibia mit ein. Der UN-Kommissar für Namibia, Sean McBride, warf der Bundesregierung 1974 wegen ihres Konsulats in Windhoek einen Verstoß gegen die UN-Charta, UN-Beschlüsse und eine Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs vor.[42] Bonn wollte dem Druck der kritischen Mehrheit blockfreier Staaten in der UN-Vollversammlungsmehrheit zur Verhängung verbindlicher und umfassender Sanktionen nicht nachgeben, gleichzeitig aber auch Schaden am eigenen Ansehen vermeiden.

1975 löste eine ANC-Dokumentation zur nuklearen Zusammenarbeit der Bundesrepublik mit Südafrika heftige Diskussionen aus; das Auswärtige Amt reagierte 1977 mit einer Stellungnahme.[43] Kritiker registrierten Verstöße gegen das 1977 verhängte bindende Waffenembargo der UNO gegen Südafrika.[44] Auch die DDR nutzte diese Frage propagandistisch[45] und brachte die Bundesrepublik in Zugzwang. Dort reagierte man mit eher symbolischen Einzelmaßnahmen wie der Unterstützung des EG-Verhaltenskodex’ für in Südafrika tätige Firmen 1977.[46] Erst 1986 schloss sich Bonn EG-Sanktionsmaßnahmen an, nachdem man 1985 nach heftiger Kritik das Kulturabkommen mit Südafrika von 1962 gekündigt hatte.[47] In den 1980er Jahren wurde nach Medienberichten über die Lieferung von Blaupausen für U-Boote wegen Umgehung des UN-Waffenembargos gegen Südafrika ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt.[48]

Westdeutsche Unternehmen wurden wegen direkter oder indirekter Unterstützung des Apartheid-Systems kritisiert, weil sie trotz starken internationalen Drucks und wachsender innenpolitischer Kritik in Südafrika tätig geblieben waren. Die Bundesrepublik lehnte bis in die 1980er Jahre hinein direkte Sanktionen ab.

Bereits 1963 hatte sich die DDR Sanktionen gegen Südafrika mit einem umfassenden Handelsembargo angeschlossen – nicht ohne interne Auseinandersetzungen der Politiker im Außenministerium und im Zentralkomitee der SED mit Wirtschaftsfunktionären. Letztere argumentierten erfolglos, dass Südafrika – auch wegen des westlichen Boykotts der DDR – ein attraktiver Markt mit günstiger Devisenrentabilität für Maschinen, Textilien und Chemikalien und Bezugsquelle preisgünstiger Rohstoffe sei. Die Diskussionen wurden nicht öffentlich, sondern zwischen den jeweiligen staatlichen und SED-Institutionen geführt. Die Einstellung des Handels mit Südafrika hatte beträchtliche ökonomische Folgen, belief sich doch allein der Export der DDR nach Südafrika 1963 auf 11 Millionen Valutamark.[49] Mit dem Embargo gegen Südafrika war die Rentabilität des Liniendienstes der Deutschen Seereederei der DDR nach Ost- und Südafrika in Frage gestellt, deren europawärts gebundene Fracht zu fast 100 Prozent aus Südafrika und Mosambik kam.[50] Verschärfte Sanktionsdiskussionen in der UNO und der OAU und nachdrückliche kritische Forderungen von ANC und SACP hatten in Ost-Berlin zum Boykott-Beschluss geführt.[51] Diese politische Entscheidung trotz ökonomischer Verluste für die wirtschaftlich schwache und selbst von Sanktionen betroffene DDR war von den Befreiungsbewegungen erwartet worden, sie wurde aber durchaus gewürdigt.[52]

