25 Jahre Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e.V.


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Pfeiffer, Otto:

Auf neuen Wegen

Beitrag in: "DDR-Diplomaten und die deutsche Einheit - 25 Jahre Verband für Internationale Politik und Völkerrecht" in Heft 52 der "Blauen Reihe - Schriften zur internationalen Politik", herausgegeben vom Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e.V., Mai 2015

Der Verband für Internationale Politik und Völkerrecht – damals noch unter dem Namen „Verband der Berufsdiplomaten der DDR" – wurde in einer schnelllebigen Zeit gegründet. Alte Strukturen begannen sich aufzulösen, neue hatten noch keine Gestalt angenommen. Der Kurs auf „Deutschland-einig-Vaterland" war prinzipiell vorgezeichnet; das Ende der deutschen Zweistaatlichkeit war abzusehen.

In dieser Situation musste die berufliche und soziale Absicherung der außenpolitisch Tätigen vordringliche Aufgabe des Verbandes sein, um ihnen den Übergang in eine neue gesellschaftliche Ära zu ermöglichen oder zumindest erleichtern zu helfen. Darauf war die Initiative der 20 Mitarbeiter, die den Gründungsaufruf unterzeichneten, und der 78 Teilnehmer an der Gründungsversammlung Anfang Februar 1990 gerichtet. Sie reihte sich ein in die Bildung auch anderer Berufsverbände, die in jener Periode entstanden, um die Interessen ihrer Berufsstände besser vertreten zu können. Im damaligen Umfeld war sie keine Besonderheit, aber angesichts früheren Denkens und bis dahin bestehender Strukturen ein Schritt in absolutes Neuland.

Schon Mitte 1990 wurde offen sichtbar, dass die von der Bundesregierung betriebene Ausgrenzung der DDR-Eliten gegenüber dem diplomatischen Personal besonders rigoros sein würde. Außenminister Hans-Dietrich Genscher hatte das in einer Personalversammlung des Auswärtigen Amtes verkündet. Selbst der Vorschlag der Regierung de Maizière, zumindest einen Teil der diplomatischen Mitarbeiter in den gesamtdeutschen diplomatischen Dienst zu übernehmen, wurde rundweg abgelehnt. So wurde mehr als tausend qualifizierten und in der internationalen Tätigkeit erfahrenen Experten nicht nur ihr Arbeitsplatz genommen, sondern ihnen auf Dauer die Ausübung ihres Berufes unmöglich gemacht. Hinweise vernünftiger und weitsichtig denkender Persönlichkeiten in der alten Bundesrepublik, welche Möglichkeiten die deutsche Außenpolitik mit der Ausgrenzung der DDR-Diplomaten vergibt, wurden von Tisch gewischt.

Dass es auch anders ging, zeigt das Beispiel von DDR-Diplomaten, die als UNO-Beamte nach der Vereinigung bis zu ihrer Pensionierung erfolgreich und anerkannt arbeiteten. Das trifft ebenso auf die Tätigkeit von Regionalspezialisten wie Dr. Karl Fischer und Thomas Ruttig in der UNO-Sonderkommission für Afghanistan zu. Auch Dr. Gunter Görner war auf seinem Spezialgebiet Seevölkerrecht über die Zeit der Existenz der DDR hinaus aktiv. Das Gleiche gilt für Dr. Walter Krutzsch, der einen wesentlichen Beitrag zur Ausarbeitung der C-Waffen-Konvention geleistet hat. Die deutschen und ausländischen Unternehmen, welche den Mut besaßen, sich nicht an das Verdikt aus dem Hause Genscher zu halten, sind mit der Beschäftigung ehemaliger DDR-Diplomaten nicht schlecht gefahren. In einigen Fällen erinnerten sich Firmen der Sachkompetenz und Fähigkeiten unserer Mitglieder und ließen sich vom Verband Mitarbeiter mit speziellen Länder- und Sprachkenntnissen vermitteln.

Auch das Auswärtige Amt korrigierte im Laufe der 1990er Jahre in gewissen Bereichen seine strikt ablehnende Haltung und signalisierte die Möglichkeit der Bewerbung für Stellen in OSZE- oder UNO-Missionen. So waren Arne Seifert zwei Jahre in der OSZE-Mission in Tadschikistan als „Political Officer" tätig, Axel und Christiane Jänicke in der OSZE-Mission in Kroatien. An offiziellen Wahlbeobachtungsmissionen der OSZE und UNO nahmen Verbandsmitglieder in Albanien, Bosnien, Kroatien, Makedonien, Moldawien, Russland, Tadschikistan, in der Ukraine und in Weißrussland teil. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer erklärte in einer Bundestagsdebatte am 20. Juli 2000, dass ihr Wirken „unserem Land zur Ehre" gereiche.

Natürlich gab es auch Rückfälle. Es bedurfte erst einer Demarche unseres Verbandes beim Staatssekretär im Auswärtigen Amt Dr. Gunter Pleuger, die vom ehemaligen DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière in einem Brief an Außenminister Joseph Fischer unterstützt wurde, um die Behauptung des Vertreters der BRD im UNO-Menschenrechtsausschuss im September 2000 in Genf, die DDR-Diplomaten hätten „die Menschenrechte verletzt" und seien „Gegner der deutschen Einheit" gewesen, offiziell aus dem Tagungsprotokoll des Ausschusses zu streichen.