Unterstützung des Befreiungskampfes durch die DDR

Frühzeitig unterhielt der ostdeutsche Gewerkschaftsdachverband FDGB Kontakte zu Partnern in Afrika. Der FDGB reagierte auf das Sharpeville-Massaker in Südafrika im März 1960 bereits im April mit einem Monat der Solidarität, der Spenden von 1,5 Millionen DDR-Mark erbrachte.[53] Das DDR-Solidaritätskomitee stellte nach seiner Gründung 1960 Beziehungen zu SWANU und SWAPO in Namibia, 1962 auch zum ANC her.[54] Neben politischer Zusammenarbeit ging es zunächst um bescheidene Unterstützung durch Ausbildungsplätze, materielle und propagandistische Hilfe sowie begrenzte paramilitärische Lieferungen. Seit Mitte der 1970er Jahre stieg die Summe der Hilfe schnell und betrug allein für den ANC in den Jahren von 1975 bis 1989 37,3 Millionen DDR-Mark. Sie galt vor allem Flüchtlingslagern sowie der akademischen und Berufsausbildung. Eine neue humanitäre Komponente kam mit der medizinischen Versorgung Kranker und Verwundeter in der DDR hinzu.[55] Eine besondere Rolle spielte die Aufnahme von insgesamt mehr als 400 namibischen Kindern in der DDR. Sie wohnten in Heimen, besuchten allerdings deutsche Schulen, wo sie in gesonderten Klassen unterrichtet wurden. Teilweise auch durch Kontakte zu deutschen Familien integrierten sich die Älteren so sehr, dass sie bei der Rückkehr nach Namibia als „Deutsche“ betrachtet wurden, sogar von deutschsprachigen Namibiern.[56] Mit ihrer Unterstützung im Ausbildungsbereich war die DDR führend unter den sozialistischen Staaten. Südafrikaner erhielten bereits in den 1950er Jahren Studienplätze. Mitte der 1980er Jahre befanden sich etwa 1.000 ANC- und SWAPO-Mitglieder zur Ausbildung in der DDR.[57] Lehrer, Ärzte und Krankenschwestern sowie Entwicklungshelfer der Freien Deutschen Jugend aus der DDR waren in Flüchtlingslagern der SWAPO im angolanischen Kwanza Sul und des ANC in Mazimbu und Dakawa in Tansania im Einsatz.

In den 1970er Jahren nahm auch die militärische Unterstützung für den Befreiungskampf zu. Seit 1967 gab es Waffenlieferungen, die Militärausbildung wurde verstärkt – seit 1976 wurden 1.000 ANC-Kämpfer in der DDR ausgebildet.[58] Ausbildung, Waffen und Ausrüstungen erhielt auch die SWAPO. Die DDR sah den bewaffneten Befreiungskampf als legitimen und wichtigen, aber nicht ausschlaggebenden Bestandteil des politischen Kampfes. Seine Unterstützung war angesichts der postulierten Politik der friedlichen Koexistenz zwischen Ost und West nicht unumstritten.

Die politische Zusammenarbeit der DDR mit den Befreiungsbewegungen verstanden beide Seiten als Kooperation gleichberechtigter Partner. Hochrangige Konsultationen und die protokollarische Behandlung der Führer von ANC und SWAPO in der DDR hinterließen tiefen Eindruck.[59] Theo-Ben Gurirab, damals SWAPO-Vertreter bei der UNO, schätzte die Stärkung der Position und Legitimität der SWAPO in den Verhandlungen mit dem Westen und sah die DDR als „watchdog“ zur Überwachung der westlichen Diplomatie. Sie bot der SWAPO eine Rückfallposition im Falle einer Fortsetzung des Kampfes.[60] Die strategische und konzeptionelle Kooperation der DDR mit der SWAPO schloss auch Berater und die zielgerichtete Vorbereitung auf Wahlen und die Übernahme der Macht ein.[61]

Die DDR hatte zunächst die komplizierte Kräftekonstellation in der Namibia-Frage unterschätzt, orientierte auf die bedingungslose Übergabe der Macht an die SWAPO und lehnte Kompromisse ab, auch wegen der Haltung Südafrikas und des Westens. Ernüchterung nach der Kompromisslösung zu Simbabwe, Entwicklungen in der Namibia-Frage selbst und neue internationale Prioritäten beförderten ein Umdenken und die Akzeptanz der Resolution 435 bei Bewahrung eigener Prinzipien der Namibia-Politik und uneingeschränkter Unterstützung der SWAPO.[62]

Konsultationen auf Führungsebene schlossen auch konzeptionelle Einflussnahme auf die SWAPO ein. Ausgeklammert davon blieben deren innere Probleme. Angesichts von Menschenrechtsverletzungen im SWAPO-Exil zeigte sich hier ein deutliches Defizit der DDR-Politik. Kritische Diskussionen gab es vereinzelt auf Arbeitsebene durch Diplomaten und Berater der DDR gegenüber ihren Partnern in der SWAPO. Grundsätzlich galt auch dort das Prinzip der Nichteinmischung in Angelegenheiten des Partners. Das ersparte Belastungen in den Beziehungen, war – gerade wegen des engen Vertrauensverhältnisses – jedoch nicht zu rechtfertigen.[63] Entsprechende Informationen aus westlichen Quellen wurden bezweifelt und unterstellt, diese seien gezielt gestreut. Auch mit dem ANC wurden unter Hinweis auf die Ost-West-Konfrontation solche Diskussionen vermieden. Unkritisch wurden interne Probleme des ANC und der SWAPO weitgehend verdrängt oder kritiklos Positionen, die deren Führer vertraten, akzeptiert. Das schloss auch die Situation in den ANC-Lagern in Angola und Tansania ein. Hier reflektierten sich Verhaltensmuster im Umgang mit unliebsamen Problemen im eigenen Lande.

Wichtig für die Solidarität der DDR waren deren früher Beginn und ihre Effizienz. Die Befreiungsbewegungen schätzten die schnelle und wirksame Unterstützung in Krisensituationen. Auf dringende Bitte des ANC um Hilfe für Flüchtlinge in Sambia und Tansania im Herbst 1968 folgte noch im Dezember eine Hilfssendung.[64] Existentiell war die Hilfe für die SWAPO 1974/1975 und für den ANC nach dem Soweto-Aufstand 1976, als mit dem Anschwellen der Flüchtlingsströme Versorgung und Ausbildung zum Problem wurden. Die DDR erhöhte die Hilfe für die SWAPO 1974 von 100.000 auf 500.000 DDR-Mark und verdoppelte sie 1975 auf mehr als eine Million.[65] Die Hilfe für den ANC wurde 1976 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.[66] Gleichzeitig begann das erwähnte militärische Ausbildungsprogramm. 1981 musste die DDR zur dringlichen Nahrungsmittelhilfe für die SWAPO sogar auf die eigene Staatsreserve zurückgreifen.[67] Nach Unruhen 1984 in ANC-Camps in Angola auch wegen schlechter Lebensbedingungen half die DDR mit Lebensmitteln, Kleidung, Medikamenten und Baumaterialien.[68] Unmittelbar vor der Unabhängigkeit Namibias erhielt die SWAPO von der DDR 1989 mit 16 Millionen DDR-Mark mehr Hilfe als jede andere afrikanische Befreiungsbewegung in irgendeinem Jahr.[69]

Das zentral-administrative System der DDR ohne demokratische Entscheidungsprozesse ermöglichte schnelle Reaktionen und erhöhte die Effizienz der DDR-Solidarität. Honecker als Generalsekretär des Zentralkomitees der SED traf wichtige Entscheidungen selbst. Er hatte aus eigener Lebenserfahrung eine besondere Affinität zur Solidarität. Diese war für ihn zudem Bestandteil des „internationalen Klassenkampfes“.

DDR-Solidarität mit Südafrika: Prinzip oder politisches Instrument?