Angesichts der pauschalen Ausgrenzung der DDR-Diplomaten stand bereits Anfang der 1990er Jahre eine Grundsatzentscheidung über Sinn und Zweck des Verbandes an. Im Rechenschaftsbericht des Vorstandes an die Mitgliederversammlung am 6. Dezember 1999 hieß es dazu rückschauend: „Wir hätten uns damals zurückziehen und den Verband, wie es bei fast allen vergleichbaren Berufsverbänden geschah, auflösen können. Es wurde stattdessen die Entscheidung getroffen, den Berufsverband in einen Verband für Internationale Politik und Völkerrecht umzubilden. Wir wollten damit ein die Schwierigkeiten überdauerndes Zusammengehörigkeitsgefühl zum Ausdruck bringen und den reichen Erfahrungsschatz und das fachliche Können der Mitglieder dafür einsetzen, der politischen Diffamierung der DDR-Diplomaten und der Abwertung ihrer Tätigkeit für Frieden und Völkerverständigung entgegenzuwirken. Dabei haben wir uns nicht durch böswillige Verleumdungen, Häme und Spott beirren lassen. […] Wenn heute eine sachlichere Darstellung der Leistung unserer Berufsgruppe überwiegt und deren Ausgrenzung kritischer betrachtet wird, dann ist das auch auf das Wirken des Verbandes zurückzuführen."

Die neue Ausrichtung Verbandes erforderte ein gründliches Umdenken. Sie bedeutete

– Öffnung für alle an außenpolitischen Fragen interessierten Bürger, die die satzungsgemäßen Ziele – Verständigung zwischen den Völkern, Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Staaten, Schaffung einer friedlichen Welt und umfassende Durchsetzung der Menschenrechte – mitzutragen bereit waren, über den Kreis ehemaliger DDR-Diplomaten hinaus;

– Offenheit für ein breites Spektrum von Meinungen und für einen kulturvollen Meinungsstreit,

– Unabhängigkeit von parteipolitischen Bindungen, Herstellung einer Vielzahl von Kontakten zu deutschen und ausländischen Persönlichkeiten in Politik, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft,

– Entwicklung von Arbeitsformen, die geeignet wären, das geistige Potential der Mitglieder in geeigneter Weise zur Geltung zu bringen, insbesondere die Durchführung wissenschaftlicher Veranstaltungen, Foren und öffentlichen Diskussionen, von Zusammenkünften in Arbeitskreisen und Interessengruppen sowie die Vergabe von Forschungsaufträgen, die Herausgabe von Publikationen, Abhandlungen und Studien.

Die Verbandstätigkeit war unter realistischer Berücksichtigung der materiellen und personellen Potentiale zu konzipieren. Neben dem bescheidenen Mitgliedsbeitrag und Spenden standen keine ständigen Geldquellen zur Verfügung. Die Arbeit gründete sich deshalb von Anfang an auf die ehrenamtliche Tätigkeit der Mitglieder. Dabei konnte eine aktive Mitwirkung vor allem der jüngeren Diplomaten, die sich – oft über das ganze Land verstreut – eine neue berufliche Existenz aufbauen mussten, kaum erwartet werden.

Die inneren Strukturen des Vereins waren den Erfordernissen des Vereinsgesetzes anzupassen. In der Mitgliederversammlung am 25. April 1992 wurden die notwendigen Satzungsänderungen beschlossen. Am 26. Mai 1993 erfolgte die Registrierung beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg als „Eingetragener Verein", dem vom zuständigen Finanzamt die Gemeinnützigkeit zuerkannt wurde. Der ursprünglich halbjährlich rotierende Vorsitz wurde ab 1993 durch die Wahl eines Präsidenten, zweier Vizepräsidenten, eines Schatzmeisters und weiterer außerordentlicher Vorstandsmitglieder abgelöst. Erster Verbandspräsident wurde Prof. Dr. Siegfried Bock, der sich um die Neuprofilierung des Verbandes besonders verdient gemacht hat. Sein Einsatz und Engagement in einer zwölfjährigen Amtszeit, seine politischen Erfahrungen und sein Ansehen in der europäischen Diplomatie haben dazu beigetragen, den Verband zu einem gefragten Akteur zu machen.

Entsprechend der neuen Ziele entwickelte sich rasch eine rege, sachliche Verbandsarbeit, die sich fast ausschließlich auf das Wissen und die Fähigkeiten seiner Mitglieder stützt. Auch realistisch denkende Politiker aus der alten Bundesrepublik wie z. B. Staatssekretär a. D. Günter Gaus ermunterten uns, unsere Erfahrungen nicht verloren gehen zu lassen.1 Das Insiderwissen hatte zu jener Zeit besonderes Gewicht: Aufgrund der Überführung des Archivs des DDR-Außenministeriums in das Politische Archiv des Auswärtigen Amtes standen wegen der dort geltenden Sperrfristen nicht einmal jene Akten zur Verfügung, die von den MfAA-Mitarbeitern in den 30 Jahren zuvor selbst angelegt worden waren.