Neben Antikolonialismus und Antirassismus war Solidarität ein Prinzip der DDR-Außenpolitik. Aus der deutschen Arbeiterbewegung tradiert galt sie der „Nationalen Befreiungsbewegung“ (Sammelbegriff für antikoloniale Kräfte) als „revolutionäre Hauptströmung und natürlicher Verbündeter“ im Kampf gegen „Kolonialismus, Neokolonialismus und Rassismus“. Dezidiert wurde Bezug auf die kritische Haltung der SPD August Bebels zur Kolonialfrage genommen. DDR-Solidarität trug in der frühen Phase durchaus altruistische Züge, als zum Beispiel in Südafrika ein Erfolg des Freiheitskampfes nicht absehbar war. Der Boykott Südafrikas beeinträchtigte eigene Wirtschaftsinteressen. Solidarität beförderte andererseits das internationale Ansehen der DDR. Sie wurde vom Solidaritätskomitee, einem politischen Instrument von SED und Regierung, koordiniert und organisiert.[70] Vertreten waren im Komitee gesellschaftliche Organisationen wie Gewerkschaften und Verbände, Führungspersönlichkeiten der frühen Jahre wie Horst Brasch, Heinz H. Schmidt, Henry Eggebrecht und Kurt Seibt kamen aus dem antifaschistischen Widerstandskampf.

Solidarität reflektierte in der Nachkriegsentwicklung in Deutschland den Anspruch der DDR als progressiver deutscher Staat. Sie war aber auch innenpolitisch geprägt. Angesichts der Krise der DDR Anfang der 1960er Jahre, die zum Bau der Mauer führte, versprach sich die SED-Führung von internationaler Anerkennung auch innere Stabilisierung mit der Legitimierung der DDR als sozialistische deutsche Alternative.[71] Antikoloniale Solidarität an der Seite des gesellschaftlichen Fortschritts und in Abgrenzung zur Bundesrepublik schien ein gutes innenpolitisches Argument zu sein.[72]

Spezifika der DDR-Solidarität zeigten sich 1963/1964 bei der weltweiten Kampagne zur Freilassung südafrikanischer politischer Gefangener. Staatschef Walter Ulbricht unterstützte mit einer persönlichen Botschaft die Kampagne.[73] In Betrieben und Organisationen wurden zahlreiche Veranstaltungen zwar zentral organisiert, waren aber auch geprägt durch aktives und bewusstes Engagement der Menschen. Bereitschaft zur Solidarität war weit verbreitet, man verstand sich als Teil einer internationalen Bewegung. Eigeninitiative wurde jedoch durch die zentrale Steuerung behindert. Problematisch war zudem der Widerspruch zwischen internationalem Anspruch und innergesellschaftlicher Realität in der DDR. Gesellschaftskritische Kräfte wurden abgestoßen bzw. ausgegrenzt.[74] Auch die Kirchen in der DDR waren Behinderungen ausgesetzt. Ihre christliche Solidarität war um Eigenständigkeit bemüht – trotz mancher Gemeinsamkeit im Anliegen. Dazu gab es in den Kirchen Auseinandersetzungen, viele Christen fühlten sich reglementiert. Erst spät eröffneten sich hier neue Möglichkeiten.[75]

Insgesamt war Solidarität im Bewusstsein vieler Ostdeutscher tief verankert. Als in den 1980er Jahren Spenden für das Solidaritätskomitee aus ökonomischen Gründen eingeschränkt wurden, musste das wegen Widerstandes an der Gewerkschaftsbasis revidiert werden.[76] Diese tief verwurzelte Solidarität bestätigte sich auch im vereinten Deutschland in der selbstorganisierenden, eigenverantwortlichen Bewegung engagierter Ostdeutscher – an der Seite etablierter westdeutscher Organisationen.

Solidarität war ein Markenzeichen der DDR in Afrika, sie wurde nicht nur von den Befreiungsbewegungen gewürdigt, sondern fand damals auch international Anerkennung, in Afrika und vielen blockfreien Staaten. OAU-Generalsekretär Edem Kodjo dankte Honecker 1979 für den wertvollen Beitrag der DDR zum Befreiungskampf Afrikas und würdigte die Bemühungen und Opfer, „die Ihr Land, Ihre Partei und Ihr Volk gebracht haben, um über das Befreiungskomitee der OAU die afrikanischen Befreiungsbewegungen zu unterstützen […]“[77] Ähnliche Aussagen konnte man noch bis in die jüngste Zeit in Südafrika und Namibia hören, beispielsweise auch von Nelson Mandela.


 


[1]                      Ilona Schleicher: Bericht über die Teilnahme an der 3. Internationalen Solidaritätskonferenz des ANC in Tshwane, Südafrika (25. bis 28. Oktober 2012), Persönliches Archiv Ilona Schleicher.

[2]                      Hans-Georg Schleicher: Ideologie und Solidarität, Forum Afrika, in: Kirchentag‚ 97: gesehen – gehört – erlebt, hrsg. Im Auftrag des Deutschen Evangelischen Kirchentages von Rüdiger Runge, Gütersloh: Gütersloher Verl. –Haus, 1997 (Gütersloher Taschenbücher; 1133), 149 f.

[3]                      Vgl. Ulf Engel, Hans-Georg Schleicher (unter Mitarbeit von Inga-Dorothee Rost): Die beiden deutschen Staaten in Afrika: Zwischen Konkurrenz und Koexistenz 1949–1990, (Hamburger Beiträge zur Afrika-Kunde 57). Hamburg 1998, 39ff und 70.

[4]                      Ibid., 31f.

[5]                      Vgl. Peter Le Roux: The Two Germanies in Southern Africa: A South African Perspective, Referat auf dem Symposium „The Africa Policies of the Two Germanies 1955–[19]90 and Implications for Southern Africa“, 25.-26. September 1997, Robben Island/Cape Town, 26. September 1997 (hektographiertes.Typoskript), Persönliches Archiv Hans-Georg Schleicher.

[6]                      Vgl. Engel, Schleicher: Staaten, 36 und 75.

[7]                      Vgl. Helmut Bley, Hans-Georg Schleicher: Deutsch-deutsch-namibische Beziehungen von 1960 bis 1990, in: Larissa Förster, Dag Henrichsen, Michael Bollig (Hgg.), Namibia – Deutschland. Eine geteilte Geschichte. Widerstand – Gewalt – Erinnerung, (Ethnologica Neue Folge 24), Köln 2004, 274-291, hier 275f.

[8]                      zitiert bei: Rainer Tetzlaff: Grundzüge und Hintergründe der Bonner Afrika-Politik: Eine Einführung, in: Helmut Bley,  Rainer Tetzlaff (Hgg.): Afrika und Bonn. Versäumnisse und Zwänge deutscher Afrika-Politik (= Rowohlt aktuell; 4270), Reinbek bei Hamburg 1978, 35.

[9]                      Zur kritischen Wertung der Wirtschaftsbeziehungen vgl. Rainer Falk, Das Apartheid-Geschäft. Dimensionen der deutsch-südafrikanischen Wirtschaftsbeziehungen und ihre Rolle bei der Stabilisierung des Apartheidsystems, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 30, 9, 1985, 1045-1056.

[10]                    Vgl. Ernst-Otto Czempiel: Friedenspolitik im Südlichen Afrika. Eine Strategie für die Bundesrepublik Deutschland, (Entwicklung + Frieden. Wissenschaftliche Reihe 10), München 1976.

[11]                    Vgl. Bley, Schleicher: Beziehungen, 280.

[12]                    U. a. South Africa Foundation seit 1961 sowie seit 1965 die Deutsch-Südafrikanische Gesellschaft (DSAG).

[13]                    Vgl. Bley, Schleicher: Beziehungen, 276f.; Jürgen Bacia, Dorothèe Leidig: „Kauft keine Früchte aus Südafrika“: Geschichte der Anti-Apartheid-Bewegung, Frankfurt (Main) 2008.