Die neu formulierten Ziele und die entsprechend geänderte Satzung des Verbandes ermöglichte es Verbandsmitgliedern ab 1993, ihre spezifischen Kenntnisse und Erfahrungen insbesondere bezüglich Osteuropas, Mittelasiens, des afrikanischen Südens sowie des Systems der Außenpolitik der DDR in die Bearbeitung von Forschungsprojekten einzubringen, die von der VW-Stiftung finanziert wurden. Die Projektbearbeiter erhielten dadurch eine gute materielle Basis für die Forschungstätigkeit, konnten auf nationaler und internationaler Ebene ihre Ergebnisse vorstellen und leisteten somit einen bedeutenden Beitrag zur Akzeptanz des Verbandes als Wissenschafts- und Forschungsinstitution. Ingrid Muth, Peter Schubert, Manfred Schünemann, Arne C. Seifert und Hans-Georg Schleicher bearbeiteten bis 2006 insgesamt 10 Forschungsthemen, deren Ergebnisse in wissenschaftlichen Publikationen mündeten.

Mit den Forschungsprojekten bestätigte sich einmal mehr, dass sich die DDR-Diplomaten mit ihrem fachlichen und regionalspezifischen Hintergrund offen und flexibel in die Fachdiskussionen einzubringen vermochten. Einige der Veröffentlichungen, so zur ersten Etappe der DDR-Außenpolitik (2) und „Albanische Identitätssuche im Spannungsfeld zwischen nationaler Eigenstaatlichkeit und europäischer Integration" (3) finden noch heute eine beachtliche Aufmerksamkeit beim interessierten Fachpublikum.(4)

Ausdruck des Beginns einer neuen Etappe war die Schaffung von Arbeitsgruppen für spezifische Themenbereiche.

Die Arbeitsgruppe Geschichte der Außenpolitik der DDR setzte sich das Ziel, die Kompetenz der Diplomaten der DDR als unmittelbar Handelnde bei der sachlich-kritischen Bewertung der DDR-Außenpolitik zur Geltung zu bringen. Schon in der Mitgliederversammlung 1992 legte sie erste Thesen dazu vor. In der Folgezeit gelang es ihr, unter der Leitung von zunächst Joachim Mitdank und später Ingrid Muth die Kenntnisse einer Vielzahl von ehemaligen Kollegen zusammenzuführen und zur Grundlage aussagekräftiger Publikationen zu machen. Es ging nicht darum, Geschichte zu schreiben und die wissenschaftliche Forschung zu ersetzen, sondern die Gedanken und Erinnerungen von Zeitzeugen festzuhalten und für eine spätere Geschichtsbetrachtung zu bewahren.

In der Arbeitsgruppe Deutsche Außenpolitik fanden sich Verbandsmitglieder unter Leitung von Hans Voß regelmäßig zusammen, um Meinungen über aktuelle Fragen der deutschen Außenpolitik und internationaler Probleme auszutauschen. Die Ergebnisse der Diskussionen schufen Voraussetzungen für zahlreiche öffentliche thematische Veranstaltungen ab 1994.

Die Arbeitsgruppe Völkerrecht und internationale Organisationen wandte sich – geleitet von Günther Ullrich und später von Bernhard Neugebauer – zunächst einigen spezifischen Fragen wie der Beurteilung des Rentenüberleitungsgesetzes aus völkerrechtlicher Sicht und Menschenrechtsfragen zu. In der Folgezeit entwickelte sie eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen und mit der UNESCO-Kommission der BRD. Der Vorsitzende der Deutschen UNESCO-Kommission, Prof. Dr. Klaus Hüfner, konnte wiederholt gewonnen werden, in Veranstaltungen des Verbandes zu sprechen. Diese Zusammenarbeit hat es dem Verband ermöglicht, sich mit dem nötigen Hintergrundwissen in die allgemeine Debatte um die Entwicklung der UNO und des Völkerrechts einzubringen. DDR-Repräsentanten wie Peter Florin, Bernhard Neugebauer, Siegfried Zachmann, Peter Dietze und Siegfried Kämpf wurden bei Nennung ihrer damaligen Funktionen in der UNO zu offiziellen Veranstaltungen unter Teilnahme der UNO, so z. B. anlässlich der Berliner Rede des UNO-Generalsekretärs Khofi Annan, eingeladen. Leider konnte Peter Florin der Einladung von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zu einem Treffen ehemaliger Präsidenten der UNO-Vollversammlung in Seoul aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr folgen. Auch diese Einladungen zeugen von der Wertschätzung, die die Diplomaten der DDR auf internationaler Ebene genossen.

Dem Arbeitskreis GUS/Postsowjetischer Raum unter Leitung von Manfred Schünemann gelang es, Wissenschaftler, die nicht dem Verband angehören, zu gewinnen. Die Gruppe leistete mit der Behandlung aktueller Themen im Um-feld Russlands einen beachtlichen Beitrag zur Gestaltung des Veranstaltungsprogramms – sowohl bezüglich seiner inneren Entwicklung als auch seiner Außenpolitik einschließlich der Beziehungen zu Deutschland heute und in historischer Sicht.