[14]                    Vgl. Wolfram Kistner: My Experience with the Christian Anti-Apartheid Solidarity Movement in the Two German States and its Interaction with the Liberation Struggle in Southern Africa, 26. September 1997, Referat auf dem Symposium „The Africa Policies of the Two Germanies 1955–[19]90 and Implications for Southern Africa“, 25.-26. September 1997, Robben Island/Cape Town, (hektographiertes Typoskript).

[15]                    Helmut Bley, Rainer Tetzlaff (Hgg.):; Afrika und Bonn. Versäumnisse und Zwänge deutscher Afrika-Politik, (Rowohlt aktuell 4270), Reinbek bei Hamburg 1978.

[16]                    Vgl. Bley, Schleicher: Beziehungen, 279.

[17]                    Vgl. Claudius Wenzel: Die Südafrika-Politik der Bundesrepublik Deutschland, 1982–1992. Politik gegen Apartheid? Opladen 1994; Thomas Kruchem, The Foreign Policy of the Federal Republic of Germany towards South Africa, in: South Africa International [Johannesburg], Teil I: 19,4 1989, 188-203; Teil II: 20,1, 1990, 128-153.

[18]                    Vgl. Wenzel: Südafrika-Politik, 106-109, sowie 123-128.

[19]                    Vgl. Gottfried Wellmer: A history of the anti-apartheid movement in the Federal Republic of Germany, in: The Road to Democracy, Volume 3, International Solidarity, part 1, [Pretoria] 2008, 677-691, hier 686.

[20]                    Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1959, Berlin (Ost) 1960, 574.

[21]                    Vgl. Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv, Berlin, SAPMO-BArch, DY 30/J IV 2/3 A-3250: Politisch-ökonomische Zusammenarbeit mit Namibia.

[22]                    Vgl. Rainer Tetzlaff: Grundzüge und Hintergründe der Bonner Afrika-Politik: Eine Einführung, in: Bley, Tetzlaff, Afrika, 28-69, hier 28.

[23]                    Vgl. Engel, Schleicher: Staaten, 34ff und 96ff.

[24]                    Vgl. Entwicklung Beziehungen DDR zu den afrikanischen Staaten, Politbüro-Beschluss, 17. Februar 1960, SAPMO-BArch DY 30/IV 2/20/53.

[25]                    Vgl. Bley, Schleicher: Beziehungen, 274.

[26]                    Vgl. Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Bonn (AAPA), B.Sts., Bd. 96, 424-438, zitiert bei: Engel, Schleicher: Staaten, 36.

[27]                    Vgl. Ilona Schleicher, Hans-Georg Schleicher: Die DDR im südlichen Afrika: Solidarität und Kalter Krieg, (Arbeiten aus dem Institut für Afrika-Kunde 97), Hamburg 1997, IVf.

[28]                    Vgl. SAPMO-BArch, DY 30/J IV 2/2-1557.

[29]                    Vgl. SAPMO-BArch, DY 30/IV A/2/20/986.

[30]                    Vgl. zum Beispiel Neues Deutschland August-Oktober 1963, besonders 31. August, 20. und 30. Oktober, 9. und 10. November, 5. Dezember 1963.

[31]                    Vgl. Protokoll Politbürositzung 19. Mai 1964, SAPMO-BArch DY 30/J IV 2/2/931:.

[32]                    Botschafter Steltzer an AA, 27. August 1964, in: AAPA, Ref. I B 3, 488 83.00; vgl. auch Interviews mit dem ehemaligen Außenminister Kojo Botsio, Accra, 17. Mai 1995, und den ehemaligen Staatssekretären Harry Amonoo, Accra, 8. Mai 1995, sowie Kwaku Asante, Accra, 31. Mai 1995.

[33]                    Vgl. Lage in Afrika, in: AAPA, Ref. IB 1 84.40/0/65, 12. August 1965; sowie Abwehr der SBZ-Verleumdungen über die Bundesrepublik Deutschland (VLR I Graf von Posadowsky-Wehner, 22. Juli 1965), Abt. I, IB 3-82.00/1-90. VS-NfD, in: AAPA, Ref. I B 3 628 81.10/0-82.00/1 Afrika Allgemein.