Wegen des fortbestehenden Rentenstrafrechts war die Bildung der Arbeitsgruppe Sozial- und Rentenfragen – zuerst geleitet von Dietmar Heyne, später von Ronald Weidemann und Klaus-Dieter Ernst – erforderlich, um den Verbandsmitgliedern Hinweise auf diesem Gebiet zu geben bzw. ihnen den Weg zu professioneller Beratung zu ebnen. 

Ziele und Ergebnisse unserer Verbandsarbeit

Es war klar, dass der Anspruch des Verbandes und seiner Mitglieder, in die öffentliche Diskussion einbezogen zu werden und sich zu historischen und aktuellen internationalen Fragen zu äußern, in der damaligen politischen Atmosphäre zunächst auf verbreitete Vorurteile traf und besonders in den Medien – vorsichtig formuliert – ein wenig freundliches Umfeld vorfand. In der Anfangszeit ließ es sich kaum eine größere Tageszeitung oder Fernsehstation nehmen, ihren „Beitrag" zu einer orchestrierten Kampagne der Herabwürdigung und Häme zu leisten.

Das sollte sich allmählich in dem Maße ändern, wie die Kompetenz des Verbandes und seiner Mitglieder und sein positiver Beitrag zur sachlichen Diskussion internationaler Fragen in der Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen werden mussten. Nach einer Phase des Totschweigens der Außenpolitik der DDR setzte sich allmählich – zumindest bei denjenigen, die sich professionell mit der Geschichte der DDR befassten – mehr und mehr die Linie durch, die DDR-Außenpolitik in ihrer Gesamtheit zu betrachten und dabei auch positive Seiten und deren Wirkungen nicht zu verschweigen.

Für den Verband und seine Mitglieder wurde das in einem steigenden Interesse spürbar, Kontakte zu uns zu suchen, Materialien des Verbandes zur Kenntnis zu nehmen und als Informationsquellen zu nutzen. Insbesondere in kleineren Gesprächsrunden unter Fachleuten wuchs das Interesse, die Sicht ehemaliger DDR-Diplomaten zu historischen und aktuellen außenpolitischen Entwicklungen zu erfahren. So nahm Siegfried Bock Einladungen zu internationalen Konferenzen in Florenz und Zürich wahr, die den 30. Jahrestag der KSZE zum Thema hatten. Niemand nahm daran Anstoß, dass er dort in den offiziellen Materialien unter der Staatsbezeichnung DDR geführt wurde. Im gleichen Jahr nahmen zwei Vertreter des Verbandes an einem Seminar des Europa-Institutes der Russischen Akademie und der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau teil. Gute Erfahrungen machten auch Hans Voß und Bernhard Neugebauer auf wissenschaftlichen Tagungen der Akademie Otzenhausen im Saarland.

Die ersten Schritte in die Öffentlichkeit unternahm der Verband mit Vortragsveranstaltungen, die sporadisch Ende 1993 begannen (5) und schließlich in ein regelmäßiges Programm mit – von der zweimonatigen Sommerpause abgesehen – zwei Veranstaltungen pro Monat mündeten, mit seither über 350 Veranstaltungen in mehr als 20 Jahren und etwa 15.000 Teilnehmern. Neben der kontinuierlichen Zunahme der Teilnehmerzahlen, die bei besonders aktuellen und interessanten Themen mitunter die Kapazität der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten sprengten, stieg auch eindeutig der Anteil der Zuhörer von außerhalb des Verbandes.

Es zeigte sich sehr bald, dass Veranstaltungen, in denen Verbandsmitglieder als Referenten auftraten, auf starkes Interesse bei Nichtmitgliedern, also Studenten, Journalisten und anderen Politikinteressierten, stießen, weil deren spezifische Erfahrungen und die Gelegenheit des offenen Meinungsaustausches darüber zunehmend geschätzt wurden.

Beachtung fand aber auch die Möglichkeit, sich aus dem Munde von Politikern, Wissenschaftlern, Beamten des Auswärtigen Amtes und ausländischen Diplomaten ein authentisches Bild von den Konzeptionen anderer zu machen und sie zu diskutieren. So kamen z. B. diplomatische Vertreter Argentiniens, Armeniens, Boliviens, Bulgariens, Chinas, Ekuadors, Großbritanniens, Indiens, Japans, Kasachstans, der Republik Korea, Kubas, Makedoniens, Nikaraguas, Namibias, Österreichs, Palästinas, Polens, Russlands, Schwedens, der Slowakei, Sloweniens, Südafrikas, Tadschikistans, der Türkei, der Ukraine, Ungarns, Uruguays, Venezuelas und Vietnams zu Wort.

Gastreferenten von verschiedenen Parteien, aus Politik und Wissenschaft brachten ihr Interesse zum Ausdruck, vor unserem sachkundigen Publikum aufzutreten.

Das Vortragsprogamm widmete sich sowohl grundsätzlichen als auch aktuellen internationalen Problemen sowie der Entwicklung in einzelnen Ländern und Regionen, die jeweils im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses standen. Es deckte alle wichtigen Fragen der internationalen Beziehungen ab. Themenkreise waren u. a.:

– die Außenpolitik und die internationalen Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland, Kontinuität und neue Akzente in der Außenpolitik der Bundesregierung; das Verhältnis der Bundesrepublik zu Staaten wie USA, Russland, Frankreich, Italien;

– Friedenssicherung und Konfliktprävention; die Konflikte im postjugoslawischen und übrigen Balkanraum, in Zentralasien und um die Ukraine; die Rolle der OSZE;

– regionale Vertrags- und Paktsysteme; NATO-Erweiterung, neue strategische Konzeption der NATO; Völkerrecht und europäische Integration, EU und europäische Sicherheit;

– Aspekte der Außenpolitik der USA, Russlands, Chinas, Japans sowie die innere Entwicklung in Russland, China, Kuba, Venezuela und in anderen Ländern Europas, Afrikas und Lateinamerikas, Transformationsprozesse in der Ukraine, in anderen osteuropäischen Ländern sowie Zentralasien;

– internationale Organisationen und globale Fragen; die Reform der UNO, die Zukunft der UNESCO;

– Ost-West-Wirtschaftsbeziehungen, globale Energieproblematik,

– Jahrestage wichtiger internationaler Ereignisse wie 60 Jahre Münchener Abkommen, 50 Jahre Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen, 50 Jahre Görlitzer Abkommen über die Oder-Neiße-Grenze;

– die außenpolitischen Interessen der DDR, DDR-Beziehungen u. a. zum Nahen Osten einschließlich Israels aus heutiger Sicht, Auswärtige Kulturpolitik und Entwicklungshilfe der beiden deutschen Staaten, Erfahrungen des deutschen Auswärtigen Dienstes.

Die nun schon über Jahrzehnte bewährte Vielfalt des Vortragsangebots war auch aus der unterschiedlichen Herkunft der Referenten erkennbar: In den letzten fünf Jahren – von 2010 bis 2014 – wurden von den insgesamt 86 Veranstaltungen 27 von Gastreferenten aus der Wissenschaft getragen, 23 von Verbandsmitgliedern und anderen ehemaligen DDR-Diplomaten (6), 13 von ausländischen Diplomaten, 10 von Vertretern verschiedener Parteien bzw. parteinaher Stiftungen, 10 von aktiven oder ehemaligen Beamten des Auswärtigen Amtes und drei von Vertretern der Wirtschaft. Besonderen Zuspruch fanden in letzter Zeit die Veranstaltungen mit Gernot Erler, Karsten D. Voigt, Alexander Rahr, Christa Luft sowie mit den Botschaftern Russlands und Kubas.

Ein Höhepunkt eigener Veranstaltungstätigkeit war der am 25. Mai 2000 unter der Schirmherrschaft des Bezirksbürgermeisters von Berlin-Lichtenberg durchgeführte Workshop anlässlich des 50. Jahrestages des Görlitzer Abkommens über die Oder-Neiße-Grenze. Daran nahmen Historiker aus Polen, Deutschland und den Niederlanden teil sowie unser Verbandsmitglied Peter Florin, der als damaliger Leiter der Politischen Hauptabteilung des Außenministeriums der DDR der Vertragsunterzeichnung beigewohnt hatte. Aufgrund des regen Interesses an dieser Veranstaltung erschien das Tagungsprotokoll (7) in mehreren Auflagen.

Viel beachtete Veranstaltungen wurden gemeinsam mit anderen Organisationen durchgeführt. Ein erfolgreiches Muster, wie Themen, die die deutsch-deutschen Beziehungen zum Gegenstand hatten oder sie berührten, durch Akteure und Zeitzeugen aus beiden deutschen Staaten und dem Ausland erfolgreich bearbeitet werden konnten, war die gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg und dem Verein Helle Panke seit 1998 jährlich durchgeführte Reihe „Potsdamer Kolloquium", in deren Verlauf 20 Verbandsmitglieder (8), zum Teil auch mehrmals, als Referenten und Podiumsgäste auftraten, zum Beispiel zu den Themen:

– „Konflikt – Konfrontation – Kooperation. Deutsch-deutsche Beziehungen in vierzig Jahren Zweistaatlichkeit",

– „Abgegrenzte Weltoffenheit. Zur Außen- und Deutschlandpolitik der DDR",

– „... sofort, unverzüglich. Der Fall der Mauer am 9. November 1989",

– „Berlin – Bonn – Moskau. Das Dreiecksverhältnis zwischen neuer Ostpolitik und deutscher Einheit",

– „Der deutsch-deutsche Grundlagenvertrag. Umstände, Wirkungen, Sichtweisen",

– „Berlin und Bonn in New York. Die beiden deutschen Staaten in den Vereinten Nationen",

– „Zwischen Mauerfall und Beitritt. Zur Außen- und Deutschlandpolitik der DDR im letzten Jahr ihres Bestehens",

– „Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Voraussetzungen – Ergebnisse – Wirkungen",

– „Zur Außen- und Deutschlandpolitik am Ende der achtziger Jahre",

– „Von Erfurt und Kassel über Hubertusstock nach Bonn – deutsch-deutsche Gipfeldiplomatie und begleitende Back-Channels von 1970 bis 1987",

– „Der Honecker-Besuch in Bonn",

– „Von der ‚doppelten Staatsgründung‘ zur ‚europäischen Zentralmacht‘ – ‚deutsch-deutsche‘ Außenpolitik von 1949 bis heute",

– „Deutsch-südafrikanische Beziehungen. DDR – Bundesrepublik – vereintes Deutschland",

– „Deutsche Außenpolitik im Nahen Osten",

– „Zur deutschen Außenpolitik gegenüber Staaten Osteuropas".