[34]                    Denkschrift über die militärische und atomare Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Südafrika, Berlin (Ost) 1964; Das Bündnis Bonn – Pretoria, Dresden 1967.

[35]                    Vgl. Erklärung der Regierung der DDR zur Beseitigung aller Formen der Rassendiskriminierung, 30. Oktober 1963, in: Dokumente der Außenpolitik der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik, Bd. VI-X: 1958–1962, Berlin (Ost), DAP Bd. XI (1963), Berlin (Ost) 1965, 269-271; Regierungserklärung zur Deklaration über die Gewährung der Unabhängigkeit an die kolonialen Länder und Völker, 12. November 1963, in: DAP, Bd. XI (1963), 275-280; Erklärung des MfAA, 20. Dezember 1963, zum Beschluss des UNO-Sicherheitsrates gegen die Apartheidpolitik Südafrikas und zu Versuchen der westdeutschen Regierung, ihre Politik und Unterstützung des Verwoerd-Regimes zu rechtfertigen, 4. Dezember 1963, in: DAP Bd. XI (1963), 287-290.

[36]                    Vgl. Leitlinien für die Mitarbeit in den Vereinten Nationen, in: Bulletin, 13. September 1973, 1075.

[37]                    Vgl. Gareth M. Winrow: The foreign policy of the GDR in Africa, Cambridge [etc.] 1990, 106; Bernhard Neugebauer, Gemeinsamkeiten und Differenzen in der VN-Politik der beiden deutschen Staaten, in: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (Hg.): Die beiden deutschen Staaten in den Vereinten Nationen: Rückblick und Bilanz, (Dokumentationen, Informationen, Meinungen 33), Bonn 1990, 24-29, hier 28.

[38]                    Vgl. Engel, Schleicher: Staaten, 304.

[39]                    Vgl. Rede Florins vor dem Sicherheitsrat, 13. Oktober 1976, in: DAP, Bd. XXIV/2 (1976), Berlin (Ost) 1980, 921-924, hier 923.

[40]                    Vgl. Rede Florins zum Tagesordnungspunkt „Namibia“, 19. Oktober 1977, in: DAP Bd. XXV/1 (1977), Berlin (Ost) 1980, 992-996, hier 994-996.

[41]                    Vgl. SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/20/410: Memorandum: „The Boycott of South African Trade“, Anlage zu einem Brief des ZK der SACP an das ZK der SED, 12. Oktober 1960.

[42]                    Frankfurter Rundschau, 30. April 1974.

[43]                    Memorandum des AA, 28. Januar 1977 (ohne Titel, 17. Januar 1977), Abdruck in: informationsdienst südliches afrika [Bonn], (1977) 4, 4-9.; Presseerklärung der Anti-Apartheid-Bewegung, 23. Januar 1977, in: informationsdienst südliches afrika, (1977) 4, 3-12; vgl. auch: Die atomare Zusammenarbeit Bundesrepublik –Südafrika, Bonn/Karlsruhe 1977.

[44]                    Vgl. Peter Lock: Resolution 418 des Sicherheitsrates vom 4. Nov[ember] 1977 und ihre Umsetzung in der Bundesrepublik Deutschland. Bonn Consultation on the FRG and the United Nations Arms Embargo against South Africa, Bonn, April 27, 1989, (World Campaign against Military and Nuclear Collaboration with South Africa. Background paper), Oslo 1989.

[45]                    Vgl. Julius Mader: Die Beziehungen BRD – Südrhodesien, in: Deutsche Außenpolitik [Berlin (Ost)], 23, 1978, 7, 136-143.

[46]                    Reinhard Hermle: The code of conduct in the context of the relations between the Federal Republic of Germany and South Africa, in: Anne Akeroyd [et al.] (eds.): European business and South Africa, (Entwicklung + Frieden), München/Mainz 1981, 44-59.