Zu den hochrangigen Gästen gehörten u. a. Egon Bahr, Hans-Otto Bräutigam und Peter Bender.

Der Verband und seine Mitglieder wurden zu gefragten Partnern anderer Veranstalter. Als Beispiele mögen die Teilnahme an den Berliner „Europatagen" der EG ab 1992 oder am „Geschichtsforum 1949 – 1989 – 1999. Getrennte Vergangenheit – Gemeinsame Geschichte" der Bundeszentrale für politische Bildung 1999 zum Thema „Konkurrenz auf internationalem Parkett. Kulturpolitik und Entwicklungshilfe im Wettstreit um die Gunst der Dritten Welt" dienen. (9) Die Atmosphäre dieser Veranstaltung, die geprägt war vom Bemühen um Sachlichkeit, der Abkehr von gegenseitiger Schuldzuweisung und einem respektvollen Umgang miteinander – bei allem Festhalten an unterschiedlichen Standpunkten – war eine Ermutigung, einen solchen Weg der Beschäftigung mit der Geschichte fortzusetzen.

Am 17. Oktober 2006 führte die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) erstmalig gemeinsam mit dem Verband unter dem Titel „Kaum miteinander, selten gegeneinander, meist nebeneinander" einen Workshop zur Mitgliedschaft der beiden deutschen Staaten in der UN durch. Von unserem Verband traten Siegfried Bock, Hubert Thielicke, Jürgen Zenker, Siegfried Zachmann, Peter Dietze und Bernhard Neugebauer auf. Das Ergebnis der Veranstaltung liegt in einer Dokumentation (10) vor, die eine Lücke in der Analyse der auswärtigen Politik der beiden Staaten und der sachlichen Aufarbeitung ihrer Geschichte von 1949 bis 1990 füllt. Unser Verband hat sich für einen sachlichen und fairen Dialog zu dieser Thematik offen gezeigt. Frühere Diplomaten der BRD in den Vereinten Nationen hingegen begründeten ihre Nichtteilnahme damit, sie wollten nicht zu einer Veranstaltung kommen, die nach ihrer Auffassung „allzu offensichtlich der Rechtfertigung der Außenpolitik der DDR dienen" werde.

Auf der Fachtagung der DGVN „40 Jahre Deutschland in den Vereinten Nationen" am 18./19. September 2013 sprachen Bernhard Neugebauer und Manfred Nötzel. In sachlicher Atmosphäre konnte die Bedeutung der Aufnahme der beiden deutschen Staaten in die UNO beleuchtet und das aktive Mitwirken der DDR dargestellt werden.

Gemeinsame Veranstaltungen gab es am 12. Mai 2010 anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung vom Hitlerfaschismus mit dem Verein der Berliner Freunde der Völker Russlands sowie aus mehreren Anlässen mit dem Centrum Judaicum, zuletzt im Zusammenhang mit der Ausstellung „Von innen nach außen – Die Novemberpogrome 1938 in Diplomatenberichten aus Deutschland" über Reaktionen in Berlin akkreditierter ausländischer Diplomaten auf diese Ereignisse.

Die Herstellung von Kontakten zu führenden Politikern und zu Parlamentariern der Bundestagsparteien ermöglichte vertrauensvolle Gespräche außerhalb des Veranstaltungsprogramms über die Arbeit des Verbandes und über aktuelle politische Fragen. Genannt seien hier Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière (CDU), Egon Bahr und Karsten Voigt (SPD), die Bundestagsabgeordneten Willy Wimmer (CDU), Jan van Aken (Die Linke), Dr. Werner Hoyer (Stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion im Bundestag) und Fridtjof Schmidt (Stellvertretender Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag) sowie der Staatssekretär im Auswärtigen Amt Georg Boomgaarden.

Aus dem Kreis der Verbandsmitglieder erschienen auch erste Buchveröffentlichungen (die Nachweise sind im Anhang ausgewiesen), z. B. die Lebenserinnerungen Horst Grunerts, „Die Ukraine in der europäischen Sicherheitsarchitektur", von Hans-Georg Schleicher über die Beziehungen der BRD und der DDR zu Afrika, „Der Letzte macht das Licht aus" – über die letzten Tage und Wochen von 15 DDR-Botschafteniv, über die Arbeit von Korrespondenten aus der Bundesrepublik in der DDR 1972 bis 1990 sowie ein Sammelband von Franz-Karl Hitze mit 18 Beiträgen von DDR-Diplomaten.

Unter den späteren Buchveröffentlichungen von Verbandsmitgliedern verdienen die beiden Bände von Karl Seidel besondere Erwähnung, die ein Kompendium der deutsch-deutschen Beziehungen aus der Sicht eines Zeitzeugen darstellen, der sie von Beginn an aus nächster Nähe erlebt hat. 