[47]                    Vgl. Bulletin, 19. September 1986, 893-894; Frankfurter Rundschau, 12. September 1985 und 19. September 1985; Hamburger Abendblatt, 12. September 1985.

[48]                    Vgl. Wenzel: Südafrika-Politik, 172-188.

[49]                    Vgl. SAPMO-BArch, DY 30/IV A2/6.10/332, Brief an Minister Balkow.

[50]                    Angaben aus einem Entwurf für eine Vorlage des Verkehrsministeriums für das Politbüro 1963 entnommen. Vgl. AAPA/MfAA/A 16048.

[51]                    Vgl. SAPMO-BArch, DY 30/IV A2/6.10/332.

[52]                    Ausführlich dazu vgl. Schleicher, Schleicher: DDR.

[53]                    Vgl. Ilona Schleicher: DDR-Solidarität im südlichen Afrika. Auseinandersetzung mit einem ambivalenten Erbe, Solidaritätsdienst-international e.V., Berlin1999, 7.

[54]                    Vgl. Schleicher, Schleicher: DDR, 154f.; sowie Schleicher: DDR-Solidarität, 6f. und 15.

[55]                    Einzelheiten zum Umfang der Solidarität siehe: Ilona Schleicher, Statistische Angaben zur Solidarität mit Befreiungsbewegungen und Staaten im südlichen Afrika, in: Ulrich van der Heyden, Ilona Schleicher, Hans-Georg Schleicher (Hgg.): Engagiert für Afrika. Die DDR und Afrika II, Münster/Hamburg 1994, 147-157.

[56]                    Vgl. Schleicher, Schleicher: DDR, 196ff.

[57]                    Sechaba: June 1985, 29.

[58]                    Hans-Georg Schleicher: GDR solidarity: The German Democratic Republic and  the South African Liberation Struggle, in: The Road  to Democracy, Volume 3, International Solidarity, part 2, [Pretoria] 2008, 1069-1153, hier 1131f.

[59]                    Interviews mit Pallo Jordan, Pretoria, 4. Dezember 1995, und mit Alfred Nzo, Pretoria, 7. Dezember 1995.

[60]                    Interview mit Theo-Ben Gurirab, Windhoek, 8. Februar 1996.

[61]                    Vgl. Bley, Schleicher: Beziehungen, 285.

[62]                    Vgl. ibid., 283f.

[63]                    Vgl. ibid., 288.

[64]                    Vgl. Schleicher, Schleicher: DDR, 245f.

[65]                      Vgl. BArch DZ 8 /SK 7306-662; sowie Schleicher: Statistische Angaben, S. 154.

[66]                    Vgl. Archiv des Solidaritaetsdienst-international e. V. (SODI), Berlin.

[67]                    Vgl. Schleicher, Schleicher: DDR, 178f.

[68]                    Vgl. Schleicher: DDR-Solidarität, 76.

[69]                    Vgl. Bley, Schleicher: Beziehungen, 287.

[70]                    Detailliert Engel, Schleicher: Staaten, 97, FN 28.

[71]                    Vgl. Bernd Kregel: Außenpolitik und Systemstabilisierung in der DDR, Opladen 1979, 32.

[72]                    Vgl. Schleicher, Schleicher: DDR, 38f., 52f.

[73]                    Vgl. AAPA/MfAA/A 16047: Abschrift des Briefes von Ulbricht, 10. April 1964.

[74]                    Vgl. Schleicher, Schleicher: DDR, 41, 73.

[75]                    Vgl. Johannes Althausen: Kirchliche Beziehungen aus der DDR nach Afrika dargestellt an den Verbindungen der Berliner Mission zum südlichen Afrika, in: Ulrich van der Heyden, Ilona Schleicher, Hans-Georg Schleicher (Hgg.): Die DDR und Afrika. Zwischen Klassenkampf und neuem Denken, Münster/Hamburg 1993, 63-78.

[76]                    Vgl. Schleicher, Schleicher: DDR, 179f.

[77]                    Vgl. Neues Deutschland, 15. November 1979.

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