Über die Westberlinproblematik schrieb Joachim Mitdank.

Standardwerke für ihr spezielles Fachgebiet sind auch die Bücher von Gerd König über die Beziehungen DDR-Sowjetunion 1987 bis 1990 – auf der Grundlage der nachgelassenen Manuskripte des Autors von Karl-Heinz Fehlberg und Manfred Schünemann herausgegeben, von Gunter Görner vor allem über seine Tätigkeit im UNO-Bereich, besonders auf dem Gebiet des Seevölkerrechts und mehrere Veröffentlichungen über Probleme Zentralasiens von Arne Seifert.

Autoren des Verbandes waren in Veröffentlichungen anderer Institutionen und Organisationen mit Beiträgen präsent. In Südafrika erschien ein mehrbändiges Werk zur Geschichte des südafrikanischen Befreiungskampfes. Der Band über die internationale Solidarität enthält einen Beitrag „DDR-Solidarität: Die Deutsche Demokratische Republik und der südafrikanische Befreiungskampf" von Hans-Georg Schleicher. Aus meiner Feder stammen in einem Lateinamerika-Sammelband der Rosa-Luxemburg-Stiftung ein Beitrag über Venezuela und ein Kapitel der Geschichte des Institutes für Internationale Beziehungen in Potsdam-Babelsberg. Dietrich Jarck und Dieter Philipp brachten ein DDR-Kapitel in den von der BRD-Botschaft in Vientiane herausgegebenen Band „Laos-Deutschland – 50 Jahre diplomatische Beziehungen" ein.

Der Verband konnte insbesondere durch die Bemühungen von Dr. Hubert Thielicke in den letzten fünf Jahren seine Zusammenarbeit mit WeltTrends, der nach Auflagenhöhe zweitgrößten Spezialzeitschrift für außenpolitische Fragen in Deutschland, intensivieren, sodass sich für eine Reihe von Verbandsmitgliedern Veröffentlichungsmöglichkeiten eröffneten. 

Das zweifellos beachtlichste Arbeitsergebnis der Arbeitsgruppe Geschichte der Außenpolitik der DDR ist eine dreibändige Publikation, die aus den Tagungsprotokollen der Arbeitsgruppe entstand. Sie enthält Beiträge über Grundsatzfragen der DDR-Außenpolitik, über die Beziehungen der DDR zu den verschiedenen Regionen und wichtigen Ländern, über die Mitarbeit im UNO-System, zur Abrüstung sowie über außenpolitische Fragen im Umfeld der Herstellung der deutschen Einheit. Angefügt sind eine Zeittafel zur Außenpolitik der DDR, eine Übersicht über ihre Auslandsvertretungen und deren Leiter sowie biografische Angaben von allen DDR-Außenministern, ihren Stellvertretern und den DDR-Botschaftern – alles in allem eine fundierte Darstellung wichtiger Aspekte der DDR-Außenpolitik aus heutiger Sicht. Damit gelang es, eine Art Handbuch der Außenpolitik der DDR vorzulegen.

Im Jahre 2004 entstand die Idee, Presseartikel einzelner Mitglieder, die nach ihrer Publikation in dem einen oder anderen Medium in Vergessenheit geraten könnten, zusammengefasst als Broschüren zu veröffentlichen. Ein erster Versuch (11) erwies sich als Erfolg. Er wurde zu einer ständigen Einrichtung – der Blauen Reihe", die in loser Folge erscheint und nun schon über 50 Hefte von mehr als 30 Autoren umfasst. Sie wurde sehr bald thematisch erweitert um Berichte über Erfahrungen aus einzelnen Ländern und Regionen, Beiträge zu außenpolitischen Grundsatzproblemen, zur aktuellen Lage und Politik einzelner Länder und um Biografien von Diplomaten der DDR. (12) Über diese Publikationsform konnte ein größerer Personenkreis innerhalb und außerhalb des Verbandes mit der wissenschaftlichen und journalistischen Arbeit unserer Organisation und zahlreicher ihrer Mitglieder bekannt gemacht werden.

Als wirksames Mittel der Öffentlichkeitsarbeit hat sich der Internetauftritt des Verbandes erwiesen, (13) der im März 2002 von mir eingerichtet wurde und seit 2005 von Hans Schindler zweckmäßiger gestaltet und seitdem von ihm ständig betreut wird. Zunächst wurde die Web-Seite genutzt, um über Charakter, Ziele und Aktivitäten des Verbandes zu informieren. Ab September 2002 wurden Texte von Publikationen der Mitglieder und Vortragstexte von Verbandsveranstaltungen einbezogen. Seit 2011 erscheinen auch Texte, die von Mitgliedern speziell für die Internetseite des Verbandes verfasst wurden. Die Zahl der Zugriffe hatte eine ständig steigende Tendenz von monatlich um 1.500 gegen Ende 2003 bis 37.500 im März 2015. Gegenwärtig sind 655 Texte der Mitglieder und Freunde des Verbandes abrufbar. Die meisten Textanforderungen kommen von Terminals bei Universitäten, anderen wissenschaftlichen Institutionen und Dokumentationszentren in Deutschland, in Ländern West- und Osteuropas, in den USA und anderen überseeischen Ländern. In letzter Zeit ist besonders die Zunahme der Zugriffe aus dem Ausland bemerkenswert, darunter aus den USA, der Ukraine, Israel, Frankreich, Großbritannien, Russland und China. Selbst aus Australien und Vietnam gibt es Besucher.

Offensichtlich haben Studenten und junge Wissenschaftler den Verband als Quelle nützlicher Informationen entdeckt. Im Mittelpunkt des Interesses stehen solche Materialien, die Fakten und Standpunkte vermitteln, Probleme bewerten oder eigenständige Beiträge zu aktuellen außenpolitischen Fragen zum Gegenstand haben. Thematisch stehen dabei einerseits Beiträge über Länder und Regionen im Vordergrund, die jeweils im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit stehen; andererseits zeigt sich, dass die Spezialkenntnisse unserer Verbandsmitglieder geeignet sind, Lücken im allgemeinen Informationsangebot zu füllen.

Als Fazit bleibt: Die Tätigkeit des Verbandes für Internationale Politik und Völkerrecht und seine Arbeitsergebnisse haben die Richtigkeit der Anfang der 1990er Jahre getroffenen Entscheidung bestätigt, den ehemaligen MfAA-Angehörigen eine organisatorische und inhaltliche Basis zu geben, um ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Fähigkeiten nicht verloren gehen zu lassen, sondern produktiv nutzbar zu machen. Das ist eine Ermutigung, die Arbeit nach Möglichkeiten und Kräften fortzusetzen.

Der Autor ist Präsident des Verbandes für Internationale Politik und Völkerrecht e.V.

Fußnoten

(1) Auf einer Veranstaltung im Herbst 1996 mit etwa 200 ehemaligen DDR-Diplomaten erklärte er: „Es wäre schade, wenn das Wissen und die Geschichten in Ihren Köpfen verloren gehen würden. Man müsste sie aufschreiben!"

(2) Ingrid Muth, Die DDR-Außenpolitik 1949 – 1972. Inhalte, Strukturen, Mechanismen, Chris-toph Links Verlag, Berlin 2000.

(3) Peter Schubert, Verlag Peter Lang, Frankfurt a. M. 2005; einer der von der Internetseite des Verbandes (vip-ev.de) am häufigsten abgerufenen Titel.

(4) Weitere Themen waren: die Deutschlandpolitik der Sowjetunion nach dem 2. Weltkrieg, die Rückkehr Russlands in die europäische und Weltpolitik unter den Bedingungen des System-wechsels im Innern und der Neuformierung des internationalen und europäischen Bezie-hungsgefüges, die Ukraine in den europäischen sicherheitspolitischen Strukturen, die Trans-formation des politischen Systems Tadschikistans im Spannungsfeld russischen und islami-schen Einflusses, multilaterale Verfahren zur Abstimmung kooperativer Stabilitätsstrategien in der Regionalpolitik der OSZE am Beispiel Mittelasien sowie Krisen im Süden Afrikas und regionale Versuche ihrer Lösung.

(5) Im Oktober 1993 sprach Botschafter a. D. Gerd König über die Beziehungen DDR-UdSSR in der Periode 1985 bis 1989; im ersten Halbjahr 1994 waren es drei Veranstaltungen zu den Themen DDR-China, Inhalte der neuen deutschen Außenpolitik und Beziehungen DDR-UdSSR 1990.

(6) Karl Fischer, Wolfgang Grabowski, Manfred Haustein, Axel Jänicke, Otto Pfeiffer, Gregor Schirmer, Hans-Georg Schleicher, Wilfried Schreiber, Manfred Schünemann, Arne C. Seifert, Hans Voß, Heinz-Dieter Winter.

(7) 50 Jahre Görlitzer Abkommen. Erfahrungen deutsch-polnischer Zusammenarbeit, Heraus-geber: Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e. V., Berlin 2000.

(8) Siegfried Bock, Peter Dietze, Klaus-Dieter Ernst, Wolfgang Grabowski, Horst Grunert, Wal-ter Hundt, Gerd König, Rolf Muth, Horst Neubauer, Bernhard Neugebauer, Otto Pfeiffer, Hans Schindler, Hans-Georg Schleicher, Karl Seidel, Arne C. Seifert, Gerd Vehres, Hans Voß, Erich Wetzl, Heinz-Dieter Winter und Jürgen van Zwoll.

(9) Hans Voß und Heinz-Dieter Winter waren gemeinsam mit zwei ehemaligen BRD-Botschaf-tern Podiumsgäste der Veranstaltung in den Räumen der Humboldt-Universität.

(10) Herausgegeben von der DGVN im Oktober 2007.

(11) Voß, Hans, „Außenpolitik in Europa", Schriften zur internationalen Politik, Heft 1, Berlin 2004.

(12) Bisher schrieben über ihr Leben: Erich Wetzl, Eleonora Schmid, Franz Tallowitz, Kurt Merkel, Günther Scharfenberg, Heinz Knobbe und Manfred Schmidt.

(13) Erreichbar unter der Adresse vip-ev.de.

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